25 September 2012, 11:34
Ein zweiter Tag der Wahrheit
 
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Heute entscheiden die deutschen Bischöfe über die Zusammensetzung des Stiftungsrats der neuen Weltbildstiftung. Ein Gastkommentar von Dr. Christian Spaemann

Fulda (kath.net)
Die deutschen Bischöfe entscheiden in ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vom 24. bis 27. September über die Zusammensetzung des Stiftungsrats der neuen „gemeinnützigen“ Weltbildstiftung.

Hierbei handelt es sich um eine Richtungsentscheidung der katholischen Kirche in Deutschland. Entschieden wird darüber, ob das vom Weltbildkonzern erwirtschaftete Geld künftig sauber – d. h. nicht über die Verbreitung von Schmutz – zustande kommt und ob es nach dem Willen der neuen Stiftungsräte dem Auftrag der Kirche und ihres Stifters gemäß zur freien Verkündigung der frohen Botschaft genutzt wird oder ob es in die alten Kanäle fließt und so der weiteren medialen Etablierung einer liberalen deutschen Nationalkirche dienen soll. Personen sind es, die darüber entscheiden werden, und hier stehen die deutschen Bischöfe vor der Wahl. Werden es die bekannten, der Macht und dem Mammon dienenden Seilschaften sein oder neue Medienprofis mit eindeutig katholischem Profil, die die Strategie der Verkündigung im Auge haben und die heute dafür notwendige Phantasie aufbringen? Es gibt diese Leute, aber werden die Bischöfe den Mut haben, sie zu beauftragen?

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Wie kein anderer Vorgang in der katholischen Kirche Deutschlands hat die Weltbildfrage das Vertrauen der Gläubigen in die deutschen Bischöfe erschüttert. Jahrelang schauten die Oberhirten tatenlos zu, wie eine Truppe aus Bürokraten des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) mit Sitz in der Bonner Kaiserstraße und Finanzdirektoren der einzelnen Diözesen die Kirche in schlimmstes Zwielicht manövrierten.

Als das Buchhandels-Branchenmagazin „Buchreport“ den innerkirchlich längst bekannten Porno- und Esoterik-Skandal um den kircheneigenen Weltbildkonzern mit seinen Beteiligungen aufdeckte, riss den katholischen Weltbildkritikern endgültig der Geduldsfaden: „Bischöfe als Pornoproduzenten?“, fragte der mutige Allgäuer-Journalist Bernhard Müller in seinem „Pur-Magazin“.

Ja, es ist tatsächlich so: Die katholische Kirche Deutschlands war und ist nicht nur an der Produktion, Bewerbung, Verkauf und Gewinn von Esoterik- und Gewaltliteratur, sondern auch von Pornographie beteiligt.

Über zehn Jahre hinweg hatten engagierte Gläubige ihre Bischöfe bestürmt, den Augsburger Schmuddelladen aufzuräumen oder sich von dem Unternehmen zu trennen. Weil sie außer Vertröstungen und Alibiaktionen nichts von ihren Bischöfen hörten, wandten sich die Gläubigen nach Rom. Wenn „Vatileaks“ einen positiven Effekt hatte, so den, dass nun hinreichend dokumentiert ist: Der Papst handelte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Kurz gesagt: Er befahl den deutschen Bischöfen, Schluss zu machen mit der unwürdigen Episode.

An den deutschen Bischöfen tropfte das offenkundig ab wie Regenwasser. Als sich herausstellte, dass Bernhard Müller keineswegs übertrieben hatte und die Vorwürfe sachhaltig waren, hätte es nur eine einzige Reaktion geben dürfen: den bekannten Fünfschritt, der von jedem Christen bei Sünde verlangt wird: Gewissenerforschung, Bekenntnis, Reue, Vorsatz und Wiedergutmachung.

In die Enge getrieben, ließ sich die Deutsche Bischofskonferenz in einer Krisensitzung am 21. November 2011 zu einer Erklärung hinreißen, die der absolute Tiefpunkt episkopaler Verlautbarungen in Deutschland darstellen dürfte. Es handelte sich um eine Mischung aus nebulösem Schuldeingeständnis, saftigen Ohrfeigen für die Gläubigen, denen die Aufdeckung zu verdanken war, und einer skandalösen Rehabilitierung der Hauptschuldigen an dem kirchlichen Steuerungsdesaster. Die Bischöfe entblödeten sich nicht, den VDD-Abgesandten im Weltbild-Aufsichtsrat, P. Dr. Hans Langendörfer SJ und Dr. Matthias Meyer, „ihr uneingeschränktes Vertrauen“ auszusprechen. Mit dem verlogenen Satz ging etwas zu Bruch, was über Jahre nicht wieder herstellbar sein wird: das Vertrauen katholischer Christen in „ihre Bischöfe“ und der Respekt vor ihnen.

Der 21.11.2011 – kath.net hatte vom „Tag der Wahrheit“ gesprochen – enthüllte mehr als nur die hochnotpeinliche Verwicklung der katholischen Kirche in einen Sumpf aus Geld und Sex. In gnadenloser Schärfe kam ans Licht, worin im Kern das Elend der katholischen Kirche in Deutschland besteht. Das Elend der Kirche ist das Elend von Bischöfen, die willfährige Handlanger einer Bonner VDD-Bürokratie sind. Die katholische Kirche in Deutschland wird von den Langendörfers, Kopps und denen, die das Geld managen, regiert: Den Finanzdirektoren der deutschen Bistümer. Die Causa „Weltbild“ war nur das Aufplatzen der Eiterbeule.

Der 24. September 2012 wird nun zu einem zweiten „Tag der Wahrheit“ für die deutschen Bischöfe. Wenn Langendörfer & Co weiter am Drücker bleiben, erlauben die Bischöfe den Brandstiftern, auch noch die Feuerwehr zu spielen.

Die Strategie der Bonner VDD-Bürokraten ist leicht zu durchschauen: „Wir übernehmen die Macht im Weltbild-Stiftungsrat, dann kann unsere bisherige Geldmaschine in Regie des Geschäftsführers Carel Halff weiterlaufen“.

Dann kann das Geld in die alten Kanäle rollen, und zwar nach Bonn, in die Kaiserstraße, die zentrale des VDD und von dort in die umstrittene Münchner Journalistenschule „ifP“ (Swingerclub-Skandal) sowie in das frisch eingeweihte Bonner „Katholische Medienhaus“. Dort sitzen heute schon so hilfreiche kirchliche Einrichtungen wie die KNA und CHRIST & WELT („Rheinischer Merkur“ bei der ZEIT), und bald soll die gesamte katholische Publizistik, angefangen bei den Kirchenzeitungen über das Fernsehen bis hin zu diversen online-Aktivitäten von der weltbildgeldschweren Zentralbehörde gesteuert werden.

Wenn dieser Traum Langendörfers verwirklicht und dort erst einmal die Geldverteilungsstelle etabliert ist und die Einspeisung über die Weltbildstiftung funktioniert, dann ist die katholische Kirche in Deutschland medial gleichgeschaltet. Dann kann man auf dem phantasielosen deutschen Sonderweg weitermachen, sich der Gesellschaft im Sinne einer Zivilreligion anbiedern, am katholische Glauben vorbei Ökumene-Strategien entwerfen und die katholische Kirche in Deutschland weiter spalten. Wladimir Solowjews Antichrist ließe grüßen.

Die Bischöfe müssen wissen, dass es genug Christen gibt, die dieses strategische Spiel sehr genau beobachten. Die Gläubigen haben ein Recht auf unabhängige, freie, dem Evangelium und ihrem Gewissen verpflichtete Bischöfe und eine entsprechende, dem Glauben und seiner Verkündigung dienende Medienarbeit.


Zur Dokumentation: Der hochumstrittene Sado-Maso-Bestseller ist bei Weltbild frei erwerbbar (Screenshot von Weltbild vom 21.9.2012)










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