31 August 2012, 11:00
Gewinnen konnte diesmal nur 'Titanic'
 
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Egal, ob der Heilige Stuhl die Klage gewonnen oder verloren hätte, die Satiriker wären „als Helden aus Hamburg heimgekehrt“. Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

Bonn (kath.net/KNA) Die Mitteilung war lakonisch knapp wie fast alle Presseerklärungen aus dem Vatikan. «Nach eingehenden Beratungen ist der Heilige Stuhl zur Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic Verlag zu veranlassen. Zugleich werden weitere rechtliche Maßnahmen geprüft, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen.»

Zu finden war die Ankündigung am Donnerstagnachmittag auf der offiziellen Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz, am Tag vor dem geplanten Beginn des Prozesses des Heiligen Stuhls gegen das Satiremagazin wegen einer verunglimpfenden Darstellung des Papstes. Wer beraten hat und aus welchen Gründen die Rücknahme der Klage entschieden wurde, teilte zunächst weder die Bischofskonferenz noch der Heilige Stuhl mit. Doch hatten Insider schon länger darüber spekuliert, wie lange es wohl noch dauern würde, bis sich in Rom und in Bonn die Ansicht durchsetzt, dass es klüger wäre, nicht gegen das Satiremagazin zu klagen.

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Als dann in dieser Woche die «Titanic»-Macher die Tage vor dem Prozess in Hamburg zu einem ebenso clownesken wie werbewirksamen Medienspektakel für sich nutzten, reifte offenbar in Rom die Entscheidung, die Reißleine zu ziehen. Einige Medienexperten hatten von Anfang an gewarnt, dass der Heilige Stuhl sich mit der Klage in das genaue Gegenteil einer Win-Win-Situation hinein manövrieren würde. Gewinnen, so ihr Argument, konnte immer nur die «Titanic": Gäbe das Gericht den Satiremachern recht, wäre das ein triumphaler juristischer Erfolg eines Zwergs gegen den übermächtigen Goliath in Rom. Wenn aber «Titanic» verlöre, geriete der Vatikan in die unvorteilhafte Position einer mächtigen Institution, die - ähnlich wie Putin gegen die Punkerinnen in Moskau - per Gerichtsurteil Zensur durchsetzt. Wiederum wären die Frankfurter Satiriker als Helden aus Hamburg heimgekehrt.

Um dem möglichen Vorwurf der Zensur und der Unterdrückung von Kunstfreiheit auszuweichen, hatte die vom Heiligen Stuhl beauftragte Bonner Rechtsanwaltskanzlei nicht wegen Blasphemie oder Verletzung religiöser Gefühle geklagt. Stattdessen zielte sie auf die Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Papstes, der vom Satiremagazin in demütigender Weise als inkontinenter Greis karikiert worden war. Dass aber auch diese an sich plausible und juristisch durchaus Erfolg versprechende Klage, die inhaltlich auch bei manchen Kirchenfernen Zustimmung fand, «politisch» scheitern musste, hängt mit der Doppelnatur des Papstes zusammen.

Wie jeder Monarch und jedes Staatsoberhaupt hat auch der Papst «zwei Körper», die sich, solange er lebt, nie ganz trennen lassen. Neben Joseph Ratzinger als Privatperson, der als alter Mensch ein Recht hat, nicht in entwürdigender Weise durch den Kakao gezogen zu werden, steht - untrennbar verbunden - der Papst als Amtsperson. Sobald die Privatperson Klage erhebt, klagt auch der Papst und mithin der Heilige Stuhl. Und Letzterer war es denn auch, der die Anwälte mit der Klage beauftragt hat. Die bittere Erkenntnis des nun abgebrochenen Verfahrens «Heiliger Stuhl gegen Titanic Verlag» ist also nicht, dass Christen oder «die Kirche» in Deutschland keinen rechtlichen Schutz vor beleidigenden Attacken erhalten. Vielmehr zeigen die Vorgänge erneut, dass ein Staatsoberhaupt seine Persönlichkeitsrechte gegen die Freiheit von Kunst und Satire trotz aller rechtlichen Garantien im Endeffekt nicht so einfach verteidigen kann, wie dies für andere Bürger möglich ist.

Das ist die Kehrseite der herausgehobenen Stellung. Wenn man nun in Rom «weitere rechtliche Maßnahmen» prüfen will, um «Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen», lässt das allerdings weiterhin Raum für Spekulationen.

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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