
Berlin (kath.net/KNA) Ägyptens Großmufti Ali Gomaa hat die gewalttätigen Reaktionen in der muslimischen Welt auf das «hetzerische Material» gegen den Propheten Mohammed verurteilt. Muslime sollten solche Provokationen entweder ignorieren oder gewaltfrei dagegen protestieren, schreibt Gomaa in einem Gastbeitrag für den Berliner «Tagesspiegel» (Donnerstag). Die Grenzen, die der Islam dabei vorschreibe, seien jedoch «ohne Zweifel in den vergangenen Tagen überschritten worden», betonte er. Der Großmufti ist die höchste islamische Autorität in Ägypten.
Die Institutionen und Strukturen legitimer Autorität in der muslimischen Welt seien leider so geschwächt, «dass in religiösen Fragen die hetzerische Rhetorik die sorgfältige Analyse als Ratgeber ersetzt hat», räumte der Großmufti ein. «Wir brauchen heute dringend ernsthafte religiöse Führer, die die Realität der modernen Welt anerkennen», betonte er. Es sei eine gemeinsame Aufgabe aller Glaubensrichtungen und Kulturen, «ein Umfeld zu schaffen, in dem die Menschen zusammenleben können».
Gomaa rief zugleich dazu auf, «verstehen zu wollen, was hinter der Verehrung des Propheten durch die Muslime steckt». Für sie sei er «der Weg, auf dem die Menschen Wissen über Gott erfahren. Das gilt für die Abfolge der Propheten vor dem Islam - einschließlich Abraham, Moses und Jesus - nicht weniger als für den Propheten Mohammed selbst». Deshalb trügen die bösartigen Provokationen, die offenbar die tiefen Gefühle von über einer Milliarde Menschen beleidigen sollten, nur zu Eskalation der Spannungen bei.
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