
Berlin (kath.net/KNA) Der wegen schweren Aktendiebstahls angeklagte Butler des Papstes war nicht Teil innervatikanischer Verschwörungen. Diese Meinung vertrat der italienische Journalist und Buchautor Gianluigi Nuzzi am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. «Meine Quelle hatte kein anderes Motiv, als Transparenz über einige Vorgänge im Vatikan zu schaffen», sagte Nuzzi. Er betonte, er habe seinen Informanten kein Geld gezahlt. Diese hätten jedoch stets erkennen lassen, dass sie unter der «Spannung zwischen der Scheinheiligkeit der Institution, der sie dienten, und ihrem katholischen Glauben litten».
Nuzzis Buch «Sua Santita», in dem er Briefe und Akten aus der unmittelbaren Umgebung des Papstes veröffentlichte, sorgte in den vergangenen Monaten weltweit für Schlagzeilen. Der mutmaßliche Hauptinformant des Journalisten, der päpstliche Kammerdiener, steht im Vatikan wegen schweren Diebstahls unter Anklage.
Eine deutsche Version unter dem Titel «Seine Heiligkeit» stellte Nuzzi am Montag in Berlin vor. Darin sind auch einige bislang nicht veröffentlichte Dokumente enthalten, die Deutschland betreffen. Aus einem der Dokumente geht hervor, dass der Vatikan die deutschen Bischöfe gedrängt hat, in der «Weltbild-Affäre» rasch und entschlossen zu intervenieren. Auch eine Notiz von Papstsekretär Georg Gänswein zu dem Vorgang ist in dem Buch enthalten, in der er schreibt: «Sofortige Intervention notwendig».
Gianluigi Nuzzi hat am Montag in einem Interview mit der “Frankfurter Rundschau” noch mehr über die Hintergründe zur Weltbild-Affäre mitgeteilt. Auf die Frage, was die vorliegenden Dokumente über das Verhältnis zwischen dem deutschen Papst und Deutschland aussagen, meinte Nuzzi wörtlich:
“Die ganze Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson hat den Papst schon sehr irritiert. Es gab Reibereien mit dem Apostolischen Nuntius, und es gab eigentlich die Erwartung, dass sich die deutschen Kardinäle eindeutig gegen die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel am Papst positionieren sollten. Aber wie ist die Sache ausgegangen? Sie ist genauso im Sande verlaufen wie der Versuch des Papstes, beim Weltbild-Verlag aufzuräumen, der bekanntlich auch erotische Buchtitel im Angebot hatte. Jetzt sollen die Anteile der Bistümer an Weltbild wohl in eine Stiftung unter kirchlicher Kontrolle überführt werden. Das ist doch nicht die Lösung, wie sie der Papst nach Auskunft der von mir veröffentlichten Dokumente angestrebt hat! Das ist allenfalls – um im Bereich der Erotik zu bleiben – ein Feigenblatt”.
Mit Material der KNA - (C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
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