
Rom (kath.net/KAP) Bei der Glaubenserneuerung kann es nicht um Quantität gehen - etwa eine bloße Erhöhung der Messbesuchszahlen -, sondern es geht um Qualität: Das hat Kardinal Christoph Schönborn (Foto) in einem Interview mit der Mailänder katholischen Tageszeitung "Avvenire" (Donnerstag-Ausgabe) betont. Statistische Daten zur Erhebung des Ausmaßes der Krise des Glaubens in Europa bezeichnete der Wiener Erzbischof als zwar wichtige Indikatoren, aber nicht eigentlich entscheidend.
Zwar könne man den sonntäglichen Gottesdienstbesuch, die Zahlen von Beichten, Eheschließungen und Scheidungen analysieren. Aber der Vergleich des aktuellen Messbesuchs mit dem zahlenmäßig viel höheren vor 50 oder 70 Jahren bedeute noch lange nicht, dass "der Glaube damals tatsächlich viel stärker gewesen ist".
Der Kardinal hob hervor, dass im christlichen Glauben der Gedanke der Stellvertretung einen zentralen Platz einnehme. Damit Gott Sodom und Gomorrah nicht vernichte, seien die von Abraham hervorgehobenen "zehn Gerechten" genug gewesen. Er selbst, so Schönborn, habe mit 16 Jahren die Gnade gehabt, persönlich "Padre Pio" - heute der populärste italienische Heilige - kennenlernen zu können.
Es bräuchte Menschen, die andere mit ihrem Glauben beeindruckten, wie etwa Papst Johannes Paul II. (1978-2005) oder Pater Pio (1887-1968). "Dieser Mann hat mit seinem Glauben Millionen Menschen in ihrem Innersten bewegt", sagte Kardinal Schönborn.
Auch Krisen - wie die aktuelle moralisch-wirtschaftliche - seien ein Aufruf zur Bekehrung, zur Rückkehr zu Gott. Es gehe beim Sprechen über "Glauben", auch im aktuellen "Jahr des Glaubens", immer um das Faktum einer Bekehrung.
Eine Ausbreitung des Glaubens werde in einer "Spaßgesellschaft" immer schwieriger, doch die Gefahr der Oberflächlichkeit habe schon immer bestanden, so Schönborn. Mit den neuen elektronischen Medien werde man zwar mehr als früher durch "Äußerlichkeit in Versuchung gebracht", die katholischen Medien könnten jedoch viel erreichen, wenn sie die Stimmen der überzeugenden Christen verbreiteten. Das größte Hindernis für den Glauben heute in Europa müsse jeder Christ stets zuerst in seiner eigenen Person suchen, sagte Schönborn. Die Antwort auf die Frage, was sich in der Kirche ändern müsste, laute immer "ich und Sie".
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Foto Kardinal Schönborn: (c) Erzdiözese Wien
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