25 September 2012, 09:00
Melkitenpatriarch: Muslime sollen Positivseiten des Islam zeigen
 
Hildegard13
 
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Gregorios III. Laham: Demonstrationen kontraproduktiv - "Vulgäres Machwerk" verdient keine Beachtung - Westen soll sich aus Syrien-Konflikt heraushalten

Salzburg (kath.net/KAP) Heftige oder gar gewalttätige Proteste von muslimischer Seite gegen den provokanten Mohammed-Film "Unschuld der Muslime" sind nach Ansicht des melkitisch-katholischen Patriarchen Gregorios III. Laham (Foto) kontraproduktiv. Er sage seinen muslimischen Freunden, dass "es viel besser wäre, die vielen positiven Seiten und Werte des Islam im Alltag zu leben und aufzuzeigen, anstatt mit Hass und Aggression zu demonstrieren". Letzteres bewirke nicht nur neue Vorbehalte des Westens gegen den Islam, sondern schüre auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft Hass und verblende vor allem auch die Jugend. Den Film selbst bezeichnete der Patriarch als "vulgäres Machwerk", das es nicht wert sei, dass man überhaupt dagegen protestiere.

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Die Situation in Syrien beschrieb Patriarch Gregorios III., der seinen Sitz in Damaskus hat, als völlig undurchsichtig und unsicher. Er sprach von einem "Krieg ohne Gesicht". Der syrischen Armee stünden Verbrecherbanden genauso wie vom Ausland bezahlte Freischärler gegenüber. Es gebe keine klaren Fronten, es handle sich zudem um eine Auseinandersetzung, die beide Seiten bis zum bitteren Ende auskämpfen wollten.

Dabei, so der Patriarch, gehe es nicht um mehr Demokratie. "Mehr Demokratie als es in Syrien gegeben hat, kann man in der arabischen Welt nicht erreichen", so Gregorios III. wörtlich. Es gehe den Konfliktparteien lediglich um die Macht im Land.

Heftige Kritik übte der melkitische Patriarch an Europa und den USA. Der Westen habe 18 Monate Zeit gehabt, an einer Lösung des Konflikts zu arbeiten und habe jede Glaubwürdigkeit verloren. Er wolle Europa und den USA deshalb auch sagen, so Gregorios III.: "Hände weg von Syrien!" Die Syrer sollten selbst ihre Zukunft in die Hand nehmen. Auf Nachfrage meinte der Patriarch, dass diese Parole freilich auch für arabische Länder oder den Iran zu gelten habe.

Dass die Christen im Vergleich zur muslimischen Bevölkerungsmehrheit in einem besonderen Naheverhältnis zum Assad-Regime gestanden seien, wies der Patriarch zurück. Die Christen hätten lediglich von ihren Rechten als Bürger Syriens Gebrauch gemacht - Rechte, die allen Bürgern zuständen.

Eine Zukunft für das Land könne es nur geben, wenn alle Seiten zur Versöhnung bereit sind. Er, als Vertreter der Christen, sei bereit, mit allen Konfliktparteien zu sprechen, so der Patriarch. Freilich musste er auch einräumen, dass es bisher kaum Kontakte zur syrischen Opposition gegeben habe.

Angst vor dem Islam habe er keine, so Gregorios III. Die Christen in Syrien lebten seit 1.400 Jahren mit den Muslimen zusammen, "und wir werden das auch in Zukunft tun".

Kein gutes Haar ließ Gregorios III. am italienischen Jesuitenpater Paolo Dall'Oglio, der in Syrien das Kloster Mar Moussa revitalisierte. Dieser hatte sich mit seiner Gemeinschaft entschieden für demokratische Reformen in Syrien ausgesprochen, ohne allerdings mit den militanten Gegnern von Präsident Assad gemeinsame Sache zu machen.

Gregorios sprach von "schlechter Propaganda", die der Jesuitenpater gegen die einheimischen Kirchen betriebene haben soll. Es stehe einem von außen Kommenden nicht zu, die seit jeher im Land beheimateten Kirchen und ihre Hierarchien zu kritisieren, so der Patriarch.

Patriarch Gregorios III. äußerte sich am Rande der Jahrestagung der "Initiative Christlicher Orient" in Salzburg.

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