28 September 2012, 17:00
Marsch für das Leben – Protokoll eines Spießrutenlaufs
 
Hildegard13
 
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Am vergangenen Samstag fand in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt, der jährlich vom Bundesverband Lebensrecht (BVL, organisiert wird. Das Motto: Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie. Rudolf Gehrig war dabei.

Berlin (kath.net/www.f1rstlife.de) Vielleicht hältst du mich für verrückt, wenn ich dir sage, dass ich letzten Samstag insgesamt den halben Tag Bus gefahren bin, um einen zweistündigen Spaziergang in Berlin zu machen. Vielleicht bin ich tatsächlich etwas verrückt. Aber ich werde es wieder machen – für den Lebensschutz. Mit großer Fassungslosigkeit und Wut muss ich täglich zusehen, wie tausende meiner ungeborenen Mitmenschen getötet werden, weil sie behindert sind, weil sie nicht in die Lebensplanung passen oder weil sie einfach unerwünscht sind.

Der „Marsch für das Leben“, der letzten Samstag in Berlin stattfand, war für mich also eine Herzensangelegenheit. Ich bin Mitbegründer der Gebetsaktion „AIAC“, die über Facebook läuft und andere dazu einlädt, jeden Abend um 20 Uhr ein Vaterunser für das Leben zu beten. Ich bin mir sicher, dass wir dadurch sehr viel bewegen, aber endlich kam für mich die Chance, mal öffentlich Flagge zu zeigen…

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Samstag, 22.09.12, 12:16 Uhr: Nach einer Fahrt von sechs Stunden kommen wir am Hauptbahnhof in Berlin an. Der Himmel ist wolkenverhangen, es herrscht ein zugiger Wind, Regen liegt in der Luft. 13:03 Uhr: Beginn der Kundgebung, der BVL-Vorsitzende Martin Lohmann bedankt sich für unser Kommen und spricht von der Wichtigkeit des Themas Lebensschutz.

13:05 Uhr: Direkt neben mir fangen ein paar Gegendemonstranten, die sich unter die Menge gemischt haben, an, mit Trillerpfeifen und Buh-Rufen den Redner zu stören. Ihre Parolen: „Halt die Fresse!“, „Abtreibung für Jeden!“, „Fick dich!“. Ein älterer Herr ist darüber so erbost, dass es zu einer kurzen Rangelei kommt.

13:23 Uhr: Ich stehe unter Dauer-Gänsehaut beim Redebeitrag einer Mutter eines behinderten Kindes, deren Mann abtreiben lassen wollte, dessen Herz aber nach der Geburt des Kindes im Sturmschritt von diesem erobert wurde. Zwischenruf eines Chaoten: „Scheiß Vater!“
14:02 Uhr: Nach der Rede der Geschäftsführerin von Kirche in Not Deutschland, Karin Fenbert, bricht immer wieder wildes Indianergeheul von Seiten der Gegendemonstranten aus. Wenn die wüssten, wie bekloppt sie dabei aussehen…

14:07 Uhr: Wir setzen uns in Bewegung zu einem Spießrutenlauf durch die Berliner Innenstadt. Für die Chaoten ist es eine Art Volksfest, bei dem sie uns von allen Seiten begaffen, beschimpfen und verhöhnen können, während ich schweigend für das Leben gehe.

14:23 Uhr: Der Zug geht am Brandenburger Tor vorbei, als der Ruf erschallt: „Hätt‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“ Ich bin davon tief getroffen und schäme mich für meine Mitmenschen.

15:28 Uhr: Ich bekomme eines dieser weißen Kreuze in die Hand gedrückt. An jeder Straßenecke sehe ich jetzt immer wieder die gleichen Gesichter der Gegendemonstranten. Wie anstrengend muss es doch sein, schnell zur nächsten Ecke zu hetzen, sobald der Letzte ihre Spott-Station passiert hat! Ich denke an die Abgetriebenen und schäme mich plötzlich, ein Teil dieser Spezies „Mensch“ zu sein. Wie weit sind wir von der Würde entfernt, die wir alle innehaben, wenn wir exzessiv den Regenwald schützen, aber einfach mal so ein Baby „wegmachen“; wenn wir lautstark gegen Tierversuche demonstrieren, aber massenweise Embryonen in Reagenzgläsern züchten; wenn wir mit unserm erkälteten Hund zum Tierarzt gehen, aber unsere alten und kranken Mitmenschen frühzeitig „einschläfern“ lassen wollen? Wie tief ist sie gesunken, diese Spezies „Mensch“, die nur Rechte einfordert, auch ein sogenanntes „Recht auf Abtreibung“, aber ein grundlegendes nicht anerkennt: Das Recht auf Leben für alle!

15:46 Uhr: Wir sind an der St. Hedwigs Kathedrale angekommen, als mich ein behinderter Mann anspricht. Er beglückwünscht mich und meine Freunde, dass wir, „die Jugend“, schon so reif seien, die Problematik um den Lebensschutz zu erkennen und bereit sind, dafür auf die Straße zu gehen. Ein Glückwunsch, der der Menschheit ein Armutszeugnis ausstellt: Denn das Lebensrecht sollte eigentliche eine Selbstverständlichkeit sein.

23:37 Uhr: Im Newsticker auf einem Rastplatz wird von einer Demonstration für „Freiheit und Toleranz“ in Stuttgart mit 200 Teilnehmern berichtet. Kein Wort von einer Pro-Life-Demo in Berlin mit mindestens 3.000 Teilnehmern.

Sonntag, 23.09.12, 02:07 Uhr: Abgekämpft, müde, aber noch tief bewegt gehe ich zu Bett. Auch wenn ich heute nicht die Welt verändern konnte – vielleicht konnte ich sie ein Stück weit wachrütteln.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.f1rstlife.de

Siehe auch:Der 'Marsch für das Leben' und die manipulative Berichterstattung

kathTube: Marsch für das Leben in Berlin 2012 - Ein Großereignis ohne medialen Widerhall



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Foto Rudolf Gehrig beim Marsch für das Leben 2012: © f1rstlife / Rudolf Gehrig






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