
Augsburg (kath.net/pba) Dass Gemeinden immer leerer, dass immer mehr ältere Menschen in der Kirche zu finden seien, sei eine sehr ernste Situation, die eine Neuevangelisierung notwendig mache. Darauf wies Erzbischof Rino Fisichella (Foto), langjähriger Professor für Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rektor der Lateranuniversität und seit 2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, hin. Fisichella referierte am vergangenen Dienstag beim Jahresempfang der Diözese Augsburg vor Bischof Zdarsa und zahlreichen Vertreter aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Schwerpunkt seines Vortrags war die Neuevangelisierung in der Pastoral der Ortskirchen, also jene Neuevangelisierung, die auch in der Diözese Augsburg einen so wichtigen Stellenwert einnimmt, wie Erzbischof Fisichella gleich zu Beginn erfreut feststellte.
Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein wichtiger Moment in der Kirche gewesen, in dem die Kirche eine neue Sprache aufgreifen wollte. Heute stelle sich erneut die Frage: „Wie kann man heute von Gott sprechen, dass der Mensch wieder glaubt?“ In einem Heute, das geprägt sei von einer Krise, müsse das Neue an Jesus Christus wieder das Leben berühren, denn „mit Jesus Christus ändert und erneuert sich alles“, so der Erzbischof weiter. Die erste Aufgabe bestehe deshalb in der Verkündigung des Evangeliums, wofür vor allem die Überzeugung, ja das Sendungsbewusstsein der Gläubigen zurückgeholt werden müsse.
Wichtig jedoch sei dabei, dass der kulturelle Wandel nicht übersehen werden dürfe, „wir dürfen nicht der Illusion erliegen, dass unsere Glaubenssprache in gleichem Maße verstanden wird wie früher“, warnte der Erzbischof. Für viele Menschen heute sei Gott eine überflüssige Hypothese, vielfach habe Gott in diesem Kontext seinen zentralen Platz verloren. Dass Autonomie jedoch gerade nicht darin bestehe, sich dem Mysterium zu verweigern, der eigene Herr sein zu wollen, machte Erzbischof Fisichella eindrücklich deutlich. Menschen würden sich dadurch selbst verlieren, ihre Orientierung, ihren Platz: „Wenn der Mensch den zentralen Platz wieder finden will, muss er das Antlitz Gottes suchen“, sagte der Erzbischof.
Für uns Christen sei dies ein Auftrag, nämlich mit allen Menschen zu sprechen, „wir sind dazu aufgefordert an alle Türen zu klopfen“ ermutigte er. Für die Verkündigung des Evangeliums bedeute es heute, neue Formen zu finden, damit die Menschen die christliche Botschaft verstehen. Die Neuevangelisierung unterscheide sich dabei nicht vom christlichen Sendungsauftrag: „Neuevangelisierung heißt, vom eigenen Glauben Zeugnis abzulegen“, nicht in den Kirchen eingeschlossen zu bleiben, so der Erzbischof abschließend.
Foto: © Bistum Augsburg
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