
Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Administrator des koptisch-katholischen Patriarchats und Bischof von Assiut, Kyrillos William Samaan, hat den islamfeindlichen Film "Die Unschuld der Muslime" scharf verurteilt. Den als Produzenten des Films gehandelten US-Kopten bezeichnete der Bischof wörtlich als einen "Verrückten" Er träume offenbar von einem koptischen Nationalstaat. "Dieser Mensch ist nicht normal", so Samaan am Donnerstag in "Radio Vatikan".
Das koptisch-katholische Patriarchat habe sofort nach Beginn der Proteste eine Erklärung abgegeben, dass Ägyptens Christen gegen diesen Film seien. "Dieser Streifen geht überhaupt nicht mit dem Evangelium konform, das uns den Respekt vor allen Menschen und die Liebe lehrt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seiner Erklärung 'Nostra Aetate' dargelegt, wie das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen aussehen muss. Die Muslime spielen in diesem Dokument eine besondere Rolle. Deswegen sind wir gegen alle Ausdrucksformen, die die Symbole der Religionen, Persönlichkeiten oder heilige Schriften nicht respektieren," sagte Samaan.
Auf die Frage, ob sich die Situation in Ägypten durch den Amtsantritt des neuen Präsidenten aus den Reihen der Muslimbrüder verschärft habe, meinte der Bischof von Assiut: "Eigentlich ist es jetzt ruhiger geworden. Ja, der eine oder andere hat wohl auch ein Evangelium verbrannt und extrem reagiert oder geschrieben. Aber das beruhigt sich mit der Zeit."
Viele Christen hätten gemeinsam mit den Muslimen gegen den Film demonstriert. Dadurch hätten Muslime gesehen, "dass wir hier in Ägypten zusammenhalten", berichtete der Bischof. Extremistische Reaktionen hätten sich eher gegen Kopten in der Diaspora gerichtet. "Allerdings haben sich auch Vertreter der koptischen Emigration sehr vernünftig gegen den Film geäußert", so Samaan.
Großmufti verurteilt gewalttätige Proteste
In einem Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag) verurteilte Ägyptens Großmufti Ali Gomaa die gewalttätigen Reaktionen in der muslimischen Welt auf das "hetzerische Material". Muslime sollten solche Provokationen entweder ignorieren oder gewaltfrei dagegen protestieren. Die Grenzen, die der Islam dabei vorschreibe, seien jedoch "ohne Zweifel in den vergangenen Tagen überschritten worden", betonte er. Der Großmufti ist die höchste islamische Autorität in Ägypten.
Die Institutionen und Strukturen legitimer Autorität in der muslimischen Welt seien leider so geschwächt, "dass in religiösen Fragen die hetzerische Rhetorik die sorgfältige Analyse als Ratgeber ersetzt hat", räumte der Großmufti ein. "Wir brauchen heute dringend ernsthafte religiöse Führer, die die Realität der modernen Welt anerkennen", betonte er. Es sei eine gemeinsame Aufgabe aller Glaubensrichtungen und Kulturen, "ein Umfeld zu schaffen, in dem die Menschen zusammenleben können".
Gomaa rief zugleich dazu auf, "verstehen zu wollen, was hinter der Verehrung des Propheten durch die Muslime steckt". Für sie sei er "der Weg, auf dem die Menschen Wissen über Gott erfahren". Das gelte für die Abfolge der "Propheten vor dem Islam" - Abraham, Moses und Jesus - nicht weniger "als für den Propheten Mohammed selbst". Deshalb trügen die bösartigen Provokationen, die offenbar die tiefen Gefühle von über einer Milliarde Menschen beleidigen sollten, nur zu Eskalation der Spannungen bei.
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