28 August 2012, 12:29
‚Geduld, Geduld – was sind schon fünfzig Jahre?’
 
Hildegard13
 
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Der Kirchenhistoriker Kardinal Brandmüller zur Rezeption des Zweiten Vatikanums und zum Mangel an pastoralem Einfühlungsvermögen bei der Liturgiereform

Rom (kath.net) „Wir sollten doch einen etwas längeren Atem haben.“ Das sagte der Kirchenhistoriker Kardinal Walter Brandmüller auf den Hinweis, dass das Zweite Vatikanum im Kirchenvolk noch immer nicht ausreichend rezipiert sei. „Das ist eine typische Frage, die ganz dem neuartigen, hektischen Lebensgefühl unserer Zeit entspricht. Aber was sind denn schon fünfzig Jahre?!“ Der Kardinal äußerte sich gegenüber Vaticaninsider der italienischen Zeitung La Stampa.

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Brandmüller erinnerte an die Konzilien von Nicäa (325), Konstantinopel (381) und Trient (1546), nach deren Abschluss die Auseinandersetzungen jeweils noch Jahrzehnte andauerten. „Denken Sie doch einmal an das Konzil von Nicäa, das 325 stattgefunden hat. Die Auseinandersetzungen um das Dogma dieses Konzils – der Sohn ist gleichen Wesens mit dem Vater – dauerten länger als ein Jahrhundert. … Auch das Konzil von Trient hatte zu seinem fünfzigsten Jahrestag – 1596 – herzlich wenige Früchte gebracht. Erst musste eine neue Generation von Bischöfen und Priestern im „Geiste des Konzils“ heranwachsen, ehe dieses seine Wirkung entfalten konnte.“

Als Früchte des Konzils bezeichnete Brandmüller den „Katechismus der Katholischen Kirche“, so wie nach dem Tridentinum der Catechismus Romanus herausgegeben worden war, und den Kodex des kanonischen Rechts von 1983.

„Dass die nachkonziliare Liturgieform mit ihren Fehlentwicklungen und Umbrüchen nicht dem Konzil und seiner – nach wie vor noch nicht wirklich umgesetzten – Liturgiekonstitution anzulasten ist, sei ausdrücklich bemerkt. Die weithin erfolgte Entfernung des Latein und des Gregorianischen Chorals wie auch die nahezu flächendeckende Aufstellung von Volksaltären können sich keinesfalls auf Vorschriften des Konzils berufen.

Insbesondere sieht man im Rückblick deutlich, mit welchem Mangel an seelsorgerischem Einfühlungsvermögen, an pastoralem Hausverstand bei der Liturgiereform vorgegangen wurde. Man denke nur an die geradezu an den Bildersturm des achten Jahrhunderts erinnernden Exzesse in den Kirchen, die zahllose Gläubige heimatlos gemacht haben. Doch darüber ist längst alles gesagt.

Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Liturgie eine elementare Lebensäußerung der Kirche ist, die zwar der geschichtlichen organischen Entwicklung unterliegt, nicht aber, wie geschehen, per ordre de Mufti abrupt dekretiert werden kann. An den Folgen leiden wir noch heute.“

Foto: (c) kath.net/Lorleberg






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