10 September 2012, 10:00
Können Politiker in die Hölle kommen, Herr Kardinal?
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Meisner'
Der Kölner Kardinal Meisner äußerte sich im Interview über das „C“ im Namen der christdemokratischen Parteien, über die Sterbehilfe und über den Aufruf „Ökumene jetzt“

Köln (kath.net) „Hölle, das ist, wenn ein Mensch allen Ernstes sagen würde: 'Ich will von absolut niemandem geliebt sein!' Solch ein Entschluss ist uns als freien Menschen natürlich möglich, und Politiker sind Menschen. Aber ich hoffe, dass niemand sich so etwas wirklich wünscht.“ Dies sagte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meiser im Interview mit der „Bild“. Angesprochen auf das „C“ im Parteinamen von CDU und CSU wies er darauf hin, dass das „C“ ein Maßstab sei, „über den wir nicht verfügen, sondern an dem wir uns messen lassen müssen“. Denn „wer sich christlich nennt, geht damit eine Verpflichtung ein. Maßstab ist Christus – nicht der lockenköpfige Bubi, wie er auf süßlichen Bildern dargestellt ist, sondern der Sohn Gottes, der sich mit den Schwachen, Leidenden, Kleinen, Ungeborenen und Ausgegrenzten identifiziert“.

Werbung
romwallf


Zur Sterbehilfe bezog „Deutschlands mächtigster Kardinal“, wie ihn die „Bild“ nannte, klar Stellung: Sterbehilfe „bedeutet die bewusste und willentliche Tötung eines lebenden, wenn auch kranken Menschen. Das ist der Tiefpunkt einer Entwicklung, die in den letzten Jahren wie eine Wanderdüne einen Angriff nach dem anderen auf die Würde und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens geführt hat. Erinnern wir uns nur an die Tötung ungeborener Kinder oder das Aussortieren kranker Menschen im Mutterleib durch Präimplantationsdiagnostik.“

Nicht der Leidende solle beseitigt werden, sondern Angst und Leid. „Fachleute sagen mir: Viele Sterbenskranke verlieren den Wunsch zu sterben und auch ihre Angst, wenn sie von diesen Möglichkeiten guter Schmerztherapie erfahren. Christlich und human ist es, den Lebensweg so schmerz- und leidensfrei wie möglich bis zu seinem natürlichen Ende zu begleiten“. Nur eine solche Sterbebegleitung sei menschenwürdig, erläuterte Meisner der Bildzeitung weiter, doch sie koste „natürlich unsere Zeit und unsere Zuwendung“. „Als Bischöfe werden wir nicht schweigen und nicht müde werden, auf diesen schwerwiegenden Angriff auf die Menschenwürde hinzuweisen. Menschenwürde geht nur ganz oder gar nicht. Relativierungen führen letztlich in die Barbarei, wenn auch zunächst fast unbemerkt und in kleinen Schritten.“

Entgegen anderer Einschätzen sei man in der Ökumene „nie weiter als heute“ gewesen“, doch die Vorstellung, es bräuchte jetzt „gleichsam nur noch einen beherzten ‚Ruck‘ der Kirchen aufeinander zu, und die Einheit sei bereits erreicht und müsse nur noch vollzogen werden“, nannte Meisner einen „Irrtum“ und einen „Irrglauben“. Zum einen gehörten zur Ökumene die Orthodoxen und die Freikirchen, nicht nur die evangelische Kirche und nicht nur in Deutschland. Und wir sind als katholische Kirche eine Weltkirche mit 1,3 Milliarden Mitgliedern. Letzte ökumenische Entscheidungen können nicht in Deutschland fallen“, auch wenn der Appell „Ökumene jetzt“ diesen Eindruck erwecken könne. Zum anderen habe sich ja auch so mancher „gewichtige ökumenische konfessionelle Gegensatz“ „sogar verstärkt“, „ganz besonders auf dem Gebiet der christlichen Ethik“. Grundsätzlich helfe „in konfessionellen Dingen“ „nur Ehrlichkeit, keine unausgegorenen Kompromisse“.






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Freiburg: Romkritische Priestergruppe will Reformen vorantreiben (46)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Der Exorzismus des Papstes (39)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (30)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (25)

Missbrauchsvorwürfe gegenüber Gründer der Johannesgemeinschaft (20)

Klerikalismus: Die Versuchung des Geldes und der Eitelkeit (18)

‚Auch der Tango gefällt mir‘ (18)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (17)