20 September 2012, 12:01
Deutschland: Ohne Kirchensteuerzahlung keine Hl. Eucharistie
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Kirchensteuer'
"Kompromiss" zwischen Rom und Bonn im Kirchensteuerstreit: Ein vor staatlichen Behörde erklärte Austritt führt weiterhin zum Verlust der Mitgliedsrechte. Theoretisch keine automatische Exkommunikation mehr, de facto aber schon. UPDATE!

Bonn (kath.net/KNA/red) Der Vatikan hat gemeinsam mit den deutschen katholischen Bischöfen die Konsequenzen eines Kirchenaustritts neu geregelt. Rom billigte eine kirchliche Rechtsvorschrift, wonach der vor einer staatlichen Behörde erklärte Austritt weiterhin zum Verlust der Mitgliedsrechte in der Kirche führt.

Gemeint sind laut DBK folgende Rechte:

Die aus der Kirche ausgetretene Person

- darf die Sakramente der Buße, Eucharistie, Firmung und Krankensalbung – außer in Todesgefahr - nicht empfangen,

- kann keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen in
der Kirche wahrnehmen,

- kann nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,

- kann nicht Mitglied in pfarrlichen und in diözesanen Räten sein,

Werbung
Weihnachtskarten


- verliert das aktive und passive Wahlrecht in der Kirche,

- kann nicht Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein.



Eine automatische Exkommunikation erfolgt jedoch nicht mehr.

Die neue Regelung geht aus einem am Donnerstag in Bonn veröffentlichten Dekret der Deutschen Bischofskonferenz hervor, das von der Bischofskongregation im Vatikan gebilligt wurde. Es gilt nur für die gesamte katholische Kirche in Deutschland.

Damit ändern Rom und die Bischöfe die bislang in Deutschland praktizierte Austritts-Regelung in einigen Details. Bislang galt hierzulande, dass die Austrittserklärung gegenüber dem Staat automatisch die Kirchenstrafe der Exkommunikation auslöste. Der nun drohende Verlust der Mitgliedsrechte unterscheidet sich in den praktischen Folgen kaum von der Exkommunikation, hat aber einen anderen theologischen Stellenwert. Die neue Regelung tritt ab Montag in Kraft.

Der Vatikan verpflichtete die Kirche in Deutschland zudem dazu, jedem Ausgetretenen ein Gespräch mit dem Ziel der Wiedereingliederung in die Kirche anzubieten. Die Pfarrer müssen demnach jeden Betroffenen dazu einladen, sobald sie die Mitteilung der staatlichen Behörde über einen Austritt erhalten. Im Falle eines Gesprächs gibt es drei Möglichkeiten: Falls der Ausgetretene bei seinem Schritt verharrt, bleibt es beim Verlust der Mitgliedsrechte. Wenn er oder sie wieder eintreten will, kommt es zur Versöhnung, die vollen Rechte werden wieder hergestellt. Falls der Betroffene aber bekundet, dass er nicht an Gott glaubt oder den Glauben der Kirche in anderen wesentlichen Punkten ablehnt, kann der zuständige Bischof das Verfahren zu einer förmlichen Exkommunikation einleiten. Ist diese Strafe verhängt, kann sie nur dann wieder aufgehoben werden, wenn der Betroffene bereut und seine Rückkehr zum Glauben der Kirche bekundet.

In den vergangenen Jahren hatte es eine intensive Debatte darüber gegeben, ob der bei den staatlichen Behörden verkündete Austritt aus der Institution Kirche auch den Austritt aus der Glaubensgemeinschaft bedeutet. Der emeritierte Freiburger Kirchenrechtler Hartmut Zapp hatte 2007 seinen Austritt aus der katholischen Kirche «als Körperschaft öffentlichen Rechts» erklärt und keine Kirchensteuern mehr gezahlt. Gleichzeitig betonte er jedoch, er verstehe sich weiterhin als gläubiges Mitglied der Kirche. Sein Fall wird am 26. September vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt.

Auch im Vatikan gab es bis zum Papst hinauf Stimmen, nach denen ein vor staatlicher Stelle erklärter Austritt nicht als Grund für die kirchenrechtliche Höchststrafe der Exkommunikation ausreiche. Dies sah die Mehrheit der deutschen Bischöfe anders. Der jetzt gefundene Weg ist laut KNA ein kirchenrechtlicher "Kompromiss" zwischen beiden Positionen. Klar ist, dass es im Hintergrund auch um gewaltig viel Geld geht und bei einer raschen Systemänderung die katholische Kirche Deutschlands in ihren Strukturen zusammenbrechen würde.

Mittlerweile gibt es bundesweit mindestens zwei weitere Streitfälle um einen «teilweisen Kirchenaustritt». Die meisten Staaten kennen den in Deutschland gesetzlich vorgesehenen Weg, einen Kirchenaustritt vor einer staatlichen Behörde zu erklären, nicht.

Ausdrücklich betont das neue Dekret, dass aus der Kirche ausgetretene Personen nicht zu den Sakramenten zugelassen sind und keine kirchlichen Ämter und Funktionen ausfüllen dürfen. Falls der Ausgetretene im kirchlichen Dienst steht, treten «die im kirchlichen Dienstrecht vorgesehenen Folgen» in Kraft. Bei der Frage, ob Ausgetretene kirchlich beerdigt werden dürfen, heißt es in einer weichen Formulierung, dass ein solches Begräbnis verweigert werden «kann». Mit dieser "deutschen Regelung" steht Deutschland weltweit in einer einmaligen Position, die vermutlich längerfristig nicht haltbar sein wird und von immer weniger Gläubigen akzeptiert wird.

Schreiben ACTUS FORMALIS DEFECTIONIS
AB ECCLESIA CATHOLICA aus dem Jahr 2006 aus Rom über den Kirchenaustritt


Das Dekret im Wortlaut

Dieses Schreiben sollen jetzt alle erhalten, die keine Kirchensteuer zahlen möchten

Kontakt Erzbischof Zollitsch

Kontakt Nuntiatur



Ein Kompromiss zwischen Rom und Bonn. Ihre Meinung jetzt auch auf Facebook erwünscht:



Noch mehr News zu dem Thema? Jetzt KATH.NET auf Twitter folgen!

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Fürstin Gloria zieht Unterschrift von Protestschreiben zurück! (71)

Kardinal Burke: Ich werde nicht Teil eines Schismas sein (64)

"Ähnlich gehandelt wie die Makkabäer im Alten Testament!" (60)

P. Karl Wallner: Der Kampf gegen Priestertum ist voll losgebrochen! (54)

St. Martin-Reiter nennt das Fest „christlich“ und fliegt deshalb raus (48)

Protest gegen „sakrilegische und abergläubische Handlungen“ (45)

"Hohmann sollte lieber die antikirchliche Haltung der AfD kritisieren" (43)

Abschlussmesse der Synode: Schale als Symbol für Pachamama? (40)

Ist in der Kirche noch Platz für den Glauben? (37)

Mexikanischer Bischof meint: Pachamama-Ehrung ist keine Götzenanbetung (37)

Das Logo unter der Lupe (37)

Über drei Gebirge (33)

Ackermann: Entschädigung für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuergeldern (29)

"Es war nie meine Absicht, Papst Franziskus persönlich anzugreifen" (27)

(K)eine Gay-Trauung in der Diözese Graz-Seckau? (20)