
Hamburg (kath.net/KNA) Der neue Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, sieht die Kirche in den Skandalen um sexuellen Missbrauch nicht als Täterin. Niemand habe den Tätern irgendwie die Möglichkeit eingeräumt, die Vertrauensstellung, die ihnen zu Recht zukomme, in einer so schlimmen Weise zu missbrauchen, betonte Müller nach Angaben des NDR vom Donnerstag in einem Interview mit NDR Kultur; es soll am Samstag gesendet werden. «Die Behauptung, dass diese Untaten im System Kirche liegen, muss ich als ein schweres Unrecht zurückweisen», so Müller demnach. Er halte es aus theologischen Erwägungen nicht für richtig, dass sich die Kirche zur Täterin erkläre und die Täter dadurch entlaste.
Zur Gewalt im Namen der Religion rund um den Globus sagte Müller laut NDR, es sei ein Widerspruch in sich, Gewalt im Namen Gottes auszuüben. Die Autoritäten auch in islamischen Ländern müssten deutlich machen, dass niemand berechtigt sei, im Namen Allahs anderen Menschen Unrecht zu tun. «Wir müssen uns auch gegen die Politisierung von Religionen überall wehren, denn gerade der christliche Glaube steht für Toleranz und ein friedliches Miteinander mit Menschen anderer Kulturen», so der Erzbischof wörtlich. Dies sei nur möglich, wenn man die Gewissensfreiheit anderer Menschen respektiere, ohne den eigenen Glauben zu relativieren.
Mit Blick auf den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 erklärte der Präfekt der Glaubenskongregation, das Ereignis müsse historisch richtig eingeordnet werden. Es sei eine Gelegenheit, sich des ökumenischen Prozesses zu vergewissern und dies als Impuls zu nehmen, dass auch der Weg zu größerer Einheit der Kirche bewusst angestrebt werde.
Zu einer von der Luther-Botschafterin der evangelischen Kirche, Margot Käßmann, vorgeschlagenen Versöhnungsgeste zwischen Katholiken und Protestanten sagte Müller, diese Versöhnung habe man praktisch schon seit langer Zeit vollzogen, und zwar durch den ganzen ökumenischen Prozess. Man habe bereits Vieles gemeinsam und stehe nicht am Anfang. «Wir müssen jetzt dieses Datum nicht so magisch betrachten», so der Erzbischof.
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Foto Erzbischof Müller: (c) Diözese Regensburg
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