11 September 2012, 10:00
Irakische Christen vermissen Vision einer besseren Zukunft
 
Hildegard13
 
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Chaldäisch-katholischer Erzbischof Sako von Kirkuk: Patriarchen und Bischöfe sollten mit Papst bei Libanon-Besuch offen über Befürchtungen reden, dass das Christentum aus dem Nahen Osten verschwindet

Kirkuk (kath.net/KAP) Äußerst besorgt über die Zukunft der Christen im Irak ist der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako (Foto). "Es gibt keine Vision einer besseren Zukunft", betont der Erzbischof laut einer Aussendung der Stiftung "Pro Oriente" in einem Schreiben an verschiedene Hilfsorganisationen. Die orientalischen Patriarchen und Bischöfe sollten mit Papst Benedikt XVI. bei seinem bevorstehenden Libanon-Besuch vom 14. bis 16. September "direkt und offen" über ihre Befürchtungen reden, dass das Christentum aus dem Nahen Osten - seiner Urheimat - verschwindet, so Sako.

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Unterdessen sind im Irak bei einer erneuten Anschlagserie am Wochenende mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Nachdem ein Gericht den flüchtigen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi zum Tode verurteilt hatte, detonierten in sechs Bezirken der Hauptstadt Bagdad Autobomben. Allein dabei wurden mehr als 50 Personen getötet. Bereits vor dem Urteil hatten mehrere Anschläge im ganzen Land zahlreiche Tote gefordert.

Die Auswanderungsbewegung der Christen aus dem Nahen Osten gehe unvermindert weiter, warnt Erzbischof Sako. Es gebe zwar politische Diskussionen über Demokratie und Freiheit, tatsächlich würden aber Extremismus und Sektierertum zunehmen. Als Konsequenz sähen viele Christen keinen anderen Ausweg als die Emigration. Sako: "Der Aufstieg des politischen Islam ist ein Grund zur Sorge. Wir Christen sind eine Minderheit und es gibt keine Aussicht, dass wir in der konkreten Realität des Alltags gleiche Bürgerrechte erringen können."

Wie der chaldäische Erzbischof betont, unternehme er in seiner Diözese Kirkuk sein Bestes, um die Christen zum Dableiben zu ermuntern, sie zu verteidigen und zu ermutigen. Er habe das Phänomen dadurch begrenzen können, aber nach wie vor würden sich auch viele Christen aus Kirkuk für die Emigration entschließen. Als Hirte leide er sehr darunter.

Auch im heutigen Irak basiere die Politik des Staates auf dem Islam, die Christen fühlten sich daher als Bürger zweiter Klasse. Zudem vermissten viele Christen im Nahen Osten eine starke kirchliche Führung. Sako: "Aus dem Inneren der Kirchen gibt es zu wenig Reformen und Dynamik. Die 'Gute Nachricht' sollte eine dynamische Dimension haben. Unsere Hierarchie ist müde geworden und es ist traurig, festzustellen, dass wir mitunter uneinig sind."

Erzbischof Sako plädiert für die Entwicklung einer "Theologie für die arabischsprachigen Christen". Diese Theologie müsse sich auf die kulturellen Traditionen des Nahen Ostens beziehen und auf die "konkrete Situation" der Gläubigen eingehen, die von der Notwendigkeit der Koexistenz mit der muslimischen Mehrheit gekennzeichnet sei. Es gehe darum, den arabischsprachigen Christen - und ihren nichtchristlichen Nachbarn - das Wort Gottes zu verkünden, damit sie "die Liebe Gottes und seine väterliche Gegenwart" entdecken können.

Erzbischof Sako wird auf der Jahrestagung der "Initiative christlicher Orient" am 24./25. September in Salzburg zu den Hauptreferenten gehören und über die Situation im Irak informieren.

Neue christliche Schule in Kirkuk

In seinem Bemühen, die Christen zum Bleiben zu veranlassen, hat Erzbischof Sako vor wenigen Tagen in seiner Bischofsstadt eine neue katholische Schule eröffnet. Die Marienschule in unmittelbarer Nachbarschaft der chaldäisch-katholischen Kathedrale ist die erste christliche Privatschule, die in Kirkuk seit der Verstaatlichung aller christlichen Schulen unter dem Saddam-Hussein-Regime errichtet werden konnte. Das Schulgeld an der von der Erzdiözese Kirkuk getragenen Schule ist nach den Einkommensverhältnissen der Eltern gestaffelt, die Armen können ihre Kinder gratis in die Marienschule schicken. Es gehe darum, dass junge Christen und Muslime gemeinsam lernen, die Prinzipien beider Religionen würden ihnen in "positiver, gerechter und ernsthafter Weise" nahegebracht, damit sie in "gegenseitigem Respekt und in Harmonie" miteinander leben können, so Erzbischof Sako.

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