03 Oktober 2012, 18:18
Mirjam Baouardy, Blume des Orients
 
Hildegard13
 
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Palästinensische Karmelitin und begnadete Mystikerin im 19. Jh., 1983 selig gesprochen, Friedenspatronin für das Heilige Land und enorme Provokation für alle Intellektuellen – Jeden Mittwoch im Oktober Auszüge aus den Büchern von Karl-Heinz Fleckenstein

Jerusalem (kath.net) Mirjam Baouardy, eine junge palästinensische Christin aus dem 19. Jahrhundert, war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und, bei all ihrer Einfachheit, mit besonderen mystischen Gnaden gesegnet. Die Karmelitin wurde 1983 von Johannes Paul II. selig gesprochen. In einem fiktiven Dialog läßt der Autor die „kleine Araberin“ selbst zu Wort kommen und ihre Empfindungen, Verzückungen und ekstatischen Zustände vermitteln. Ihre Aussagen erinnern an biblische Weisheiten und ihr konsequentes Eintreten für den Frieden machte sie zur Friedenpatronin für das Heilige Land. Schließlich konnte sie durch ihr begnadetes und hörendes Herz das lange verschollene Emmaus verorten, sodass es heute wieder archäologisch erschlossen ist – durch den Autor des Buches selbst, der das von 2000-2005 laufende Grabungsprojekt geleitet hat.

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Karl-Heinz Fleckenstein ist katholischer Theologe, Archäologe und gemeinsam mit seiner Frau Louisa Reiseleiter durch Israel. Er lebt in Jerusalem.

Leseprobe

VORWORT

Als ich das erste Mal die englische Ausgabe der Gedanken von Mirjam Baouardy in Händen hielt, war ich schon nach den ersten Seiten davon fasziniert; denn die Intuitionen entsprachen ganz dem Geist Gottes wie er uns beispielsweise in der Weisheitsliteratur der Bibel begegnet. Die "Kleine Araberin" redete mit einem ähnlichen Akzent, wie der Verfasser des Hohenliedes. Ihr Tonfall verriet sie als Landsmännin ihres göttlichen Meisters Jesus...

Ich begann mich ernsthaft für diese "Blume des Orients" zu interessieren. Die Mitschwestern Mirjams aus dem Karmel in Betlehem gewährten mir Einblick in das Klosterarchiv und in die Seligsprechungsakte. Dabei entdeckte ich den großen inneren Reichtum dieses begnadeten Menschenkindes.

Gemeinsam mit meiner Frau Louisa, die Araberchristin ist, konnten wir zahlreiche Gespräche mit der Bevölkerung von Iblin, dem Heimatort Mirjams, führen. Wir stellten mit Erstaunen fest, wie sehr dort Christen und Muslime in dem "Kleinen Nichts" ihre Heilige gefunden haben.

Mehr und mehr kristallisierte sich die Gestalt einer palästinensischen Mystikerin heraus, so sympathisch und nah, wie sie vor hundertfünfzig Jahren gelebt hat. Oft war es mir, als würde ich mit ihr persönlich den Dialog führen, was sich dann auch im biographischen Teil als literarische Form niedergeschlagen hat. Man brauchte nur die Linien der Archivberichte nachzuzeichnen.

Diese junge Karmelitin, wie sie dem Leser in den folgenden Seiten begegnet, stellt eine enorme Provokation für unsere Zeit dar: Obwohl sei nahezu Analphabetin war, wurde sie "von oben" geradezu mit einer verschwenderischen Fülle von Geistesgaben und außerordentlichen Phänomenen überschüttet; eine Fülle, wie wir sie kaum bei einer anderen Gestalt in der Kirchengeschichte finden.

Trotzdem sind es nicht die "Wunder", die den Kern ihrer Botschaft ausmachen, sondern ihr konsequentes Leben in der Liebe zu allen Menschen und ihr Handeln für den Frieden. "Wer die Liebe zum Mitmenschen verletzt, verletzt Jesus selbst", pflegte sie immer wieder zu sagen.

Ein ausgekochter Rationalist kann Ärgernis nehmen an der "Kleinen Araberin". Wer sich aber mit ihr vorbehaltlos einlässt, der mag zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommen, wie der französische Schriftsteller Rene Schwob: "Man gestatte mir den Wunsch, dass diese kleine Analphabetin, wenn ihr Heiligsprechungsprozeß einmal durchgeführt sein wird, zur Patronin der Intellektuellen erklärt werde. Sie ist wie geschaffen, diese vom Stolz zu befreien".

Am 13. November 1983 wurde diese junge Palästinenserin Mirjam Baouardy von Johannes Paul II. zu den Ehren der Altäre erhoben. Der Papst bezeichnete sie während der Seligsprechungsfeier als ein nachahmenswertes Beispiel, nicht nur für ihr Volk, sondern für die ganze Welt, "weil ihr Lebensstil uns einen Frieden schenken kann, der seine Grundlagen nicht im Terror sondern im gegenseitigen Vertrauen hat".

Wir alle, die wir im Mittleren Osten leben, haben keinen brennenderen Wunsch, als dass dieser Friede bald Wirklichkeit werde.


Karl-Heinz Fleckenstein
Mirjam Baouardy
Palästinenserin und Friedenspatronin für das Heilige Land
172 Seiten
Novum Verlag 2009
ISBN 3-85022-873-8
ISBN 978-3-85022-873-2
17.90 EUR

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