04 Oktober 2012, 10:00
Nur die Hand aufhalten geht nicht!
 
Hildegard13
 
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Kardinal Kasper zur Frage nach der Zulassung evangelischer Ehepartner zur katholischen Eucharistie: Im Hochgebet wird auch um Gemeinschaft mit Papst und Bischöfen gebetet.» Da müssten sich evangelische Christen entscheiden, «ob sie dazu Amen sagen»

Mülheim (kath.net/KNA) Auch 50 Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sind nach Ansicht von Kurienkardinal Walter Kasper noch nicht alle Ergebnisse des Bischofstreffens umgesetzt. «Wir haben das Konzil noch nicht ausgeschöpft», sagte Kasper am Dienstagabend bei einer Veranstaltung zum 50-jährigen Konzilsjubiläum in der katholischen Akademie «Die Wolfsburg» in Mülheim an der Ruhr. So gebe es etwa im Verhältnis zwischen dem Papst und den Bischöfen oder bei der Stellung der Laien in der Kirche «noch viel zu tun», betonte der langjährige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

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Am 11. Oktober 1962 hatte Papst Johannes XXIII. das Konzil in Rom eröffnet. Mit insgesamt mehr als 2.800 teilnehmenden Kardinälen, Bischöfen und Patriarchen war es das größte Bischofstreffen aller Zeiten. Man dürfe das Konzil nicht - wie es heute oft geschehe - «nur auf ein paar Schlagworte reduzieren, etwa eine Stärkung der Laien», warnte Kasper. Vielmehr sei es den Konzilsvätern um eine «umfassende Erneuerung der Kirche aus ihrem Ursprung heraus» gegangen.

Wie zu Zeiten des Konzils selbst solle die Kirche heute «nicht zurück in eine angstvolle Haltung» verfallen, so der Kardinal. Die Bischofsversammlung sei bis heute wegweisend: «so wie eine Laterne, die immer nur Licht für den nächsten Schritt gibt». Diesen Schritt müsse man «dann aber auch gehen».

Die Lehren aus dem Konzil ließen sich auch für den aktuellen Dialogprozess innerhalb der deutschen Kirche nutzen, ergänzte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. So hätten die Konzilsväter mit Blick auf die Position der Kirche in der Welt von den «Zeichen der Zeit» gesprochen, die es zu erkennen gelte. Eines dieser Zeichen sei heute die «Frauenfrage», sagte Overbeck - nicht nur hinsichtlich einer neuen Rolle der Frauen in der Kirche, sondern auch hinsichtlich sich wandelnder Beziehungen der Geschlechter.

Die frühere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) empfahl der Kirche, «ein lautes Wort» für den Lebensschutz und für Menschen mit Behinderungen zu erheben. «Das fehlt in unserer Gesellschaft», so die katholische Politikerin. Zudem müsse die Kirche lernen, «mit denen umzugehen, die gescheitert sind an dem, was die katholische Kirche für richtig hält».

Mit Blick auf die Ökumene betonten sowohl Kasper als auch die Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, die Fortschritte, die im Verhältnis zwischen den verschiedenen Kirchen seit dem Konzil erreicht wurden. «Ich habe Ökumene immer als etwas sehr Selbstverständliches kennengelernt», sagte die Präses.

Auf ihre Forderung nach einer Zulassung evangelischer Ehepartner zur katholischen Eucharistie entgegnete Kasper: «In der Praxis ist da ja schon viel in Bewegung geraten. Aber im Hochgebet wird auch um die Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen gebetet.» Da müssten sich evangelische Christen entscheiden, «ob sie dazu Amen sagen - nur die Hand aufhalten geht nicht».

Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg wandte sich entschieden gegen die These, das Konzil sei Auslöser der modernen Kirchenkrise gewesen. «Dies entspricht der historischen Realität in keinster Weise.» Schon zuvor habe es starke Veränderungen im religiösen Leben gegeben, etwa in der Beichtpraxis oder bei Entwicklungen innerhalb von Ordensgemeinschaften.






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