
Rom (kath.net/as) Am gestrigen Abend wurde nach den Arbeiten der Bischofssynode vor einigen Synodenvätern der Film „Bells of Europe – Glocken Europas“ gezeigt. Der Film handelt von der Beziehung zwischen Christentum, europäischer Kultur und Zukunft des Kontinents.
Der Film legt eine Reihe von Interviews mit den wichtigsten christlichen religiösen Persönlichkeiten Europas vor. Es kommen zu Wort: Papst Benedikt XVI., der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der Patriarch von Moskau, Kyrill, der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber sowie weitere Persönlichleiten aus Politik und Kultur wie der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano.
Der Klang der Glocken aus verschiedenen Orten Europas bildet den Leitfaden des Films. Die Filmmusik wurde vom estnischen Komponisten Arvo Pärt geschaffen.
Die erste Frage des Interviews mit Benedikt XVI. war dem Aufruf des Papstes gewidmet, das wahre Antlitz des Menschen, die Werte des Evangeliums sowie die tiefen christlichen Wurzeln Europas neu zu entdecken, worin die große Hoffung für die Zukunft liege.
Der Grund für diese Hoffnung besteht für Benedikt XVI. zunächst in der Tatsache, dass das Verlangen nach Gott zutiefst in die Seele des Menschen eingeschrieben sei und nicht verschwinden könne. Als zweiten Grund für seine Hoffnung gab der Papst die Tatsache an, dass das Evangelium Jesu Christi, die Glaube an Jesus Christus „einfach wahr ist. Und die Wahrheit altert nicht“. Sie könne zwar für eine gewisse Zeit vergessen werden, verschwinde aber nicht als solche. „Die Zeit der Ideologien ist gezählt“, so Benedikt XVI: „Sie scheinen stark und unwiderstehlich zu sein, doch nach einer gewissen Zeit verbrauchen sie sich, haben keine Kraft mehr in sich, da ihnen eine tiefe Wahrheit fehlt“. Das Evangelium dagegen vergehe nie: „In allen Zeiten treten seine neuen Dimensionen hervor, erscheint seine ganze Neuheit“. Deshalb „bin ich davon überzeugt, dass es auch einen neuen Frühling des Christentums geben wird“.
Als weiteren Grund für seine Hoffnung für Europa gab Benedikt XVI. einen „empirischen“ an: die Unruhe, die heute in der Jugend wirksam sei, die der Leere in den Ideologien und im Konsumdenken gewahr werde: „Der Mensch ist für das Unendliche geschaffen. Alles Endliche ist zu wenig“. Daher könne gerade in den jungen Generationen diese Unruhe ausgemacht werden, durch die sie auf den Weg gebracht und neu die Schönheit des Christentums entdecken würden: „kein billiges, reduziertes Christentum, sondern ein Christentum in seiner Radikalität und Tiefe“.
Die zweite Frage an den Papst betraf das gemeinsame christliche Zeugnis und dessen Bedeutung für den Aufbau Europas und die Suche nach neuen Wegen, um den gemeinsamen Herausforderungen zu begegnen.
Europa habe auch heute ein großes wirtschaftliches, intellektuelles und kulturelles Gewicht und trage demzufolge eine große Verantwortung. Doch Europa müsse noch seine volle Identität finden, um seiner Verantwortung gemäß sprechen und handeln zu können.
Das Problem von heute besteht für Benedikt XVI. nicht mehr in den nationalen Unterschieden, die keine Trennungen mehr bedeuten würden. Das Problem der Identitätsfindung Europas liege vielmehr in der Tatsache, dass es in Europa heute „zwei Seelen“ gäbe: „Eine der Seelen ist eine abstrakte, antihistorische Vernunft, die alles zu beherrschen beabsichtigt, da sie sich über allen Kulturen fühlt. Ein Vernunft, die endlich zu sich gekommen ist und sich aus allen Traditionen und kulturellen Werten zugunsten einer abstrakten Rationalität emanzipieren will“. Der Papst zitierte in diesem Zusammenhang das erste Straßburger Kruzifixurteil als Beispiel für diese abstrakte Vernunft, die sich von allen Traditionen, „aus der Geschichte selbst“ emanzipieren wolle. So aber sei Leben unmöglich, zumal auch eine „reine Vernunft“ geschichtlich bestimmt sei.
Die zweite Seele sei dagegen die christliche. Sie „öffnet sich für alles, was vernünftig ist, die Seele, die selbst den Wagemut der Vernunft und der Freiheit einer kritischen Vernunft geschaffen hat, jedoch in den Wurzeln verankert bleibt, die dieses Europa gegründet haben, die es in den großen Werten, in den großen Einsichten, in der Sicht des christlichen Glaubens errichtet haben“.
So ist es für Benedikt XVI. notwendig, dass diese christliche Seele vor allem im ökumenischen Dialog zwischen der katholischen, der orthodoxen und der protestantischen Kirche eine gemeinsame Ausdrucksform findet, um dann der „abstrakten Vernunft“ zu begegnen. Die christliche Seele müsse „die kritische Freiheit der Vernunft gegenüber allem, was sie tun kann und getan hat, bewahren. Doch sie muss sie im Fundament ausüben, konkretisieren, im Zusammenhalt der großen Werte, die uns das Christentum gegeben hat“.
Nur in diesem Zusammentreffen könne Europa sein Gewicht im interkulturellen Dialog der Menschheit von heute und morgen haben, „da eine Vernunft, die sich aus allen Kulturen emanzipiert hat, in keinen interkulturellen Dialog treten kann“. Nur eine Vernunft, die „eine geschichtliche und moralische Identität besitzt, kann auch mit den anderen sprechen, eine Interkulturalität suchen, in der alle eine grundlegende Einheit der Werte finden könne, die die Wege in die Zukunft eröffnen, zu einem neuen Humanismus, der unser Ziel sein muss. Und für uns entwächst dieser Humanismus gerade der großen Idee des Menschen – Bild und Gleichnis Gottes“.
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