17 September 2012, 15:00
Das innere Wesen kirchlicher Einheit ist nicht die Konsensfindung
 
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Bischof Gregor Maria Hanke in Aschaffenburg: Bisher wurde die allgemeine Berufung zur Heiligkeit zu wenig berücksichtigt, doch diese müsse die Grundlage sein, damit der Einsatz nicht in Aktionismus endet. Ein KATH.NET-Bericht von Barbara Wenz

Aschaffenburg (kath.net) Vor circa 1.000 erwartungsvollen Zuhörern eröffnete Bischof Gregor Maria Hanke OSB (Foto), Eichstätt, seinen Vortrag in Aschaffenburg am Festtag „Schmerzen Mariens“ mit der Anrufung der Gottesmutter.

In einer Zeit, in der hauptsächlich Laien Erwartungen formulieren und Forderungen stellen, bot der Ansatz von Bischof Hanke anlässlich des in Kürze beginnenden Jahr des Glaubens und der Einladung des Heiligen Vaters, die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils erneut zu studieren, nicht nur einen theologisch tiefergehenden, sondern auch geistlich erfrischenden Impuls für die Kongressteilnehmer. Hanke zitierte häufig Hans-Urs von Balthasar und verwies immer wieder auf konkrete Passagen aus Lumen Gentium, der dogmatischen Konstitution über die Kirche.

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Darin werde konstatiert, dass die Kirche in Christus gleichsam das Sakrament für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit sei (LG 1). Somit erweitere sie das menschliche Leben hinein in die Wirklichkeit Gottes und mache fähig zu einem Miteinander von Menschen, das von sich aus so nicht machbar wäre. Aus der Einheit in Christus erwächst Kraft seines Geistes die Einheit der Kirche. Das innere Wesen der Einheit sei nicht Konsensfindung, Kompromiss oder Mehrheitsentscheidung: mit soziologischen oder psychologischen Kategorien könnten wir uns dem Wesen der Einheit in Christus nicht nähern, denn diese Einheit übersteige Raum und Zeit, wie etwa bei der Feier der Liturgie oder dem Gebet für die Verstorbenen. Die Gabe schlechthin ist der Heilige Geist. Erst durch die geistgewirkte Liebe werde Mitleiden und Mitfreuen in Christus möglich. Ohne die geistige Dimension, ohne Gebet und Sakramentalität, führte Bischof Hanke weiter aus, drohten wir im bloßen Aktionismus oder einem falschen Altruismus zu erstarren.

Die eine Liebeskraft des Geistes Christi, der die Kirche ist, bewirke und eint die Vielfalt der Glieder in diesem Leib. Gottes Liebeskraft ist somit schöpferisch: differenzierend und einend zugleich. Dabei nehmen alle am Priestertum Christi teil (LG 62), wobei sich das Priestertum des gläubigen Volkes von dem der Amtspriester zwar dem Wesen nach unterscheide, jedoch seien beide Weisen einander zugeordnet.

Durch unsere verschiedenen Charismen, erläuterte Hanke weiter, leisteten wir uns gegenseitig Dienst zum Heil. Darum müssten wir uns auch fragen und geistlich prüfen, welche Berufung der je einzelne habe. Hanke dazu wörtlich: „Wir sind bei Gott keine Nummern! Wenn ich meine Berufung nicht ergreife, hinterlasse ich eine Lücke. Ich bin nicht ersetzbar. Taufe und Firmung sind die Zusage Gottes: Du hast eine Berufung – diese ist verankert in Christus und seiner Sendung, an der wir Teilhaber sind.“

Für alle, ob Weltchristen oder Ordenschristen gelte ebenso: Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Dazu rief Hanke ermutigend aus: „Jede Berufung in der Kirche ist immer Sendung für das Ganze. Jede Berufung erhält auch ihre Gnade, darauf dürfen wir vertrauen!“

Es gehe insbesondere darum, die Welt zu verwandeln durch die Teilhabe an der Sühne und dem Kreuzes-Leiden Christi. Weltdienst sei innerhalb dieser Spanne zu sehen und zu deuten. Dem Gesetz Christi zu folgen setze den Akt des freien Gehorsams zur Kirche voraus, als ein Ausdruck der Autonomie des Menschen: dass er wählen kann.

Die Welt verwandelt, dies könnten ganz kleine Schritte des Alltags sein wie Öffentliches Tischgebet oder das Einstehen für unsere katholischen Überzeugungen im Freundeskreis.
Besonders wichtig in der heutigen Zeit sei es auch, Sexus und Eros auf die christliche Liebe hin durchsichtig zu machen. Das Wort ist Fleisch geworden und es wolle das Fleisch in Dienst nehmen, deshalb, so Bischof Hanke weiter, könne eine christlich gelebte Ehe ein Leuchtzeichen der Kirche in der Welt sein.

Hanke verwies auf Kapitel V von Lumen Gentium: Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche. Diese sei bisher wenig berücksichtig worden, müsse aber unsere Grundlage sein, um unserer Sendung gerecht zu werden: damit der Einsatz nicht in Aktionismus ende, damit die Sozialgestalt der Kirche nicht das Schwergewicht erhalte.

Schließlich könne Maria so etwas wie der Protoyp des geistlich mündigen Laien darstellen. Bischof Hanke wies auf die letzten Abschnitte von Lumen Gentium hin, in denen es um die heilige Gottesmutter geht: „Wenn wir wissen wollen, wie Kirche sein geht, müssen wir auf Maria schauen!“

Die Kirche erwartet sich von den Laien, dass sie aus gelebter Einheit in der Kirche als Leib Christi heraus handeln und sich senden lassen, nicht im Gegenüberstand zu ihr, fasste Bischof Hanke zusammen. Dass sie sich weiter der vom Heiligen Geist gewirkten Liebe öffnen, gestärkt durch die Sakramente, ihre Berufung aus freiem Willen ergreifen und sich senden lassen für die Kirche hinein in die Welt. Dass sie auf Maria schauen und dass sie sich vor allem in den gegenwärtig schweren Zeiten, vielleicht dem Aspekt der prophetischen Dimension öffnen, die sich in Maria verkörpert: Im Hören auf Gottes Wort und aus freiem Willen im Gehorsam auf den Anruf Gottes zu antworten.

Einen Neuaufbruch in der Kirche, so prophezeite Bischof Hanke seinerseits, werden wir nur erleben, wenn wir uns dem Geist, der Maria erfüllte, gleichfalls öffnen.

Foto Bischof Hanke: (c) Bistum Eichstätt

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