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Liturgie ist nicht menschliches Machwerk oder kreativer Aktionismus

16. Oktober 2012 in Deutschland, 5 Lesermeinungen
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Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-Van Elst bei Bischofssynode: Die Berufung eines Menschen zum Glauben ist Gottes Initiative und sein Werk. Eine Liturgie, die das widerspiegelt, wird zur katechetischen Schule


Rom (kath.net)
Bischof Franz-Peter Tebartz-Van Elst hat am Dienstag bei der Bischofssynode in einem Redebeitrag den Katechumenat als einen der großen Früchte des 2. Vatikanischen Konzils bezeichnet. Der Bischof von Limburg stellte dabei klar, dass Glaubenswege auch Glaubensinhalte brauchen und Liturgie nicht menschliches Machwerk oder kreativer Aktionismus sei.


kath.net dokumentiert den Beitrag im Wortlaut:

Heiliger Vater!
Verehrte Synodenversammlung!

Auf der Suche nach neuen Wegen der Evangelisierung möchte ich mich mit meinem Beitrag auf die Artikel 92 und 131 bis 137 des Instrumentum laboris beziehen. In Artikel 92 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Evangelisierung ein Prozess mit Phasen und Stufen ist: „Liebe, Zeugnis, Verkündigung, Feier, Hören, Miteinander teilen“ (Art 92).

Was schon Evangelii nuntiandi in dieser Weise vor 37 Jahren fast prophetisch festgestellt hat, findet sich beispielhaft im Katechumenat der Kirche. In diesen Tagen des Konzilsjubiläums wird uns dankbar bewusst, dass die Liturgiekonstitution und das Missionsdekret den frühkirchlichen Katechumenat wiederbelebt haben. Wo dieser Weg des Christwerdens wieder Gestalt bekommen hat, wird er als eine große Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils bezeichnet. Auch das Allgemeine Direktorium für die Katechese von 1997 hat in Art 100 aufgrund gewachsener pastoraler Erfahrungen festgehalten: „Die Katechese der Kirche ist nach dem Katechumenat auszurichten.“

Es war vor gut 20 Jahren zunächst das Ereignis der Wiedervereinigung Deutschlands und der Öffnung des Eisernen Vorhangs, das erstmals die Gemeinden in unserem Land mit einer größeren Zahl von erwachsenen Taufbewerbern konfrontiert hat. Pastorale Erfahrungen mit dem Katechumenat vor allem in Frankreich und in den USA haben uns seinerzeit in Deutschland bewogen, diesen Weg in unseren Gemeinden und Diözesen ka¬techetisch und liturgisch zu gestalten. Die Anfänge bestanden in einzelnen Pilotprojekten – oft mit kleinen Zahlen auf gemeindlicher und diözesaner Ebene – aber das Signal in die kirchliche und gesellschaftliche Öffentlichkeit war deutlich.
Heute sind es jährlich etwa 3500 Erwachsene, die sich in Deutschland taufen lassen. In der Großstadt Frankfurt hat seit Beginn der Finanzkrise die Zahl der erwachsenen Taufbewerber noch zugenommen.


Hier zeigt sich, dass gerade die städtische Welt – wie schon in den ersten Jahrhunderten der Kirche – gerade von jüngeren Menschen als eine Wüste erlebt werden kann, in der sich der Durst nach „mehr“ einstellt.

Diese praktische Herausforderung und Umsetzung ereignete sich in einer Zeit spürbarer Glaubensverdunstung. Unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. hat schon 1983 als Kardinal in seiner vielbeachte¬ten Rede „Zur Krise der Katechese“ darauf verwiesen, dass Evangelisierung keine Methode oder Strategie ist, ja, dass es gar die Gefahr gibt, sie über den Inhalt zu stellen. Der Heilige Vater sagte damals in Frankreich: „Glaube zielt auf das Lebenkönnen. In ihm geht es nicht um irgendein Können, das man erwerben oder auch beiseite lassen kann, sondern eben darum, das Leben selbst zu erlernen, und zwar ein Leben, das wert und fähig ist, ‚immer zu bleiben’.“

Evangelisierung bedeutet in diesem Sinn, sich von Christus suchen und finden zu lassen und in einer Welt der Endlichkeit Platzhalter für das ewige Leben zu sein. Dieser Prozess, der den Menschen zum Christen formt, ist in der Kirche der Katechumenat. Mehrfach wurde er in diesen Tagen als ein missionarischer Weg in Erinnerung gerufen. Im Blick auf die pastorale Situation in Deutschland (und nicht nur dort), liegt es nahe, so zu denken und zu handeln, wie es der Hl. Vater schon vor zehn Jahren in Deutschland (beim 50-jährigen Jubiläum des Liturgischen Instituts in Trier) gesagt hat: „Ein Großteil der Christen von heute befindet sich faktisch im Katechumenatsstatus und das müssen wir in der Praxis endlich ernst nehmen.“ Der Selige Papst Johannes Paul II. hat in Catechesi tradendae schon von „Quasikatechumenen“ (vgl. CT, Art. 44) gesprochen.

In Deutschland waren es in den 1990er Jahren zunächst einige wenige Diözesen, die es einfach versucht haben. Es hat sich gezeigt, dass der Mut zu einem ersten Schritt in diese Richtung der Anfang einer anschaulichen Evangelisierung werden kann.
Dabei haben wir in Deutschland drei Zusammenhänge durch den Katechumenat neu entdeckt:

I. Biografie und Botschaft

Glaubenswege brauchen Glaubensinhalte. So entsteht eine Glaubensvergewisserung, die eine Glaubensidentität ausbildet. Das 20-jährige Jubiläum des Weltkatechismus macht uns bewusst, dass Biografie und Botschaft keine Gegensätze sind; - geht es im Glauben doch – wie eingangs zitiert – „um ein Lebenlernen, das wert und fähig ist, immer zu bleiben.“

Der Glaube aber verliert sich im Gefühl, wenn die Fragen der Menschen gerade an den Brü-chen in manchen Biografien nicht durch Schrift und Katechese verlässliche Antworten bekommen, die zeigen, wie das Glaubensbekenntnis der Kirche Christen gerade in kritischen Zeiten getragen hat. So reift – wie es der Heilige Vater zu Beginn der Synode gesagt hat – Professio zu Confessio.


II. Liturgie als mystagogische Katechese

In den vergangenen 20 Jahren ist in den deutschen Diözesen gerade durch die diözesanen Zulassungsfeiern des Katechumenates unter dem Vorsitz des Bischofs bewusst geworden: Liturgie ist nicht menschliches Machwerk oder kreativer Aktionismus. Gott handelt an uns. Die Berufung eines Menschen zum Glauben ist Gottes Initiative und sein Werk. Eine Liturgie, die das widerspiegelt, wird zur katechetischen Schule und damit auch zur Korrektur, wo das Geheimnis des Glaubens in Gefahr ist, durch menschliche Worte zerredet zu werden.


III. Der erste Schritt Einzelner und die Bekehrung der Vielen

Wo Taufbewerber sich im Katechumenat in der gestuften Öffentlichkeit der Kirche auf den Weg machen und Gemeinden daran teilhaben, zeigt sich: Es ist die Berufung Einzelner, die die Gemeinschaft der Getauften in die zweite Bekehrung – oder sagen wir besser – in eine neue Evangelisierung führt. In der Begegnung mit den Katechumenen findet die Kirche in ihre Selbstevangelisierung.


Die gewachsene Praxis des Katechumenates in Deutschland macht bewusst: Evangelisierung beginnt mit dem Mut zum ersten Schritt – im Leben der Taufbewerber und der Kirche. Wir müssen anfangen und dürfen uns nicht von den Bedenkenträgern irritieren lassen. Der Philosoph Aristoteles spricht davon, dass ‚der Anfang die Hälfte des Ganzen ist.’ Vielleicht gilt das auch für die Suche nach einer neuen Evangelisierung. Bei einem Besuch der Pastoralkommission unserer Bischofskonferenz in einem französischen Bistum ist mir dies vor einigen Jahren bewusst geworden. Die Situation der Pastoral, die uns dort vorgestellt wurde, war – rein statistisch betrachtet – sehr ernüchternd. Auf unsere Frage an den Bischof, wie er und die Christen dieser Diözese damit leben könnten, antwortete er, was ich nicht vergessen habe. Er sagte: „Wir gehen von Anfang zu Anfang; - jeden Tag neu -; bis einmal zum letzten Anfang.“

In diesem Sinn bedeutet Evangelisierung: „Im Glauben ein Leben zu erlernen, das wert und fähig ist, immer zu bleiben.“


Kathpedia: Katechumenat


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