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Synode: Erzbischof Forte für zügigere Ehenichtigkeitserklärungen

12. Oktober 2012 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Erzbischof von Chieti-Vasto fordert, die ‚dramatische Situation’ von Kindern wiederverheirateter Geschiedener in Blick nehmen – Sie würden häufig zu ‚unfreiwillig Beteiligten am Ausschluss von der Kommunion’


Rom (kath.net/KAP) Bei der Weltbischofssynode im Vatikan hat sich der italienische Erzbischof Bruno Forte für eine Vereinfachung von kirchlichen Eheannullierungsprozessen ausgesprochen. Konkret verwies er auf die Vorschrift einer doppelten Urteilsfindung, auch wenn kein Widerspruch vorläge, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Redemanuskript hervorgeht. Solche Erfordernisse erschienen "verletzten Personen", die eine Heilung ihrer Situation wünschten, wenig verständlich. "Ein Nachdenken über die Art und Weise und die notwendigen Zeiträume für die Anerkennung der Nichtigkeit des Ehebands" müsse eingeleitet werden, so Forte.

Der Erzbischof von Chieti-Vasto forderte zudem, die "dramatische" Situation von Kindern wiederverheirateter Geschiedener in den Blick zu nehmen. Sie würden häufig zu "unfreiwillig Beteiligten am Ausschluss von der Kommunion" gemacht, weil ihre Eltern die Sakramente nicht empfangen könnten, sagte Forte. Ein Umschwung in der Pastoral sei nötig, wie auch Papst Benedikt XVI. etwa im Juni beim Weltfamilientreffen in Mailand bekräftigt habe.

Forte nannte die Jugend mit ihrem "Durst nach Gott" eine wichtige Zielgruppe der Neuevangelisierung. Man müsse ihnen zuhören, Zeit geben, ihr Freiheitsbedürfnis respektieren und von Gott erzählen. Hierbei spiele die Familie eine entscheidende Rolle, so der Erzbischof, der 2004 die Fastenexerzitien für Papst und Kurie hielt.


Bruno Forte gilt als einer der profiliertesten italienischen Theologen. Er ist Mitglied der Internationalen Theologenkommission sowie des Einheitsrats.


kath.net dokumentiert das Statement vom 11.10.2012 von Erzbischof Bruno Forte bei der 6. Generalkongregation der Bischofssynode in voller Länge:

Die Relatio unterstreicht das anthropologische, christologische und ekklesiologische Fundament der Neuevangelisierung. Es wäre wichtig, die pneumatologische Dimension auszuarbeiten, auch im Hinblick auf das, was IL 41 bekräftigt: der Heilige Geist ist die erste Ursache der Neuevangelisierung. Er ist es, der das Herz neu macht, damit es das neue Lied singt (“Novi novum canamus canticum”: hl. Augustinus). Ihm ist es zu verdanken, daß die Neuheit nicht zur Ordnung der chronologischen Neuheit gehört (“neòs” im Griechischen des NT), sondern zu derjenigen der eschatologischen, qualitativen Neuheit (“kainòs”). Das “mandatum novum” ist die “kainé entolé”. Der Heilige Vater hat uns, als er das Gebet der Terz kommentierte, daran erinnert: “Nunc, Sancte, nobis, Spiritus, unum Patri cum Filio, dignare promptus ingeri nostro refusus pectori.” Gott ergreift die Initiative, durch die Kraft des Geistes.

Ich habe den Eindruck, daß in der Relatio die grundlegende Rolle der Pfarrei, der das IL wichtige Reflexionen widmet (IL 81), nur wenig betont wird. Die direkte Erfahrung des Bischofsamtes, vor allem die Pastoralvisiten, die ich seit dreieinhalb Jahren weitflächig in den Gemeinden der Erzdiözese durchführe, hat mich davon überzeugt, daß es ohne einen neuen missionarischen Impuls der Gemeinde, der von den Arbeitern in der Pastoral, die in der Gemeinde arbeiten, selbst ausgeht, schwierig sein wird, eine radikale Neuevangelisierung zu leben. In diesem Licht - und auch wenn ich die Gaben des Geistes, die die neuen Bewegungen sind, schätze - bin ich der Ansicht, daß die Katholische Aktion, auf die sich IL in Nr. 117 ganz klar bezieht, ein wertvolles Werkzeug ist, das ganz im Geist der Mitarbeit der Laien am Sendungsauftrag der Hirten wirkt.

Schließlich, so denke ich, sollte auch die Bedeutung der Jugendlichen als Adressaten der Neuevangelisierung hervorgehoben werden: auch wenn ihre Abkehr von der religiösen Praxisvon vielen als selbstverständliche Tatsache betrachtet wird, will das noch lange nicht besagen, daß ihre Herzen nicht nach Gott dürsten. Wenn ich ihnen in großer Zahl in den Universitäten und den Schulen begegne, habe ich dafür ständig aufs Neue den Beweis. Manmuss auf die Antwort auf den sogenannten “erzieherischen Notstand” setzen, von dem IL Nr. 149 spricht. Man muß sie anhören, ihnen Zeit geben, ihnen von Gott erzählen, und sie unter Rücksichtnahme auf ihr Freiheitsbedürfnis aufnehmen.

Hier sieht man, wie entscheidend die Rolle der Familie ist (IL 110ff.), aber auch, wie dramatisch die Lage der Kinder geschiedener Wiederverheirateter ist, die oft dadurch, daß ihre Eltern nicht daran teilnehmen können, den Sakramenten entfremdet werden. Hier ist eine ganz entschiedene Wende in der pastoralen Nächstenliebe angesagt, wie Papst Benedikt XVI. mehrfach bekräftigt hat (beispielsweise beim Weltfamilientreffen in Mailand).

Außerdem ist es notwendig, eine Reflexion über die Verfahrensweisen und die erforderlichen Wartezeiten in Gang zu bringen, die erforderlich sind, die Nichtigkeitserklärung des Ehebandes anerkannt zu bekommen: als Bischof und Moderator eines Regionalen Kirchengerichts muß ich zugeben, daß einige Anforderungen (wie etwa die Erfordernis eines doppelten konformen Urteilsspruchs, auch wenn es keinen Einspruch gibt) zahlreichen bereits verletzten Menschen, die ihre Lage in Ordnung bringen wollen, wenig nachvollziehbar erscheinen.


Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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