29 August 2012, 13:41
Notbetten statt Nachdenken
 
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Die Katholische Akademie Bayern war Herberge für rund 250 Anlieger, die wegen der kontrollierten Bombenexplosion in München ihre Häuser verließen. Von Christian Wölfel (KNA)

München (kath.net/KNA) Verkohlte Strohreste liegen im Eingangsbereich der Katholischen Akademie in Bayern. Über die Häuser hinweg, mehr als hundert Meter weit, muss es sie bei der Sprengung der Fliegerbombe am Dienstagabend im Münchner Stadtteil Schwabing geschleudert haben. Das Stroh sollte die Wucht der Detonation dämpfen.

Florian Schuller steht im großen Tagungssaal der Akademie und spricht mit den Menschen auf den Notbetten. Ein paar sitzen vor einem kleinen Fernseher und verfolgen die Berichterstattung über jenes Ereignis, dass ihnen die mittlerweile zweite Nacht in der Notunterkunft beschert.

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Am Montagnachmittag hatte die Polizei den Akademiedirektor um Hilfe gebeten. Das Haus an der Mandlstraße solle Herberge für jene Anlieger werden, die nach dem Bombenfund in der Feilitzschstraße ihre Häuser verlassen mussten.

Etwa 250 Personen fanden in dem katholischen Bildungshaus Unterschlupf. «Überraschend gelassen und sehr ruhig», so beschreibt Schuller die Stimmung unter seinen Gästen.

Lediglich jene, die die Polizei bei der Erweiterung der Schutzzone auf einen Kilometer noch in die Akademie zwang - niemand durfte sich ab Dienstag, 17 Uhr, mehr im Freien aufhalten - seien etwas aufbrausend gewesen.

Um 21.55 Uhr erzitterten dann die Wände des großen Areals in Schwabing. Die Bombe wurde kontrolliert gesprengt, nachdem ein letzter Versuch der Entschärfung durch Experten fehlgeschlagen war.

«Etwas leiser als gedacht» sei die Sprengung in unmittelbarer Nähe der Akademie gewesen, berichtet Schuller kurz nach 23 Uhr. In seinem Büro habe er den Moment mitverfolgt. Kurz danach versuchten die meisten seiner Gäste, nach ihren Häusern zu schauen. Wirklich rankommen konnten sie zunächst nicht.

«Auf eigene Verantwortung» könne sie in ihr Haus gehen, berichtet eine Frau dem Akademie-Direktor. Doch sie wolle nun erst einmal abwarten. Vor allem um ihre Katzen mache sie sich Sorgen, sagt die Dame. Diese seien allein im Haus. Trotzdem richtet sie sich auf eine weitere Nacht auf den Notbetten im großen Tagungssaal ein. Dort also, wo sonst Menschen wie Angela Merkel, Wolfgang Schäuble oder Helmut Kohl sprechen.

Eine Frau im Rollstuhl will gerade mit ihrem Hund in den Akademie-Garten gehen. Sie ist sichtlich nervös: Es ist noch unklar, wie schwer ihr Haus in unmittelbarer Nähe der Sprengung beschädigt ist. Schuller versucht sie zu beruhigen.

Später berichtet er, die Akademie selbst samt Barockschlösschen Suresnes sei unbeschädigt. Der technische Leiter des Hauses, Christian Sachs, habe bereits die Gebäude inspiziert. Lediglich eine Scheibe im Atrium sei um bis zu zehn Zentimeter verschoben. Fachleute sollen sie in den kommenden Tagen untersuchen.

Auch die Wohnungen der eigenen Mitarbeiter - der technische Leiter selbst sowie der Koch der Akademie, Gerhard Schlierf, waren von der Evakuierung betroffen - seien nach seinen Informationen heil geblieben, erklärt Schuller. Schlierf habe schon am Montagabend aus seinem unfreiwilligen Auszug von zu Hause das Beste für alle Beteiligten gemacht und für die Gestrandeten eine Gulaschsuppe zubereitet.

Mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht in der Akademie. Ein paar Dutzend Menschen samt Haustieren sind noch da. Wie viele eine zweite Nacht im Bildungshaus verbringen werden, weiß Schuller zu diesem Zeitpunkt noch nicht. «Wir haben für das Frühstück 200 Semmeln geordert.» Acht Übernachtungsgäste werden es letztlich sein, darunter eine Stewardess, die am Dienstag aus Boston zurückkam. In ihre Wohnung kann sie bisher nicht - das Treppenhaus ist durch die Explosion zerstört.

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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