
Aschaffenburg (kath.net/KNA) Kardinal Walter Brandmüller sieht den deutschen Katholizismus in einer desolaten Verfassung. Seit Jahrzehnten befinde sich dieser «in einem Zustand der Lähmung und der Schwäche», sagte Brandmüller am Sonntag in Aschaffenburg. So lasse sich der Sendungsauftrag der Kirche nicht erfüllen, bemängelte er im Abschlussgottesdienst des Kongresses «Freude am Glauben». Brandmüller (83) war bis 2011 Präsident der Päpstlichen Historikerkommission in Rom.
Indirekt kritisierte der Kardinal auch den von der Deutschen Bischofskonferenz initiierten Dialogprozess, dessen zweite zentrale Veranstaltung am Wochenende in Hannover stattfand: «Vom Dialog ist im Evangelium mit keinem Wort die Rede.» Zur Ausbreitung des Glaubens seien weniger Strukturreformen oder pastorale Strategien gefragt, sondern vor allem das persönliche Zeugnis der Gläubigen, so Brandmüller.
Papst Benedikt XVI. habe mit dem «Jahr des Glaubens», das in wenigen Wochen eröffnet wird, insbesondere den Katholiken in Mitteleuropa eine «lebensrettende Medizin» verordnet, hob der Kardinal hervor. Um sich in einer «mehrheitlich glaubenslosen, wenn nicht glaubensfeindlichen Umwelt» behaupten zu können, bräuchten sie Durchhaltevermögen und tägliche Übung. Sie müssten sich um eine intensivere Kenntnis und Praxis des Glaubens bemühen. Dabei sei Glaube «kein Speisen a la Carte, bei dem man sich nur auswählt, was einem schmeckt», sondern die Zustimmung zum ganzen Glauben der Kirche.
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