12 Oktober 2012, 17:55
Die ewige Morgenröte des Christentums
 
Hildegard13
 
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Benedikt XVI.: ‚aggiornamento’ – das Heute des Menschen in das Heute Gottes hineinbringen. Die Heiligkeit – wahres Antlitz der Kirche – lässt das ewige Heute Gottes in das Heute unseres Lebens eintreten. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Nach der feierlichen Eröffnung des Jahres des Glaubens am 11. Oktober 2012 empfing Papst Benedikt XVI. am heutigen Freitagvormittag einige der Bischöfe in Audienz, die als Konzilsväter am II. Vatikanischen Konzil teilgenommen hatten. Zusammen mit den 14 anwesenden von insgesamt noch 69 lebenden Konzilsvätern waren die Patriarchen und Erzbischöfe der katholischen Ostkirchen, zahlreiche Präsidenten der Bischofskonferenzen der Welt, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., sowie der Primas der Anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, gekommen.

Benedikt XVI. konzentrierte in seiner Ansprache die Aufmerksamkeit auf die immerwährende Aktualität des Glaubens. Der Begriff des „aggiornamento“ stelle in diesem Sinn keinen Bruch mit der Tradition dar. Die christliche Botschaft dürfe nicht auf das herabgedrückt werden, was der öffentlichen Meinung gefällig sei. Nicht die zeitlosen Worte des Evangeliums sollten an die intellektuellen Moden der Zeit dessen angepasst werden, der sie hört. Vielmehr „ist es die Aktualität, die der Mensch lebt, die jedes Mal auf die Ewigkeit Gottes zurückgeführt werden muss, die in den Worten Jesu zum Ausdruck gekommen ist“.

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An die anwesenden Konzilsteilnehmer gewandt, die jene „Zeit der Gnade“ des II. Vaticanum erlebt hätten, fuhr der Papst mit seiner breit angelegten Reflexion über das Konzil fort, die er bereits im Dezember 2005 in seiner Weihnachtsansprache vor der Römischen Kurie begonnen, in den letzten Jahren an verschiedensten Stellen fortgeführt und gerade in diesen Tagen mit besonderen Akzenten versehen hatte. Das ganze Jahr des Glaubens wird dieser Reflexion in seiner Ganzheit gewidmet sein, was auch durch die am vergangenen Mittwoch begonnene neue Katechesenreihe bei den Generalaudienzen zu den Texten des Konzils zum Ausdruck kommt.

Benedikt XVI. beschäftigte sich erneut mit dem Begriff des „aggiornamento“, des „Wieder-auf-den-Tag-bringens“, wie er das italienische Wort am letzten Mittwoch wiedergegeben hatte. Der Papst erinnerte daran, dass die Rede vom „aggiornamento“ immer wieder bei den Arbeiten des Konzils aufgekommen sei. Die einen hätten den Begriff für nicht glücklich gewählt gehalten, andere hingegen seien der entgegengesetzten Auffassung gewesen. Man könne Stunden über den Begriff diskutieren, ohne dabei zu einem Ergebnis zu gelangen: „doch ich bin davon überzeugt, dass die Intuition, die der selige Johannes XXIII. mit diesem Wort zusammenfasste, richtig gewesen ist und dies immer noch ist“.

Das Christentum „darf nicht als ‚etwas der Vergangenheit Zugehöriges’ gesehen werden; ebenso wenig darf es mit einem fortwährend ‚rückwärtsgewandten’ Blick gelebt werden, denn: Jesus ist heute, morgen, in Ewigkeit“.

Der ewige Gott, „der in die Zeit gekommen und zu jeder Zeit gegenwärtig ist, macht das Christentum immer neu“, so der Papst. Dieses dürfe nie wie ein Baum gesehen werden, der sich aus dem im Evangelium zitierten Senfkorn entwickelt habe, gewachsen sei, seine Früchte getragen habe „und dann eines Tages altert und beim Niedergang seiner Kräfte anlangt“. Das Christentum „ist ein Baum, der sozusagen in ewiger Morgenröte steht, der immer jung ist“.

In dieser Hinsicht bedeute die Rede vom „aggiornamento“ keinen „Bruch mit der Tradition, sondern wolle deren „beständige Vitalität“ zum Ausdruck bringen. „aggiornamento“ bedeute nicht, den Glauben zurückzuschneiden und ihn auf die Moden der Zeit herunterzudeklinieren, „auf das Maß dessen, was uns gefällt, was der öffentlichen Meinung gefällt“. Im Gegenteil: wie dies die Konzilsväter getan hätten, „müssen wir das Heute, in dem wir leben, zum Maß des christlichen Ereignisses bringen, wir müssen das Heute unserer Zeit in das Heute Gottes bringen“.

Das Konzil „ist eine Zeit der Gnade gewesen, in der uns der Heilige Geist gelehrt hat, dass die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte immer zum Menschen von heute sprechen muss. Doch dies vermag nur kraft derer geschehen, die tiefe Wurzeln in Gott haben, sich von ihm führen lassen und mit Reinheit ihren Glauben leben. Das kann nicht von denen kommen, die sich an den vorübergehenden Augenblick anpassen, von denen, die den bequemsten Weg wählen“. Die Heiligkeit zeige das wahre Antlitz der Kirche, sie „lässt das ewige Heute Gottes in das Heute unseres Lebens eintreten, in das Heute des Menschen unseres Zeitalters“.

Für Benedikt XVI. sind es die Heiligen, denen es in jedem Zeitalter gelungen ist, Gott in das Heute der Geschichte und die Geschichte zur Ewigkeit Gottes zu bringen. Der Papst wünschte abschließend allen Ortskirchen, zur lebendigen Quelle des Evangeliums“ zurückzukehren und dafür die besondere Zeit des soeben begonnen Jahres des Glaubens zu nutzen.

Das Jahr des Glaubens veranlasse die Gläubigen auf die beste Weise, des Konzils zu gedenken und sich dabei auf „das Herz seiner Botschaft“ zu konzentrieren. Dieses Herz „ist nichts anderes als die Botschaft des Glaubens an Christus, des einzigen Heilands der Welt, die dem Menschen unserer Zeit verkündigt wird. Auch heute besteht das Wichtige und Wesentliche darin, den Lichtstrahl der Liebe Gottes in das Herz und in das Leben eines jeden Mannes und einer jeden Frau zu bringen, und jeden Mann und jede Frau an allen Orten und in jedem Zeitalter zu Gott zu bringen“.






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