
Zürich (kath.net)
Bischof Markus Büchel (Foto), der neue Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, verteidigt die umstrittene Kirchenfinanzierung in der Schweiz, bei der unter anderem sogar Unternehmen (!) Kirchensteuer zahlen müssen. In einem Interview mit der „Neue Züricher Zeitung“ meinte Büchel, dass er es bedauern würde, wenn diese Steuern wegfallen würden. Als Begründung meinte er wörtlich: "Auch Firmen sind ein Teil der Gesellschaft. In vielen Kantonen ist der Zweck, wofür die Kirchensteuern von Unternehmen benutzt werden dürfen, klar eingegrenzt. In St. Gallen setzt der Kanton diese Gelder vor allem für Gebäudeunterhalt ein. Damit werden kleine Gemeinden steuerlich entlastet. Fallen die Kirchensteuern von Unternehmen weg, müsste der Staat einspringen." Auf die Frage, warum ein Staat das überhaupt machen sollte und beispielsweise ein muslimischer Unternehmer den Unterhalt christlicher Kirchen finanzieren solle, erklärte der Kirchenmann dann: "Die Kirchen leisten vieles, was der Gesellschaft als Ganzem zugutekommt. Die Pflege des Ortsbildes durch die Erhaltung von Baudenkmälern ist durchaus im Interesse jedes Einwohners jedes Dorfes, jeder Stadt. Was noch wichtiger ist, ist der Beitrag der Kirchen zum sozialen Zusammenhalt unseres Landes, indem sie sich für eine gute Werteordnung, sozialen Ausgleich und Schutz der Schwachen tatkräftig einsetzen. Ausserdem sind zahlreiche Angebote der Kirchen offen für alle Glaubensbekenntnisse."
Das Urteil des Bundesgerichts zur Möglichkeit eines Teilaustritts aus der katholischen Kirche wird vom Bischof von St. Gallen kritisch gesehen. Er wolle keine Parallelstruktur in der Schweiz. Keine klare Aussage gibt es von Büchel bei der Frage nach der umstrittenen Laienpredigt oder der Eucharistie für Wiederverheiratete. Büchel meinte dazu zwar, dass man bei diesen Fragen im Einklang mit der Lehre der Kirche sein müsse. Dann erklärt er: "Es gibt allerdings ein Spannungsfeld, wie diese in der pastoralen Praxis umgesetzt werden sollen. Unter den Bistümern gibt es grundsätzliche Unterschiede, wie sich die Kirche den Entwicklungen der Gesellschaft stellen soll: ob man die zunehmende Säkularisierung grundsätzlich negativ beurteilt und einen Kurs der Strenge einschlägt; oder ob man diese gesellschaftlichen Entwicklungen neutral als gegeben betrachtet und dann ganz pragmatisch schaut, wie man als Kirche das Beste daraus machen kann."
Auf die Frage, ob Gefahr bestehe, dass die katholische Kirche auseinanderbricht, meinte Büchel dann: "Ich habe manchmal Angst vor einer Spaltung. Mich stört nicht, dass sich dogmatisch-fundamentalistisch denkende Kreise einbringen. Schwierig wird es, wenn es nicht zu einem Dialog kommt und sie beurteilen, wer katholisch ist und wer nicht."
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Foto Bischof Büchel: (c) Schweizer Bischofskonferenz
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