29 August 2012, 10:24
Schriftsteller Walser: ‚Gott ist nicht tot, er fehlt’
 
Hildegard13
 
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„Wenn ich von einem Atheisten höre, dass es Gott nicht gebe, fällt mir ein: Aber er fehlt. Mir.“ Martin Walser diskutierte bei "Luzern Festival" mit Kardinal Kurt Koch und der Wiener evangelischer Theologin Susanne Heine

Luzern (kath.net/KAP) "Gott ist nicht tot, er fehlt": Mit dieser Aussage hat der deutsche Schriftsteller Martin Walser bei einer Podiumsdiskussion mit Kardinal Kurt Koch und der Wiener evangelischen Theologin Susanne Heine im Rahmen des "Luzern Festivals" am Sonntag aufhorchen lassen.

Walser berief sich dabei auf den Schweizer reformierten Theologen Karl Barth (1886-1968) und dessen Verweigerung gegen jede vorschnelle Identifikation innerweltlicher Vorgänge mit Gott.

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Barth habe - wie zuvor nur Augustinus - den unüberwindbaren Bruch zwischen Gott und Welt auf den Punkt gebracht. Der Glaube, so zitierte Walser Barth, sei "für alle der gleiche Sprung ins Leere". Er sei "allen möglich, weil er allen gleich unmöglich ist". Zugleich wolle er sich damit gegen den Trend wehren, dass "Gott in den Laboratorien der Theologie zerbröselt" wird.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion empfahl Walser weiters, religiöse Texte wieder als Literatur zu lesen: "Religion und Literatur gehören wieder zusammen, wie sie es einmal waren."

Bereits im vergangenen November hatte Walser in einem viel beachteten Text in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sich mit Karl Barth auseinandergesetzt und konstatiert: "Wenn ich von einem Atheisten, und sei es von einem 'bekennenden', höre, dass es Gott nicht gebe, fällt mir ein: Aber er fehlt. Mir."

In der Podiumsdiskussion betonte auch die Wiener evangelische Theologin Susanne Heine den Unterschied zwischen Theologie und Glauben. Glaube könne nicht gelehrt oder gelernt werden. Er sei ein "Aha-Erlebnis", das aus der Erkenntnis der Ambivalenz des Menschseins entstehen könne. Entscheidend sei die Erfahrung der Glaubwürdigkeit in der konkreten Gemeinde. Formelhafte Glaubensaussagen hingegen helfen nicht weiter, so Heine in Richtung der katholischen Dogmatik.

Gegen eine Reduktion der Dogmatik auf das bloß Formelhafte wehrte sich erwartungsgemäß Kurienkardinal Kurt Koch. Auch für ihn ist Christsein aber nur in der Gemeinschaft und nicht im Alleingang möglich. Glaube ist für ihn zudem sekundär, nicht primär. Er sei die Antwort auf das Angesprochensein von Gott, das Primäre.

Auf die Kirche angesprochen und ihre Aufgabe, die christliche Botschaft weiterzugeben, sagte Kardinal Koch, es sei ein stetes Bemühen um Glaubwürdigkeit. Die Kirche könne dieser Forderung aber letztlich nicht gerecht werden, weil sie eine Überforderung sei: "Die Kirche ist nur der Mond, Christus ist die Sonne."

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Foto: © wikipedia/Elke Wetzig






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