
St. Pölten (kath.net/habichtsburg) Mit den Jahren bin ich draufgekommen, was eine meiner Lieblingsstellen in der Messe ist. Eine vielleicht etwas stiefmütterlich behandelte Stelle gegen Ende. Die zuweilen, auch in Büchern über die Eucharistie, ein wenig "unter den Tisch fällt", weil sie zwischen der Kommunion und dem Schlusssegen passiert und wenig spektakulär ist.
Ich spreche vom Schlussgebet des Priesters. Dieses kurze, eher nüchterne Gebet, bevor oft die Ansagen kommen, uns vom Geheimnis der Messe ablenken und über Strickkreise, Vorträge und Kirchenreinigungstermine nachdenken lassen. Manchmal ersetzen Priester es auch gleich durch eine selbstgestaltete Zusammenfassung zum Thema des jeweiligen Gottesdienstes, und leider merken sie nicht, was sie sich und der Gemeinde da entgehen lassen. Denn die Schlussgebete aus dem Messbuch, nicht die selbstgebastelten, haben eine schlichte Wucht und Wesentlichkeit, die man erst entdecken muss.
Das hat auch mit der Stelle zu tun, an der das Schlussgebet kommt. Idealerweise sollten selbst Menschen wie ich, die mit bis zu sechs lebhaften Kindern die Messe eher unkonzentriert erleben, jetzt etwas "wesentlicher gestimmt" sein. Nach dem Empfang der Kommunion und der anschließenden Zeit des Gebets - wenn man sie denn hat und nicht dauernd singen oder einer vorgelesenen Betrachtung über Bergseen lauschen muss - kann man eine Ahnung davon bekommen, was hier eben passiert ist und wen man jetzt mit sich herumträgt. Man "möchte es ab jetzt besser machen", man ist sich vielleicht kurz bewußt, wie unzulänglich man doch selber sein Christsein lebt.
Und genau jetzt kommt das Schlussgebet und fasst für mich in sehr sehr vielen Fällen alles zusammen, was ich Jesus sagen will. In klaren schlichten und endgültigen Worten. Wie zum Beispiel am vergangenen Sonntag:
SCHLUSSGEBET:
Herr, unser Gott,
wir danken dir,
dass du uns Anteil
am Leib und Blut Christi gegeben hast.
Lass nicht unser eigenes Streben
Macht über uns gewinnen,
sondern gib, dass die Wirkung dieses Sakramentes
unser Leben bestimmt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Nicht eigenes Streben... dass die Wirkung dieses Sakramentes unser Leben bestimmt - genau das würde ich mir wünschen. Auch wenn ich weiß, dass der Alltag kommt und alle solchen Wünsche oft verwehen, genau jetzt wäre das mein größter Wunsch. Und das ist nur eines von vielen, vielen Beispielen, die mich gegen Ende der Messe berühren (wenn ich nicht gerade von meiner jüngsten Tochter abgelenkt werde, die geräuschvoll an mir hochklettert).
Warum sind diese Gebete so gut und wesentlich? Weil sie, wie mir ein Priester einmal erklärte, sehr sehr alt sind und über die Jahrhunderte gewachsen. Die allwissende Wikipedia fasst das (etwas technisch) so zusammen: die Schlussgebete sind "in schriftlicher Form seit dem 7./8. Jahrhundert überliefert, mündlich dürften sie mindestens bis ins 4./5. Jahrhundert zurückgehen. Sie zeichnen sich aus durch eine minimalistisch-klassische Form von klarer Prägnanz und Einprägsamkeit, die auf lange tradierter lateinisch-römischer Rhetorik basiert".
Ecco. Mindestens ins 4./5. Jahrhundert - da hatten Menschen recht lange Zeit, sich Gedanken zu machen, was zu diesem Zeitpunkt wirklich wesentlich ist. Daher meine montägliche Einladung - entdecken Sie das Schlussgebet - in jeder Messe oder zum Beispiel hier auf der Homepage des Benediktinerklosters Beuron. Zur Anregung schließlich noch das vom nächsten Sonntag:
SCHLUSSGEBET
Allmächtiger Gott,
du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Eduard Habsburg ist der Medienreferent des St. Pöltener Bischofs Klaus Küng
Foto: (c) Eduard Habsburg
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