24 September 2012, 11:30
Kasper: Konzil bei Liturgie, Ökumene, Menschenrechte ununmkehrbar
 
Hildegard13
 
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Emeritierter Kurienkardinal referierte bei steirischer Pfarrerwoche über bleibende Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Graz (kath.net/KAP) Die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils hinsichtlich Liturgie, Ökumene, Laienmitwirkung und Menschenrechte haben das Leben der Kirche verändert und sind unumkehrbar. Diese Auffassung vertrat Kardinal Walter Kasper als Hauptreferent bei der am Donnerstag zu Ende gegangenen steirischen Pfarrerwochen in Seggauberg. Auch wenn es in der Zeit nach dem Konzil "neben viel Licht auch Schatten" gäbe, habe es eine Dynamik ausgelöst, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könne und dürfe. Dies hätten sowohl Papst Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt XVI. unmissverständlich gesagt, betonte der emeritierte Kurienkardinal und langjährige Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.

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In seinem Referat über das vor 50 Jahren begonnen Zweite Vatikanischen Konzil und seine bleibende Relevanz erinnerte Kardinal Kasper, dass im Unterschied zu früher beim letzten Konzil keine formellen dogmatischen Beschlüsse gefasst wurden. Dies erkläre sich auch aus seine Hauptintention: Es standen keine Irrlehren zu Debatte, vielmehr wollte Papst Johannes XXIII. unter dem Stichwort "Aggiornamemto" den Glaubensschatz in die Welt von heute tragen. Dabei sei es dem Papst "nicht um eine simple Anpassung, sondern um die Aktualisierung des unaufgebbaren Gehalts des christlichen Glaubens" gegangen, so Kasper.

Konzil ist kein Mythos

Ein Blick in die Kirchengeschichte zeige, dass die "Rezeptionsphase bei allen Konzilien eine oft turbulente Zeit" gewesen sei. So könne man in den letzten 50 Jahren drei unterschiedliche Phasen der Konzilsrezeption feststellen: Nach einer ersten enthusiastischen Phase seien bald fundamentale Auffassungsunterschiede hervorgetreten. Besonders deutlich wurde das bei der lefebvrianischen Priesterbruderschaft Pius X., die bis heute für ein starres Traditionsverständnis eintritt im Gegensatz zu einem dynamischen, wie es die große Mehrheit der Konzilsväter vertreten hatte. Andererseits hätten sich auch progressive Gruppen zunehmend von der Rezeption des Konzils abgegrenzt, dies besonders nach der Enzyklika Humanae Vitae (1968). Daher werde laut Kardinal Kasper in der dritten Phase der Konzilsrezeption bewusst von einer "ambivalenten Situation" gesprochen. Dennoch habe die zweite außerordentliche Bischofssynode (1985) festgehalten, dass es sich immer - durch alle Jahrhunderte und Konzilien hindurch - um ein und dieselbe Kirche handle.

Kardinal Kasper sagte, dass man "im Konzil keinen Mythos sehen soll", der sich einmalig ereignet habe. Die Rezeption sei ein Prozess im Heiligen Geist. Dabei sei die Kirche nicht eine sich ständig Reformierende ("semper reformanda"), sondern eine wesentlich Werdende ("puriformanda"). Dazu brauche es vermehrt "Theologen" - also wörtlich "Menschen, die von Gott sprechen". Viele Fragen wie die nach Gerechtigkeit, nach dem Leid und dem Tod seien letztlich relevanter als innerkirchliche Probleme. Um diese beantworten zu können, brauche es Glaubenswissen. Kardinal Kasper sprach daher von einer notwendigen "theozentrischen Wende" in Theologie und Verkündigung.

Kardinal Kasper ermutigte die steirischen Pfarrer, "auf den Geist von Pfingsten zu vertrauen", so wie Papst Johannes XXIII. in der Einberufung des Konzils ein pfingstliches Ereignis gesehen habe. Am Beginn von Pfingsten stünde wie einst bei den Jüngern die Versammlung im Gebet. Der Heilige Geist könne kommen als Sturm und Feuer oder auch als leises Säuseln wie bei Elija. Dieser Geist könne bewusst machen, dass nicht die Sorge um die Kirche, sondern "die Freude an Gott unsere Stärke ist", sagte der Kardinal.

Abkühlung in der Ökumene

In der Ökumene ortete der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen "eine gewisse Abkühlung zwischen den getrennten Kirchen". Die Ursachen dafür seien vielfältig. Der Kardinal verwies auf das Aufkommen evangelikaler Strömungen, aber auch auf den stärker werdenden ethischen Dissens mit den kirchlichen Gemeinschaften der Reformation.

Ökumene sei wie der Weg zu einem Berg. Man sei zwar am Berg angekommen, komme jedoch nur noch Schritt für Schritt voran, so das Bild Kardinal Kaspers zur derzeitigen Situation in der Ökumene.

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