10 September 2012, 12:00
Kardinal Koch: 'Ein großes Zeichen der Hoffnung'
 
Hildegard13
 
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Kurienkardinal Koch zu Libanon-Reise und Fragen der Ökumene - Ökumene: Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, deshalb kann die Kirchenspaltung nicht allein in Deutschland überwinden werden. Von Johannes Schidelko (KNA)

Rom (kath.net/KNA) Am Freitag unternimmt Papst Benedikt XVI. einen dreitägigen Pastoralbesuch in den Libanon. In Beirut veröffentlicht er das Schlussdokument der Nahost-Synode von 2010. Begleitet wird das Kirchenoberhaupt bei seiner 24. Auslandsreise vom Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch (Foto), dem Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) äußert sich Koch zu der Reise sowie zu aktuellen Fragen der Ökumene.

KNA: Herr Kardinal, Sie begleiten den Papst in den Libanon. Was erwarten Sie von dem Besuch?

Kardinal Koch:
Primärer Anlass ist die Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens zur Nahost-Synode 2010. Es wird eine Art Pastoralplan für die Kirche im Nahen Osten sein. Weiter hat die Reise eine wichtige ökumenische, interreligiöse und gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Ich sehe sie als ein großes Zeichen der Hoffnung.

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KNA: Was erwarten Sie konkret für die Ökumene?

Koch:
Dass der Papst zur Fortsetzung und Intensivierung der Ökumene ermutigt. Viele Probleme, die sich den Christen im Nahen Osten stellen, können von diesen nur gemeinsam gelöst werden. Der Libanon ist für ein solches Wort zur Ökumene in besonderer Weise geeignet, da sich hier eine enorme Vielfalt christlicher Glaubensgemeinschaften findet. Es gibt kein Land, das im Vergleich so viele Bischöfe hat wie der Libanon; denn die verschiedenen orientalisch-katholischen Kirchen, die römisch-katholische wie auch die orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen, haben jeweils ihre eigenen Leiter.

KNA: Der Libanon ist zugleich ein bireligiöser Staat. Welche Impulse erwarten Sie von der Reise und vom Synodentext für den Kontakt zum Islam sowie zum Judentum?

Koch:
Die Christen im Nahen Osten leben seit langer Zeit mit den Angehörigen anderer Religionen zusammen, mit den Juden in Israel und mit Muslimen in vielen anderen Ländern. Auch hier ist der Libanon der passende Ort für eine klare Aussage. Das Land wurde wegen seiner politischen und religiösen Vielfalt früher als die Schweiz im Nahen Osten bezeichnet. Freilich hat der Libanon auch eine schreckliche Geschichte des Bürgerkriegs hinter sich. Von daher drängt sich der interreligiöse Dialog erst recht auf.

KNA: Sehen Sie für dieses multikulturelle und multireligiöse Modell des Libanon in der arabischen Welt eine Zukunft?

Koch:
Ja, allerdings muss es neu überdacht werden. Dabei müssen wir auch versuchen, die Situation der Christen besser zu verstehen. Uns irritiert ihre Nähe zum Regime, in Ägypten wie in Syrien. Aber dahinter steht die große Angst, nachher könnte es viel schlimmer werden. Das gilt es mitzubedenken.

KNA: Der Papst besucht zum vierten Mal die Krisenregion Nahost. Was erwarten Sie zum Thema Frieden und Aussöhnung?

Koch:
Viele Menschen erwarten von der Nahost-Reise eine klare Botschaft, ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens. Der Papst ist zwar keine politische Gestalt; er wird keine konkreten politischen Lösungen vorbringen. Aber es wird sicher einen Appell für mehr Gemeinsamkeit und für eine gemeinsame Zukunft der Menschen in dieser Region geben. Und eine Absage an jeden Krieg.

KNA: Schon die Nahost-Synode 2010 hat gezeigt, wie groß in der Region die Gefahr einer politischen Vereinnahmung ist. Ist die auch für die Reise zu befürchten?

Koch:
Diese Gefahr ist immer gegeben. Wer eine Aussage politisch instrumentalisieren will, wird dies tun, auch wenn die Aussage dazu nichts hergibt. Das hat man nicht in der Hand. Aber das ist kein Grund, darauf zu verzichten; denn sonst könnte der Papst überhaupt nicht reden. Man kann nur hoffen, dass die besonnenen Menschen seine Botschaft richtig verstehen.

KNA: Geht der Papst mit dem Besuch in die Krisenregion nicht ein hohes Sicherheitsrisiko ein?

Koch:
Es war der Wunsch verschiedener Synodenväter, der Papst möge zur Veröffentlichung des Schlussdokuments nach Damaskus und in den Libanon reisen. Das hat sich als nicht realistisch erwiesen. Auch muss man damit rechnen, dass der Syrien-Konflikt wie auch die israelisch-iranischen Spannungen noch stärker auf den Libanon überschwappen könnten. Aber der Papst will diese Reise unternehmen, um ein klares Zeichen zu setzen, dass Versöhnung und Frieden nötig sind. Und um den Bedrängten seine Nähe zu schenken.

KNA: Anlass der Synode wie der Reise war das Bemühen, den Christen in ihren Ursprungsländern eine Zukunft zu geben. Sehen Sie für die Christen dort eine Zukunft?

Koch:
Die Synode stand unter dem doppelten Wort «Gemeinschaft und Zeugnis». Dem Papst geht es vor allem darum, diese Gemeinschaft zu stärken, damit sie gemeinsam Zeugnis ablegen kann. Meiner Ansicht nach ist es absolut notwendig, dass die Christen in diesen Regionen bleiben und der Abwanderung widerstehen. Auch Muslime betonen heute, dem Nahen Osten würde etwas fehlen, wenn die Christen nicht mehr da wären. Wenn eine solche gemeinsame Sicht besteht, dass die Christen in den Ursprungsländern des Christentums präsent bleiben, dann muss man auch Wege finden, dies zu ermöglichen. Die Synode und die Papstreise sind dazu ganz wichtige Beiträge.

KNA: In Deutschland hat sich soeben eine Initiative «Ökumene jetzt» präsentiert. Wie bewerten Sie den Vorstoß?

Koch:
Zunächst bin ich sehr dankbar für die Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er ist ja zunächst der Ansprechpartner. Er begrüßt es und ist froh, dass viele Christen mit der heutigen Situation nicht zufrieden sind und sich mehr Engagement in der Ökumene wünschen. Es ist zudem verständlich, dass Politiker die Ursachen der Kirchenspaltung vor allem politisch sehen. Dabei unterschätzen sie meiner Ansicht nach jedoch die theologischen Faktoren, die zur Kirchenspaltung geführt haben - sowie die theologischen Faktoren, die aus der politischen Konstellation nach der Spaltung provoziert worden sind. Mit Erzbischof Zollitsch bin ich der Überzeugung, dass hier noch viel theologische Arbeit ansteht.

Die zweite Schwierigkeit ist, dass die Initiatoren nur die katholische und evangelische Kirche im Blick haben. Aber die Ökumene ist auch in Deutschland heute bedeutend vielfältiger; man muss daher diese gesamte Ökumene einbeziehen. Zudem kann man das Problem der Kirchenspaltung nicht in Deutschland allein lösen. Dies ist eine zu enge, allein national orientierte Sicht. Man muss berücksichtigen, dass im Unterschied zur evangelischen Kirche in Deutschland die katholische Kirche eine Weltkirche ist - und man deshalb die Kirchenspaltung nicht allein in Deutschland überwinden kann.

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