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| ![]() 'Verbindung von Erneuerung und Kontinuität'28. September 2012 in Interview, 1 Lesermeinung Kurienkardinal Koch zu 50 Jahren Zweites Vatikanisches Konzil. Von Johannes Schidelko (KNA) Rom (kath.net/KNA) Am 11. Oktober jährt sich zum 50. Mal die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom äußert sich der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurienkardinal Kurt Koch (62), zur Bedeutung der großen Kirchenversammlung und zu den Traditionalisten. KNA: Herr Kardinal, am 11. Oktober jährt sich zum 50. Mal die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Um die Deutung des Konzils wird weiterhin gerungen. Viele berufen sich, mit unterschiedlicher Intention, auf das Konzil. Wurde und wird das Konzil richtig interpretiert? Koch: Benedikt XVI. hat die wesentlichen Fragen in seiner ersten großen Weihnachtsansprache an die römische Kurie am 22. Dezember 2005 benannt und dabei auf zwei grundverschiedene Hermeneutiken verwiesen: Die Hermeneutik der Diskontinuität oder des Bruches - mit dem Vatikanischen Konzil sei gleichsam eine neue Kirche entstanden, die mit der Kirche vor dem Konzil nicht mehr viel zu tun habe - und eine Hermeneutik der Reform. Dabei geht es nicht, wie dem Papst gerne unterstellt wird, um eine Hermeneutik der reinen Kontinuität. Eine solche vertreten die Traditionalisten. Vielmehr sieht der Papst eine Verbindung von Erneuerung und Kontinuität in dem Sinne, dass das Konzil eine Erneuerung der Kirche gewollt und gebracht hat, aber nicht eine neue Kirche. Auf dieser Linie muss noch sehr viel getan werden. Wir brauchen eine Neuausrichtung. KNA: Die traditionalistischen Piusbrüder sehen einen unterschiedlichen Grad an Verbindlichkeit der Konzilsaussagen. Was sagen Sie dazu? Koch: Das ist eine vielschichtige Frage. Das Zweite Vatikanum hat vier große Konstitutionen erlassen, zudem neun Dekrete und drei Erklärungen. Rein formal kann man natürlich einen Unterschied zwischen diesen drei Gattungen machen. Allerdings stellt sich dann insofern ein Problem, als das Konzil von Trient (1545-1563) nur Dekrete erlassen hat und keine Konstitutionen. Und man wird hier sicher nicht von einem Konzil minderen Grades reden wollen. Also: Rein formal kann man Unterschiede finden, aber man kann kaum Unterschiede in der Verbindlichkeit in inhaltlicher Hinsicht machen. Das Ökumenismus-Dekret beispielsweise hat seine dogmatischen Grundlagen in der Kirchen-Konstitution. Papst Paul VI. hat bei der Promulgation dieses Dekrets stark betont, dass es die Kirchen-Konstitution auslegt und erklärt. KNA: Heißt das im Blick auf eine mögliche Einigung mit den Piusbrüdern, dass diese das gesamte Konzil akzeptieren müssen? Oder können Sie sich Abstriche, einen Rabatt vorstellen? Koch: Die Grundschwierigkeit dürfte darin bestehen, dass die Piusbrüder offensichtlich davon ausgehen, dass das Zweite Vatikanische Konzil Fehler begangen hat. Dass Konzile auch irren können, ist allerdings eine Behauptung, die auf Martin Luther zurückgeht. Von daher müssen sich die Traditionalisten schon fragen, wo sie denn eigentlich stehen. KNA: Was bedeutet das Konzil für die Ökumene und für die Beziehungen zum Judentum? War es ein Neuanfang, eine Wende? Koch: Papst Johannes XXIII. war davon überzeugt, dass das von ihm einberufene Konzil zwei Anliegen verfolgen muss, die Erneuerung der katholischen Kirche und die Wiederherstellung der Einheit der Christen. Das war gleichsam der Fokus des ganzen Konzils. Papst Paul VI. hat in der Eröffnungsrede bei der zweiten Session 1963 ebenfalls bestätigt, dass das eigentliche Drama, dessentwegen das Konzil einberufen wurde, die Wiederherstellung der Einheit der Christen sei. Insofern ist die Ökumene nicht ein Nebenthema oder - wie Johannes Paul II. einmal sagte - irgendein Anhängsel, sondern ein zentrales Thema des Konzils. Deshalb muss es ein zentrales Thema der Kirche heute sein. Im Übrigen hat auch die Konzilserklärung «Nostra Aetate» mit den Äußerungen zum Judentum ihre dogmatischen Grundlagen in der Kirchen-Konstitution. (C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Foto Kurt Kardinal Koch: © kath.net/Petra Lorleberg Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuKoch Kardinal
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