12 September 2012, 12:00
Jesuit: 'Noch nie Papstreise in so dramatischem Augenblick'
 
Hildegard13
 
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Trotz des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten in Syrien und im Libanon wird Benedikt XVI. von den religiösen Autoritäten beider Richtungen willkommen geheißen, sogar von Hisbollah und Salafisten

Rom-Beirut (kath.net/KAP) Die in drei Tagen beginnende Papstreise in den Libanon ist ein Unterfangen voller Gefahren. Bei seiner Pressekonferenz am Dienstag in der vatikanischen Salla Stampa ging Vatikansprecher P. Federico Lombardi deshalb auch auf die Sicherheitsaspekte ein, ebenso wie sein Jesuiten-Ordensmitbruder P. Paolo Dall'Oglio kurz zuvor.

"Noch nie zuvor hat es eine Papstreise in einem so dramatischen Augenblick gegeben", betonte der aus Syrien ausgewiesene italienische Jesuit Dall'Oglio. Er ist Gründer des syrischen Deir-Mar-Musa-Klosters. Dall'Oglio äußerte sich bei der am Sonntag zum Ende gegangenen Syrien-Solidaritätswoche in Rom. Die Woche wurde von der italienischen Sektion der "World Conference of Religions for Peace" veranstaltet und hatte auch das Ziel, auf den am Freitag beginnenden Besuch Benedikts XVI. im Libanon einzustimmen.

Trotz des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten in Syrien und im Libanon wird der Papst von den religiösen Autoritäten beider Richtungen willkommen geheißen. Das Treffen mit den muslimischen Religionsführern soll Samstagvormittag stattfinden. Auch die radikal-sunnitischen Salafisten äußern sich positiv, ebenso wie die radikal-schiitische Hisbollah.

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Die höchste sunnitische Glaubensautorität im Libanon, Großmufti Sheikh Muhammed Rashid Qabbani, sagte am Dienstag gegenüber der Beiruter Zeitung "The Daily Star", über die Sorgen der Christen in der Region solle bei der Begegnung am Samstag offen gesprochen werden. "Wir werden daran arbeiten, dass diese Besorgnisse, die im Zuge des Arabischen Frühlings aufgetreten sind, eliminiert werden", so Qabbani.

Der in Sidon ansässige Scheich der Salafisten, Ahmad Assir, betonte, der Papste sei willkommen. "Alles, was unsere christlichen Partner zufrieden macht, würde auch mich glücklich machen", so Assir.

Zu Beginn des Papstbesuchs steht am Freitagabend in Harissa die feierliche Unterzeichnung des Abschlussdokuments der Nahost-Bischofssynode vom Oktober 2010 auf der Agenda des Papstes. Die Unterzeichnung wird in der Basilika des Wallfahrtsortes oberhalb von Jounieh, erfolgen.

Die Synode hatte vor zwei Jahren in einem Appell an die Vereinten Nationen die "Beendigung der Okkupation arabischer Gebiete" und einen souveränen Staat für das palästinensische Volk gefordert. Melkiten-Patriarch Gregorios III. Laham, der Benedikt XVI. am Tor der Pauluskirche in Harissa empfängt, hat auch bereits seine Forderung publik gemacht.

Anerkennung Palästinas gefordert

Das Oberhaupt der zweitgrößten katholischen Ostkirche im Zedernstaat will an den Papst appellieren, dass der Vatikan Palästina anerkennt und die wichtige Rolle der palästinensischen Frage in der arabischen Welt klarer erkennt. Der Text der für Harissa geplanten Ansprache war für kurze Zeit, offenbar durch ein Versehen, online gestellt worden.

In einem Interview mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR sagte Laham, wenn es Christen und Muslimen gelinge, im Orient vereint zu sein, werde die ganze Welt davon profitieren. "Wir müssen um die Versöhnung ringen. Wenn das nicht gelingt, wird die Zukunft düster sein."

Der Papstbesuch sei für die Christen eine "Stärkung im Glauben", um "auf dem Weg des Einsatzes für Frieden und Geschwisterlichkeit nicht nur im Libanon und in Syrien, sondern überall im Nahen Osten voranzuschreiten". Er werde deshalb - so der Patriarch - dem Papst für dessen Nähe und das Interesse für die "schwer geprüfte nahöstliche Region, deren Bevölkerung und die christlichen Gemeinschaften" danken.

Die Libanon-Visite Benedikts XVI. sei für alle arabischen und muslimisch geprägten Länder wichtig, betonte der Patriarch: "Das ist gleichsam ein Besuch bei der ganzen islamischen Welt, der eine Botschaft des Dialogs und der Versöhnung, eine Einladung zum gegenseitigen Respekt und zur Freiheit mit sich bringt". Der Besuch des Papstes sei ein "Zeichen der Anwesenheit Gottes und seiner Vorsehung" in diesem besonderen Augenblick der arabischen Welt.

Die Beziehungen zur islamischen Glaubensgemeinschaft seien an sich sehr gut, trotz der aktuellen Situation, die diesen gemeinsamen Erfahrungsschatz zu ruinieren drohe. Umso mehr sei es notwendig, den Dialog mit den Muslimen im Nahen Osten zu vertiefen. Das habe Auswirkungen für den Dialog in aller Welt, meinte Laham.

In Syrien würden derzeit die entgegengesetzten Interessen unterschiedlicher Nationen aufeinanderprallen, sagte Laham. Wenn die internationale Gemeinschaft - "vor allem Russland, die USA und Europa" - eine Übereinkunft finden könnten, würde "dieses ganze Massaker enden". Er habe an seine Mitbürger in Syrien, seiner Heimat, appelliert, "nicht Hass und Rache zu pflegen, sondern nach den schweren Auseinandersetzungen miteinander solidarisch zu sein".

Am Samstag trifft der Papst im Präsidentenpalast Baabda in Beirut mit Staatspräsident Michel Sleimane, Ministerpräsident Najib Mikati und Parlamentspräsident Nabih Berri zusammen. Nach dem Empfang durch die drei höchsten Repräsentanten des Staates ist eine Zusammenkunft des Papstes mit den Spitzenvertretern der islamischen Geistlichkeit vorgesehen.

Das Mittagessen nimmt Benedikt XVI. mit den Patriarchen der mit Rom unierten Kirchen des Nahen Ostens (Maroniten, Melkiten, Armenier, Syrer, Chaldäer) am Sitz des armenisch-katholischen Patriarchen Nerses Bedros XIX. Tarmouni in Bzommar, nordöstlich von Beirut, ein. Am Abend soll eine Begegnung des Papstes mit circa 20.000 Jugendlichen am Sitz des maronitischen Patriarchats in Bkerke, zehn Kilometer nördlich von Beirut, stattfinden.

Vorbereitung durch Jugendliche

Christliche und islamische Jugendlicher bereiten sich aktuell intensiv darauf vor. Am Mittwochabend sollen von vier Punkten Beiruts aus Prozessionen von Jugendlichen mit Kerzen und libanesischen Fahnen starten, die gegen 20 Uhr im "Mariengarten" im Bereich des Museumsplatzes zusammentreffen sollen. Dort wird es Gesänge und Lesungen aus Evangelium und Koran geben; die Jugendlichen werden gemeinsam darum beten, dass der Papstbesuch von allen "als Segen für den Libanon angenommen und gelebt wird", wie P. Antoine Daoud, der Sekretär der Bischofskonferenz für den Dialog mit dem Islam, mitteilte. "Alle Libanesen, alle politischen und religiösen Führungspersönlichkeiten, auch die der Hisbollah, der Drusen und der Sunniten, erwarten den Papstbesuch als eine Gnade für den Libanon, als einen Augenblick wahrhafter nationaler Einheit, um der ganzen nahöstlichen Welt zu zeigen, dass der Libanon ein Modell des Zusammenlebens sein kann".

Am Sonntagmorgen wird der Papst in der Hauptstadt eine Messe feiern. 350.000 Teilnehmer werden erwartet. Bevor Benedikt XVI. am Abend nach Rom zurückkehrt, trifft er am Sitz des syrisch-katholischen Patriarchen Mar Ignatius Youssif III. Younan in Charfet noch mit Vertretern der Ökumene zusammen.

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