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Haben wir eine Kultur des Essens?

30. August 2012 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Man muss in der Familie auch eine Kultur des Essens entwickeln, sodass sich jeder freut. Die Liebe geht durch den Magen. Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch


Illschwang (kath.net)
B - 22. Sonntag im Jahreskreis. 1. Lesung: Dtn 4, 1-2.6-8; 2. Lesung: Jak 1, 17-18.21b-22.27; Evangelium: Mk 7,1-8.14-15.21-23: * 2.9.2012
Vielleicht belächeln wir die Problematik der Pharisäer, die Anstoß an den Jüngern nehmen und Jesus fragen: "Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?" (Mk 7, 5). Es gehört heute zu den einfachsten Anstandsregeln, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht. Zu Recht weisen die Pharisäer auf ihre Gewohnheit hin: "Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln" (Mk 7, 3.4).

Dennoch weist Jesus die Pharisäer zurecht und nimmt diese Gelegenheit zum Anlass, auf die innere Einstellung des Menschen hinzuweisen, wo es ihm vor allem ankommt: "Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein" (Mk 7, 21.22). Ich denke, dieser Vorwurf trifft auch die Situation unserer Zeit. Wir müssen unseren Blick nach innen richten und unser Herz prüfen.

Wir können uns fragen: Wie bereiten wir uns auf das Essen vor? Wohin ist unser Inneres ausgerichtet? Nur egoistisch auf die Einnahme der guten Speisen? Mit unreinen Händen im wörtlichen Sinn, essen wir nicht. Haben wir eine Kultur des Essens? Ist das Essen nur eine Nahrungsaufnahme wie bei den Tieren?

Essen - gesellschaftlicher Bezug

In einem amerikanischen Krankenhaus konnte aus Personalmangel das Essen nicht mehr an das Krankenbett gebracht werden. Die Leitung des Krankenhauses half dem ab: Der Kranke konnte durch Knopfdruck das beste Essen mit Hilfe der Technik an sein Bett kommen lassen. Der Versuch musste jedoch abgebrochen werden, da der Heilungsprozess der Kranken gewaltig nachließ. Essen ist für den Menschen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern zum Essen gehört die menschliche Begegnung. - Sicherlich haben Sie schöne Erinnerungen an ein festliches Essen: der Duft der Speisen, das gemütliche Zusammensein, das nette Gespräch mit einem Menschen, die ganze Atmosphäre. Ein schön hergerichtetes Essen trägt wesentlich zu einem guten Familienklima bei. Nehmen Sie sich wenigstens am Sonntag Zeit mit der ganzen Familie gemeinsam zu speisen. Man muss in der Familie auch eine Kultur des Essens entwickeln, sodass sich jeder freut. Die Liebe geht durch den Magen. Sparsamkeit oder Geiz bei einem Familienessen lässt keine Gelassenheit und Freude hochkommen.


Essen - Bezug zu Gott

Bei Tisch sollte sich auch unser Glaube zeigen. Wir scheuen uns, unseren Glauben zur Schau zu stellen! Sollte sich aber nicht gerade bei Tisch unser Glaube als ein lebendiger Glaube verwirklichen? Über den gesellschaftlichen Bezug hinaus hat das Essen vor allem einen Bezug zu Gott als dem Schöpfer der Dinge. Dankbarkeit im zwischenmenschlichen Bereich findet man heute kaum noch; viel weniger sind wir bereit, Gott zu danken. Betrachten wir dagegen die Anhänglichkeit des Hundes und anderer Tiere, die Dankbarkeit denen zeigen, die ihnen zu fressen geben. Im Tischgebet kann unsere Dankbarkeit Gott gegenüber seinen Ausdruck finden. Ich wünsche Ihnen ein gutes, schönes Essen; Sie brauchen dabei kein schlechtes Gewissen haben. Aber: Sie müssen dankbar sein. Im 1. Timotheusbrief lesen wir: „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird; es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch das Gebet (1 Tim 4,4).

Wir sollten unsere Dankbarkeit auch dem Partner oder der Köchin zum Ausdruck bringen, dass der Tisch schön hergerichtet ist und das Essen gut geschmeckt hat. Vielfach wartet der Partner/in auf so kleine Zeichen der Anerkennung, der Liebe. Gerade wo Menschen eng zusammenleben, werden diese kleinen Aufmerksamkeiten der Liebe vergessen. Jeder einzelne muss sich fragen, wann habe ich meinen Partner für das Essen gelobt? Neben der Dankbarkeit dem Menschen gegenüber sollen wir Gott dankbar sein und auch beten.

Wie soll das Tischgebet verrichtet werden?

Es soll kurz sein. Ein zu langes Tischgebet ruft gern Missmut hervor, wenngleich bisweilen in einem bestimmten Anliegen ein zusätzliches Gebet gesprochen werden kann, da bei Tisch oft die einzige Gelegenheit zu einem gemeinsamen Gebet gegeben ist. - Beim VATER UNSER beten wir: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Wir alle sind sündige Menschen. Beim gemeinsamen Essen sollen wir Trennwände einreißen. Nach dem VATER UNSER soll der Segen gesprochen werden. Wir alle haben teil am Priestertum Christi und können und dürfen deswegen segnen: die Speisen, das Brot, die Kinder, den Ehepartner. - Das Gebet vor dem Essen kann so lauten: „Herr, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner Güte und der Güte von ..N.N. empfangen, durch Christus unseren Herrn“.

Das gemeinsame Mahl soll uns an das Paschamahl des Herrn erinnern und auch an unser Ziel: "Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf" (Lk 14,15). "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete... Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig" (Mt 22, 2 ff). Sind wir innerlich darauf vorbereitet? - Manche Menschen leben nur von der Nahrung, die sie mit dem Mund aufnehmen! Wenn ein Mensch in der Wüste tagelang ohne Nahrung und Wasser umherirrt, dann ist er abgemagert, dehydriert. So laufen viele Menschen heute auch herum: geistig abgemagert und dehydriert. Christus gibt zu bedenken: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). Wir brauchen vor allem diese geistige Beziehung zu Gott. Suchen sie diese Verbindung mit Gott im Gebet: diese Sehnsucht nach Gott.
Das Tischgebet hat scheinbar in deutschen Familien Seltenheitswert. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Apothekenmagazins „Baby und Familie“ (Baierbrunn bei München). Nur acht Prozent der Deutschen gaben an, vor dem Essen mit der Familie ein Gebet zu sprechen.

Wer betet, der glaubt.
Wer glaubt der betet.
Glaubenserneuerung durch die täglichen Gebete
(zum Lesen und Anhören. Siehe Homepage: www.pater-bernhard.de)
Wer gibt den Kindern noch den Glauben weiter, wenn wir es nicht tun?

Tischgebete:
Vor dem Essen:
Vorbeter (Priester, Vater oder Mutter): Lasset uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat: A: Vater unser ...
V: Herr, segne uns und diese Deine Gaben, die wir von Deiner Güte (Hier kann und soll man die Köchin, oder wer mitgeholfen hat, nennen) nun empfangen werden. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.

(Die folgenden Texte habe ich mit Lehrlingen erarbeitet)
Nach dem Essen:
(So Mittag) Lasset uns beten: Ewiger Vater, wir danken Dir, dass Du uns gespeist hast. Gib den Menschen in der Dritten Welt das, was Menschen im Wohlstand sinnlos wegwerfen. — Ehre sei dem Vater ... A: Wie es war ...

(So Abend) Lasset uns beten: Gütiger Vater, gib allen Menschen, die uns diese Speisen bereitet und gereicht haben Deinen Segen. Schenke uns die Einsicht, dass wir nicht nur eine Stärkung für den Leib brauchen, sondern dass wir durch Werke der Liebe den Weg zu unserem ewigen Leben ebnen. — Ehre sei

(Mo Mittag) Lasset uns beten: Ewiger Vater, du hast uns wieder beim Mahl zusammengeführt. Viele Menschen haben zusammengewirkt, damit wir ein Essen auf dem Tisch haben. Wir bitten Dich, führe uns zu einer Gemeinschaft zusammen, in der sich jeder geborgen fühlt. — Ehre sei ...

(Mo Abend) Lasset uns beten: Allmächtiger Vater, der Mensch lebt nicht allein vom Brot, sondern auch von Deinem Wort. Schenke allen Menschen mit dem Brot für den Leib auch Deine Botschaft, die Dein Sohn uns verkündet hat.— Ehre...

(Di Mittag) Lasset uns beten: O Gott, wir danken Dir, dass Du uns gespeist hast. Segne uns, damit wir die erhaltenen Kräfte richtig anwenden. — Ehre sei ...

(Di Abend) Lasset uns beten: O Gott, Du willst nicht, dass wir nur die Nahrung nehmen, sondern uns auch brüderlich versammeln. Laß unser Sinnen vereint bleiben, auch wenn wir den Tisch verlassen. — Ehre sei ...

(Mi Mittag) Lasset uns beten: Herr Jesus Christus, es ist nicht selbstverständlich, dass wir vor einen gedeckten Tisch treten können. Wir danken Dir für dieses Mahl, das uns wieder gestärkt hat, damit wir weiterhin unsere Arbeit verrichten können. Lass uns aber nicht vergessen, dass heute viele Menschen nichts zu essen gehabt haben. — Ehre sei ...

(Mi Abend) Lasset uns beten: Du guter und hilfreicher Gott: Du hast uns mit Gaben reich gesättigt; wir bitten Dich, öffne unsere Augen und unser Herz, daß wir die Not unseres Nächsten nicht übersehen. — Ehre sei ...

(Do Mittag) Lasset uns beten: Vergilt in Güte allen, o Herr, die uns um Deines Namens willen Gutes getan haben, mit dem ewigen Leben. — Ehre sei ...

(Do Abend) Lasset uns beten: Gütiger Gott, Dein Sohn hat seinen Jüngern gedient und mit ihnen das wunderbare Abschiedsmahl gehalten. Wir bitten Dich, laß uns immer in seiner Gemeinschaft bleiben. Ehre sei ...

(Fr Mittag) Lasset uns beten: Wir danken Dir, allmächtiger Vater, daß Du unsern Leib mit den Gaben des Feldes gestärkt hast: Erfülle nun unser Herz mit Deiner Liebe. — Ehre sei ...

(Fr Abend) Lasset uns beten: Herr, ewiger Richter des Himmels und der Erde, du wirst uns einmal fragen, ob wir die Nackten bekleidet und die Hungrigen gespeist haben. Öffne unsere Herzen und unsere Hände, damit wir bereit werden, mit denen zu teilen, die hungern. - Ehre sei...

(Sa Mittag) Lasset uns beten: Herr, unser Gott, wir dürfen Dich Vater nennen. Du hast uns alle zu einer echten Gemeinschaft zusammengeführt. Tilge Du die Fehler unserer Gemeinschaft und gib uns die Kraft des Verzeihens. — Ehre sei ...

(Sa Abend) Lasset uns beten: Herr Jesus Christus, Du hast als Zeichen der Versöhnung mit den Zöllnern und Sündern gegessen. Wir bitten Dich, schenke auch uns Anteil am ewigen Gastmahl mit Dir. - Ehre sei...

www.pater-bernhard.de


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