03 Oktober 2012, 09:15
Die 'Wirtshausliturgie’ des Dr. Bert Brandstetter
 
Hildegard13
 
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Ist der Vorsitzende der Katholischen Aktion Oberösterreichs der Ansicht, ein von Laien gehaltener Wortgottesdienst könne die heilige Messe ersetzen? Ein Zeitungsbeitrag Brandstetters lässt viele Fragen offen. Kommentar von Johannes Graf.

Linz (kath.net/jg)
Bert Brandstetter, Vorsitzender der Katholischen Aktion Oberösterreich, hat in der Zeitschrift der Katholischen Frauenbewegung (kfb) Oberösterreich einen Beitrag zum Thema Sonntagsgottesdienst verfasst. Unter dem Titel „Gespräche im Wirtshaus“ berichtet er über eine (fiktive?) Herrenrunde die sich zufrieden über einen Gottesdienst äußern, den zwei Frauen in der Kirche gehalten haben, weil der Pfarrer unterwegs war. Schließlich kommt Brandstetter zum Punkt. Einfache katholische Menschen hätten längst kein Verständnis mehr dafür, dass Frauen keine Messe lesen dürfen. Sie wollten eine Messe am Sonntag, ohne dabei genauer zu definieren, was eine Messe sei. Es sei ja ohnehin alles dabei gewesen, was dazu gehört: „Gebete, Lieder, eine Ansprache, die Rede von Brot und Wein und auch die Kommunion.“

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Aus dem Beitrag ist nicht erkennbar, ob Brandstetter hier nur die Meinung der Herren seiner (fiktiven?) Wirtshausrunde zitiert, oder seine eigenen Ansichten zur heiligen Messe wiedergibt. Sollte ersteres der Fall sein, schildert Brandstetter nur die traurige Realität. Viele Katholiken im deutschen Sprachraum kennen den Unterschied zwischen einem Wortgottesdienst mit Kommunionspendung und einer heiligen Messe nicht mehr. Das Verständnis für die Sakramente ist tatsächlich bei vielen Menschen nicht vorhanden, auch bei solchen, die sonntags zur Messe gehen. Da macht es dann keinen Unterscheid mehr, ob ein geweihter Priester das Sakrament der Eucharistie feiert, oder ob ein Laie einem Wortgottesdienst vorsteht. In dieser Sichtweise ist es nicht verständlich, warum Frauen keine „Messe“ lesen sollten. Allerdings ist diese Position nicht katholisch.

Selbst wenn Brandstetter hier nicht seine eigene Meinung wiedergibt, ist die Frage, warum er sich dem Thema Sonntagsgottesdienst auf diese Weise widmet. Warum bringt er kommentarlos einfach das, was viele denken, obwohl es der Lehre der Kirche widerspricht? Hier geht es doch um wesentliche Inhalte des katholischen Glaubens. Zählt nur das, was Brandstetters "Wirtshausrunde" will, was die Menschen wollen? Oder das, was Gott will? Der Katechismus sagt dazu: „Während dieser Zeit der Kirche lebt und handelt Christus fortan in und mit seiner Kirche auf eine neue, für diese neue Zeit eigene Weise. Er handelt durch die Sakramente.“ (KKK 1076)

Sollte Brandstetter in dem Artikel seine eigenen Ansichten verbreiten, ist er als Vorsitzender der Katholischen Aktion Oberösterreich eine Fehlbesetzung. Wenn das seine Ansicht ist, hat er sich de facto weit von der katholischen Kirche entfernt. Dann passt er besser in die evangelisch-lutherische Kirche, in der Frauen Gottesdienste leiten dürfen und sogar Bischöfin werden können.




Foto Bert Brandstätter: © Diözese Linz






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