
Johannes Graf.
München (kath.net/jg)
Als vor etwa einem Jahr der Weltbild-Skandal in aller Munde war, veröffentlichte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Hans Langendörfer SJ gemeinsam mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden des Weltbildverlages Klaus Donaubauer eine Erklärung. Mit Bezug auf die besondere gesellschaftliche Verantwortung als größtes Buchhandelsunternehmen Deutschlands hieß es damals: „Ihr Sortiment erfährt eine ständige Prüfung hinsichtlich der Wertbindungen der kirchlichen Gesellschafter.“ Kath.net hat berichtet.
Zur Verlagsgruppe Weltbild gehört der Verlag Droemer-Knaur, an dem das Unternehmen mit 50 Prozent beteiligt ist. Die anderen 50 Prozent gehören der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die auf ihrer Internetseite stolz auf ihre Zertifizierung als familienfreundliches Unternehmen durch die Hertie-Stiftung verweist.
Zu den Autoren von Droemer-Knaur zählt auch Manfred Lütz, dessen neuestes Buch auf der Startseite der Internetpräsenz beworben wird – mit direktem Link zu einem Interview. Wer allerdings ein wenig zu stöbern beginnt, findet unter den etwa 4.000 angebotenen Titeln nach wie vor Literatur zu den Themenbereichen „Erotik“ und „Kosmische Kräfte“. Unter der erstgenannten Kategorie finden sich Bücher wie „Wilde Obsessionen“, „Sex für Könner“ und „Schmutzige Geschichten“. Wer sich für die „Kosmischen Kräfte“ interessiert, kann sich in von „Deutschlands führendem Astrologen“ in die Geheimnisse der Sternzeichen einweihen lassen. Weiters wird ein Tagesbegleiter angeboten, der „in ein neues Bewusstsein“ einführt. Gibt man den Suchbegriff „Esoterik“ ein, werden Titel wie „Das Praxisbuch der Chakras“ oder „Die Akasha-Chronik – das kosmische Gedächtnis“ angezeigt. Die Bücher werden von Droemer-Knaur nicht nur vertrieben, sondern verlegt.
Die Gesellschafter von Weltbild haben im Juni beschlossen, die Verlagsgruppe nicht – wie ursprünglich angekündigt – zu verkaufen, sondern in eine Stiftung einzubringen, die „gemeinnützige, kulturelle und kirchliche Ziele“ verfolgt. Unter diesen Bedingungen ist zu erwarten, dass die angekündigte „ständige Prüfung hinsichtlich der Wertbindungen“ – nun der Begünstigten der Stiftung – weiterhin durchzuführen wäre. Das geschieht offenbar nicht in ausreichendem Maß. Oder hält man sich an das Motto von Kaiser Vespasian, der die Einführung einer Abgabe für die öffentlichen Toiletten Roms mit den Worten rechtfertigte: „Pecunia non olet“ – Geld stinkt nicht?
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