12 September 2012, 12:01
Die Welt und die Geschichte im Licht des Glaubens lesen
 
Hildegard13
 
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Benedikt XVI.: das Gebet – ein offenes Fenster hinein in die Wirklichkeit Gottes. Der christliche Optimismus und die wahre Allmacht Gottes, der den Bösen besiegt. Appell für den Frieden im Nahen Osten. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Vor rund 8.000 Pilgern und Besuchern in der Audienzaula „Paolo VI“ setzte Papst Benedikt XVI. seine am letzten Mittwoch begonnenen Betrachtungen zum Gebet im Buch der Offenbarung des Johannes fort und beschäftigte sich in seiner Katechese mit dem zweiten Teil. Dieser leite dazu an, die Welt und die Geschichte im Licht des Glaubens zu lesen.

Entscheidend sei dabei, „dass wir in Gemeinschaft mit Christus bleiben. Gemäß dem Plan Gottes ist die Kirche Teil der Geschichte und hat den Auftrag, am Kommen und Wachsen des Reiches Gottes in der Geschichte mitzuarbeiten“. Der Apostel Johannes schildere dies alles in eindrücklichen Bildern, „eingebettet in einer großen Vision der Liturgie des Himmels: Gott auf dem Thron und dem Lamm, dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, gilt der Lobpreis der himmlischen Scharen“.

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Christus, der als das Lamm das Buch der Geschichte öffne, „enthüllt den Heilsplan Gottes“. Aus diesem Grund „lernen wir langsam, wenn wir mit Christus im Gebet verbunden sind, den Sinn der Geschichte zu erkennen, zu verstehen“.

Das Gebet „ist wie ein offenes Fenster, das uns erlaubt, über diese Welt hinaus in Gottes Wirklichkeit hineinzuschauen, Gottes Ziel im Blick zu behalten“. Zugleich komme aus der Höhe Licht zum Menschen, das seinen Weg erleuchte.

Das Gebet helfe so, Gottes Reich in der Geschichte, seine Gegenwart und sein Handeln wahrzunehmen und vor allem selber Licht des Guten zu werden und damit Hoffnung zu verbreiten. Aus diesem Grund „dürfen wir einstimmen in das neue Lied auf das Erlösungswerk des Herrn, der alles neu macht. Und wir dürfen ihm vertrauen, dass unsere Gebete – wie unvollkommen sie auch sein mögen – Gottes Herz erreichen. Kein Gebet ist überflüssig oder unnütz oder geht verloren. Jedes erhält Antwort, wenn auch auf geheimnisvolle Weise“.

Der Christ dürfe niemals ein Pessimist sein. Vielmehr sei er dazu eingeladen, „nie die Hoffnung zu verlieren, fest zu glauben, dass die scheinbare Allmacht des Bösen auf die wahre Allmacht Gottes trifft“. So werden für Benedikt XVI. im zweiten Teil der Apokalypse zwei Lebensarten sichtbar: das „System Christi“ und das „irdische, gegen das Reich und den Bund gerichtete System, das durch den Einfluss des Bösen bewirkt wird“, der den Menschen betrüge und eine Welt zu verwirklichen beabsichtige, die gegen jene von Christus und Gott gewollte sei.

Auf dem Lebensweg begegne der Mensch oft der Gewalt, der Lüge, dem Hass, der Verfolgung, so Benedikt XVI. Doch „das entmutigt uns nicht. Vor allem das Gebet erzieht uns, die Zeichen Gottes zu sehen, seine Gegenwart und sein Wirken“. So lebe die Kirche in der Geschichte und verschließe sich nicht in sich selbst, „sondern nimmt mutig ihren Weg inmitten der Schwierigkeiten und Leiden auf und bekräftigt, dass das Böse nicht über das Gute siegt, dass die Finsternis nicht den Glanz Gottes verdunkelt“.

Aus diesem Grund müsse die Kirche die Geschichte, in der sie lebt, in ihrer Tiefe verstehen, und lernen, mit dem Glauben die Geschehnisse zu unterscheiden, „um mit ihrem Wirken an der Entwicklung des Reiches Gottes mitzuarbeiten“.

Die Kraft Gottes sei kraftvoll in die Geschichte des Menschen eingetreten. Diese Kraft sei nicht nur in der Lage, das Böse abzuwägen, sondern es auch zu besiegen. Gott „greift ein und lässt seine Macht und seine Stimme auf Erden spüren, er lässt erzittern und stürzt das System des Bösen um“. Aufgabe des Menschen sei es, „der Herrschaft Gottes gegenüber fügsam zu sein, so dass sein Wille unserem Leben und dem der Welt Richtung verleiht“. So rief der Papst zum Schluss seiner Ansprache dazu auf, der Sonntagsmesse treu zu sein, „wahrer Mittelpunkt der Woche“.

An Ende der Generalaudienz richtete Benedikt XVI. einen eindringlichen Appell für den Frieden im Nahen Osten, „in Achtung der legitimen Unterschiede“. Der Papst erinnerte an seine bevorstehende Reise in den Libanon (15. – 16. September) und erklärte sich bereit, zahlreichen Vertretern der libanesischen Gesellschaft zu begegnen. Benedikt XVI. ermahnte die Christen im Nahen Osten, Erbauer der Friedens und aktiv bei der Versöhnung tätig zu sein:

„Beten wir zu Gott, dass er den Glauben der Christen im Libanon und im Nahen Osten stärke und sie mit Hoffnung erfülle. Ich danke Gott für ihre Anwesenheit und ermutige die ganze Kirche zur Solidarität, damit sie fortfahren können, Christus in diesem gesegneten Land zu bezeugen und die Gemeinschaft in der Einheit zu suchen“.

Die Geschichte des Nahen Ostens lehre die wichtige und oft ursprüngliche Rolle, „die die verschiedenen christlichen Gemeinschaften im interreligiösen und interkulturellen Dialog einnehmen. Gott segne den Libanon und den Nahen Osten!“.


Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Mit Freude grüße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache, vor allem die Pilger der Loretto-Bewegung aus Österreich. Das Gebet läßt uns Gottes Plan in der Geschichte erkennen und gibt uns Kraft, am Kommen des Reiches Gottes mitzuwirken. Ich bitte euch heute besonders, mich auf meiner Reise in den Libanon mit eurem Gebet zu begleiten. Euer Beten wird dazu beitragen, die Christen im Nahen Osten im Glauben zu stärken. Vertrauen wir alle auf die Kraft des Gebets. Vergelt’s Gott!

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Generalaudienz - Katechese Deutsch + Begrüßung der Gruppen





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