14 September 2012, 13:37
Pilger des Friedens – Freund Gottes und des Menschen
 
Hildegard13
 
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Benedikt XVI.: Der Fundamentalismus ist eine Verfälschung der Religion. „Salàmi ō-tīkum, Beirut!“ Die Ansprache des Papstes im Wortlaut

Rom (kath.net/as) Am heutigen Freitagvormittag begann Papst Benedikt XVI. seine 24. Apostolische Auslandsreise, die ihn vom 14. bis 16. September in den Libanon führt. Die Reise betrifft nicht nur das „Land der Zedern“, sondern die gesamte Region des Nahen Ostens. In seinem Telegramm an den italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano bezeichnete Benedikt XVI. seinen Besuch im Libanon als eine „Pilgerreise des Friedens und der Einheit“ mit dem Ziel, den Katholiken der Region ein Dokument zu überreichen, das ihnen helfen solle, „Zeugen der Gemeinschaft und der Hoffnung“ zu sein.

Am Nachmittag wird der Papst dann um 17:00 Uhr die griechisch-melkitische Basilika „St Paul“ in Harissa besuchen und das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“ unterzeichnen. Dabei handelt es sich um das Schlussdokument zur Nahost-Bischofssynode von vor zwei Jahren.

Während des Fluges hatte Benedikt XVI. bei der traditionellen „fliegenden Pressekonferenz" Waffenimporte nach Syrien als schwere Sünde verurteilt. Die Umwälzungen des sogenannten Arabischen Frühlings bezeichnete er als einen berechtigten Schrei nach Demokratie. Der Fundamentalismus ist für den Papst immer eine Verfälschung der Religionen, da Gott dazu einlade, Frieden auf der Welt zu schaffen. Aufgabe der religiösen Bekenntnisse sei es, Frieden zu schaffen: „Im Bild des anderen achten wir das Bild Gottes“.

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In Beirut wurde Benedikt XVI. am Internationalen Flughafen „Rafiq Hariri“ neben dem libanesischen Präsidenten, Michel Suleiman, und weiteren Obrigkeiten des Staates von den Patriarchen und Bischöfen des Libanons sowie von Vertretern der orthodoxen Kirche und des Islams begrüßt.


Kath.net veröffentlicht die Ansprache Papst Benedikts XVI. bei der Willkommenszeremonie auf dem Internationalen Flughafen Beirut-Rafiq Hariri:

Herr Präsident!
Meine Herren Präsidenten des Parlaments und des Ministerrats!
Eure Seligkeiten! Verehrte Mitglieder des Diplomatischen Corps!
Werte Vertreter des öffentlichen und religiösen Lebens!
Liebe Freunde!

Es ist mir eine Freude, Herr Präsident, Ihrer geschätzten Einladung zu einer Reise in Ihr Land nachzukommen, ebenso wie jener, die ich seitens der katholischen Patriarchen und Bischöfe des Libanon erhalten habe. Diese zweifache Einladung macht damit die beiden Ziele meines Besuchs in Ihrem Land deutlich. Er unterstreicht zudem die hervorragenden Beziehungen, die seit jeher zwischen dem Libanon und dem Heiligen Stuhl bestehen, und möchte dazu beitragen, sie zu festigen. Diese Reise ist auch eine Erwiderung Ihrer Besuche im Vatikan im November 2008 und dann im Februar 2011, dem neun Monate später jener des Herrn Ministerpräsidenten folgte.

Bei unserer zweiten Begegnung wurde die eindrucksvolle Statue des heiligen Maron gesegnet. Seine stille Anwesenheit an der Außenseite der Apsis des Petersdoms ruft uns den Libanon gerade an dem Ort in Erinnerung, wo der Apostel Petrus begraben ist. Die Statue macht ein jahrhundertealtes spirituelles Erbe deutlich; sie bekräftigt nämlich die Wertschätzung der Libanesen für den ersten der Apostel und für seinen Nachfolger. Zum Zeichen ihrer großen Verehrung für Simon Petrus fügen die maronitischen Patriarchen ihrem Vornamen den Namen „Boutros" [Petrus] hinzu. Es ist schön zu sehen, wie vom Heiligtum des Apostels Petrus aus der heilige Maron immerfort als Fürsprecher für Ihr Land und den gesamten Nahen Osten eintritt. Herr Präsident, ich danke Ihnen schon jetzt für alle Anstrengungen, die im Hinblick auf das Gelingen meines Aufenthalts bei Ihnen unternommen wurden.

Ein weiterer Grund meines Besuchs ist die Unterzeichnung und die Übergabe des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten Ecclesia in Medio Oriente. Es handelt sich um ein bedeutendes kirchliches Ereignis. Ich danke allen katholischen Patriarchen, die dafür eigens gekommen sind, insbesondere dem verehrten emeritierten Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir und seinem Nachfolger Patriarch Bechara Boutros Raï. Mein brüderlicher Gruß gilt allen Bischöfen des Libanon wie auch allen, die angereist sind, um mit mir zu beten und um dieses Dokument aus den Händen des Papstes selbst zu empfangen. Durch sie grüße ich väterlich alle Christen im Nahen Osten.

Das Nachsynodale Apostolische Schreiben, das sich an die ganze Welt richtet, bietet sich an, diesbezüglich eine road map für die kommenden Jahre zu sein. Ich freue mich auch, in diesen Tagen zahlreichen Vertretern der katholischen Gemeinden in Ihrem Land begegnen zu können und zusammen feiern und beten zu können. Ihre Präsenz, ihr Einsatz und ihr Zeugnis sind ein anerkannter und sehr geschätzter Beitrag im täglichen Leben aller Bewohner Ihres geschätzten Landes.

Es bedeutet mir viel, mit großer Ehrerbietung auch die orthodoxen Patriarchen und Bischöfe, die gekommen sind, um mich zu empfangen, und die Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Libanon zu begrüßen. Ihre Anwesenheit, liebe Freunde, bringt die Wertschätzung und die Zusammenarbeit zum Ausdruck, die Sie unter allen im gegenseitigen Respekt zu fördern wünschen. Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen, und ich bin sicher, daß Sie weiter nach Wegen der Einheit und der Eintracht suchen. Ich vergesse die traurigen und schmerzlichen Ereignisse nicht, die viele Jahre lang Ihr schönes Land heimgesucht haben.

Das glückliche Zusammenleben aller Libanesen soll dem ganzen Nahen Osten und der restlichen Welt zeigen, daß innerhalb einer Nation die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kirchen, die alle zu der einen katholischen Kirche gehören, im Geist brüderlicher Gemeinschaft mit den anderen Christen und zugleich das Zusammenleben und der respektvolle Dialog zwischen den Christen und ihren Geschwistern anderer Religionen bestehen können. Sie und ich wissen, daß dieses Gleichgewicht, das überall als Beispiel dargestellt wird, höchst labil ist. Gelegentlich droht es zu zerbrechen, da es wie ein Bogen gespannt ist oder einem Druck unterliegt, der allzu oft parteiisch, ja selbstsüchtig ist und der Harmonie und der libanesischen Sanftmut als etwas Fremdes entgegensteht. Deswegen ist es notwendig, echte Mäßigung mit großer Weisheit zu üben. Und die Vernunft muß über einseitige Leidenschaften obsiegen, um das Gemeinwohl aller zu fördern. Hat nicht der große König Salomo, der Hiram, den König von Tyrus, kannte, die Weisheit als die höchste Tugend angesehen? Darum hat er Gott inständig gebeten, und Gott hat ihm ein weises und verständiges Herz geschenkt (1 Kön 3,9-12).

Ebenso bin ich gekommen, um zu sagen, wie wichtig es ist, daß Gott im Leben eines jeden gegenwärtig ist, und wie die Art und Weise des Miteinanders, dieses Zusammenleben, von dem Ihr Land Zeugnis geben möchte, nur tief sein kann, wenn es auf der Aufmerksamkeit und der Haltung des Wohlwollens untereinander gegründet ist, wenn es in Gott verwurzelt ist, der will, daß alle Menschen Geschwister sind. Das berühmte libanesische Gleichgewicht, das weiter Realität bleiben will, kann dank des guten Willens und des Engagements aller Libanesen fortdauern. Dann nur wird es den Bewohnern der ganzen Region und der gesamten Welt als Beispiel dienen. Es handelt sich nicht nur um eine menschliche Leistung, es ist vielmehr ein Geschenk Gottes, das inständig erbeten, um jeden Preis bewahrt und entschieden gefestigt werden muß.

Die Bande zwischen dem Libanon und dem Nachfolger Petri sind historisch und tief. Herr Präsident, liebe Freunde, ich komme in den Libanon als Pilger des Friedens, als Freund Gottes und als Freund der Menschen. „Salàmi ō-tīkum" – „Meinen Frieden gebe ich euch", sagt Christus (Joh 14,27). Und hier in Ihrem Land komme ich heute auch gleichsam in alle Länder des Nahen Ostens als Pilger des Friedens, als Freund Gottes und als Freund aller Bewohner aller Länder der Region, welcher Herkunft und welchen Glaubens auch immer sie sind. Auch zu ihnen sagt Christus: „Salàmi ō-tīkum". Ihre Freuden und Ihre Sorgen sind stets in das Gebet des Papstes hineingenommen, und ich bitte Gott darum, Sie zu begleiten und zu stützen. Ich versichere Ihnen, daß ich besonders für all diejenigen bete, die in dieser Region leiden, und derer sind viele. Die Statue des heiligen Maron erinnert mich an das, was Ihr erlebt und erduldet.

Herr Präsident, ich weiß, daß Ihr Land mir einen schönen und herzlichen Empfang bereitet, wie man ihn einem geliebten und geachteten Bruder erweist. Ich weiß, daß Ihr Land des libanesischen „Ahlan wa Sahlan" [„Wie Angehörige seid ihr willkommen und leicht sollt ihr es haben"] würdig ist. Dies ist es schon und wird es von nun an noch mehr sein. Ich bin glücklich, bei Ihnen allen zu sein. „Salàmi ō-tīkum". Gott segne Sie alle. (Lè yo barèk al-Rab jami’a kôm!) Danke.


Rede von Papst Benedikt XVI. als Video:





Video von der Ankunft





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