26 August 2012, 09:48
Das Erbe von Albino Luciani im Jahr seines 100. Geburtstags
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Papst'
Am 26. August 1978 wurde der Patriarch von Venedig zum Papst Johannes Paul I. gewählt. Eine Erinnerung von Vincenzo Bertolone, Metropolitan-Erzbischof von Catanzaro-Squillace

Rom (kath.net/Osservatore Romano) Der Sommer von 1978 war für die katholische Kirche nicht irgendein Sommer. Denn am 6. August starb nach 15 Jahren Pontifikat Paul VI. Am 26. August, nach einem sehr kurzen Konklave – zwei Tage und vier Wahlgänge – wurde der Patriarch von Venedig, Albino Luciani, zum Papst gewählt und nahm den Namen Johannes Paul I. an.

»Papst des Lächelns«, »Demütiger Papst«, »Papst-Katechet«, »Pfarrer der Welt«, »Lächeln Gottes«, wurde er genannt. Am 17. Oktober 1978 wäre er 66 Jahre alt geworden. Aber diesen Geburtstag konnte er nicht mehr feiern, denn sein Pontifikat dauerte nur 33 Tage. Am Morgen des 28. September fand man den neuen Papst leblos in seinem Schlafzimmer.

Werbung
romwallf


Es ist uns ein Anliegen anläßlich seiner Wahl auf den Stuhl Petri an ihn zu erinnern. Am Tag nach der Wahl richtete der demütige und »letzte Diener der Diener Gottes« in der Sixtinischen Kapelle vor dem Altar unter dem Jüngsten Gericht von Michelangelo seine erste und einzige Botschaft über Rundfunk an die ganze Welt, »urbi et orbi«.

Vom »Gedanken an die ungeheure Last des Amtes« als Priester, Lehrer und Hirte noch ein wenig »bedrückt«, aber überzeugt von der »tröstenden und beherrschenden Gegenwart des Gottessohnes« in der Kirche, seine »Hand in Christi Hand gelegt und auf ihn gestützt«, den »Urheber des Heils und Ursprung der Einheit und des Friedens«, richtete Johannes Paul I. sein Wort an alle Menschen als Freunde und Brüder, die »nach Leben und Liebe dürsten«.

In seiner Ansprache weist der Papst auf sechs programmatische Punkte hin, die jeweils von dem entschiedenen und für die Sprache eines Papstes ungewöhnlichen Wort »Wir wollen« eingeleitet werden.

In diesem Programm fallen einige neuartige Impulse auf: Glaube und Kultur finden eine geglückte Synthese. Diese zugleich feierlichen und herzlichen Denkanstöße scheinen aus seinem unruhig schlagenden Herzen hervorgegangen zu sein.

Kurze Zeit später kommentierte er von der mittleren Loggia des Petersdoms aus mit bewegter, verwunderter Stimme und einem kindlichen Lächeln seine Wahl, wie es kein Papst zuvor getan hatte. Indem er das majestätische »Wir« fallen ließ, hob er die Entfernung auf, und indem er sich eine Haarsträhne über der Stirn zurechtstrich, begrub er den Gebrauch der Tiara.

Seine Art, Papst zu sein – demütig, einfach, kreativ und direkt –, begeisterte die Menge auf dem wunderbaren, von Bernini geschaffenen Platz sofort und rief auch im Apostolischen Palast große Zuneigung hervor.

All seine Texte sind geprägt von einer Spannung und zuweilen auch Dramatik, denn sie sind Ausdruck seiner Bemühung, Anknüpfungspunkte zur Kultur seiner Zeit zu finden und sich von den authentischen Quellen des geistlichen Lebens leiten zu lassen: von der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre, von der reichen geistlichen Tradition der Kirche, von einigen Vorbildern und Orientierungspunkten, darunter Gregor der Große, Karl Borromäus (von dem er das Bischofsmotto »Humilitas« übernommen hatte), Franz von Sales, Alphons Maria de Liguori, aber auch von Antonio Rosmini mit seinem Begriff der »intellektuellen caritas«, von Jacques Maritain und Paul VI. und insbesondere vom Zweiten Vatikanischen Konzil.

Allem verlieh er seine persönliche Note, dank eines schnellen, lebhaften Stils und einer leicht verständlichen Mitteilsamkeit, die sich vor allem auf eine einfache, nüchterne, wesentliche und mit Geschichten und Bildern angereicherte Ausdrucksweise stützte, wie er sie in der Familie gelernt hatte, und auch auf seinen bescheidenen Stil und die offene Anerkennung der menschlichen Grenzen, die auch seine eigene Person kennzeichneten.

In Erinnerung an die Wahl widmet die italienische Tagesausgabe des Osservatore Romano Albino Luciani zwei Seiten. Dort ist sein »Brief an Jesus« aus seinem Briefwechsel als Patriarch von Venedig abgedruckt, sowie die Erinnerung daran, wie Kardinal Luciani die Tage vor dem Konklave erlebte (aus dem Buch von Marco Roncalli, Giovanni Paolo I Albino Luciani, Edizioni San Paolo) und Auszüge aus dem für die Sonderausgabe vom 26. August 1978 verfaßten Leitartikel von Valerio Volpini, dem damaligen Direktor des »Osservatore Romano«.

kathTube-Kurzvideo: Vor 34 Jahren wurde Johannes Paul I. Papst - er war nur 33 Tage Papst (Rome Reports)




Kathpedia: Johannes Paul I.

Foto: kathpedia






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Ein Eklat im Theater und der Wiener Dompfarrer (51)

Freiburg: Romkritische Priestergruppe will Reformen vorantreiben (41)

Schönborn: Papstwahl war 'eine enorme Erfahrung des Heiligen Geistes' (41)

'Die Warnung' ist eine extrem gefährliche Falschprophetie (26)

Piraten-Partei will den Begriff 'Ehe' abschaffen (25)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (24)

Missbrauchsvorwürfe gegenüber Gründer der Johannesgemeinschaft (19)

Klerikalismus: Die Versuchung des Geldes und der Eitelkeit (18)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (16)

Vatikan: Theologen dürfen nicht nur 'äußerlich loyal' sein (16)