
Vatikanstadt (kath.net/OsservatoreRomano) Ein halbes Jahrhundert ist seit dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vergangen – der größten Versammlung von Bischöfen in der Geschichte –, das am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde und für die ununterbrochene Entwicklung der katholischen Tradition, die ihrer Natur nach auf die Zukunft hin offen ist, ein wichtiger Moment war. Damals zeigte sich der weithin verstandene Erneuerungswille der Kirche, so wie auch im Weltkatholizismus im Großen und Ganzen die seitdem vergangenen Jahrzehnte mit diesem Willen übereinstimmten, trotz der in jeder menschlichen Realität unvermeidlichen Widersprüche, Mängel und Grenzen und trotz der hartnäckigen Klischees, die versuchten und immer noch versuchen gegenteilige, aber nicht der Realität entsprechende Sichtweisen zu verbreiten.
Um diese stets notwendige Erneuerung (Ecclesia semper reformanda) zu fördern, hat Benedikt XVI. – der als junger Theologe am Konzil teilgenommen und seinen Beitrag geleistet hat – der Bischofssynode, konkreter und wachsender Ausdruck der vom Zweiten Vatikanum bestätigten bischöflichen Kollegialität, das entscheidende Thema der Neuevangelisierung gestellt. Und genauso wollte er ein Jahr des Glaubens ausrufen, wie dies schon wenige Monate nach Abschluß der Konzilsarbeiten Paul VI. getan hat, der das Zweite Vatikanum geleitet und abgeschlossen hatte. Die Notwendigkeit, das Evangelium, die Bedeutung des Glaubens für das Leben jedes Menschen zu bezeugen und zu verkünden: Der Papst gemahnt also weiterhin an das Wesentliche, und dies sicher mit der Absicht, sich nicht nur an die katholischen Gläubigen zu wenden.
Man kann sich fragen, wie viel und was von dieser Mahnung bei den Frauen und Männern von heute ankommen kann, in einer orientierungslosen globalisierten Welt, die oft der Spielball eines noch nie dagewesenen Informationsflusses zu sein scheint: Sind die nur zum Teil wahren Bilder und verzerrten Nachrichten nicht unvermeidlich dazu bestimmt, sich durchzusetzen? Sicherlich trägt auch der, der die Botschaft übermittelt, eine große Verantwortung: »Man muß es verstehen, traditionell und modern zu sein, der Tradition entsprechend zu reden, aber auch in Übereinstimmung mit unserer Sensibilität. Was nutzt es, etwas Wahres zu sagen, wenn die Menschen unserer Zeit uns nicht verstehen?«, fragte sich schon 1950 Giovanni Battista Montini, der zukünftige Paul VI.
Aber es gibt auch Taubheit, Unsensibilität, hartnäckige Weigerung zu verstehen, trotz der klaren Bemühung jenes »Aggiornamento«, wie es Johannes XXIII. gesehen und verkörpert hat und wie es von seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde – das im übrigen nichts anderes ist als der Wunsch, dem Evangelium und den veränderlichen Notwendigkeiten seiner Verkündigung treu zu sein. So zieht es der Blick der Medien vor, sich auf die Schatten und die Untreue zu richten – die sicherlich nicht fehlen, die aber mutig angegangen werden, und das noch nie so wie in diesem Pontifikat –, aber fast ohne das Neue wahrzunehmen, das vom Propheten Jesaja (43,19) in der Wüste bemerkt wird: »Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?«
Foto: © Osservatore Romano
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