24 August 2012, 12:25
Jüdische Gemeinschaft in Deutschland aktuell unter 'enormem Druck'
 
Hildegard13
 
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Dieter Graumann, Präsident des „Zentralsrats der Juden in Deutschland“, beobachtet gefährliche Töne im Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte.

Berlin (kath.net/pl) „Jeder jüdische Mensch wird in seiner Umgebung, im Freundeskreis und in seinem Arbeitsleben mit Fragen und mit Anklagen bombardiert.“ Dies sagte Dieter Graumann (Foto), der Präsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“, der „Jüdischen Allgemeinen“ in einem Interview im Hinblick auf die aktuelle Beschneidungsdebatte. Er spricht davon, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland gerade „enormem Druck“ ausgesetzt sei. Mit seinem Urteil hatte das Kölner Landgericht erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Beschneidung von Jungen als strafbare Handlung gewertet. Aktuell läuft in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige gegen Rabbiner David Goldberg aus der oberfränkischen Stadt Hof.

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Er beobachte, dass es Menschen gebe, die „ihre antijüdischen und antimuslimischen Ressentiments im Rahmen dieser Debatte ausleben“ wollten, dies geschehe „sehr häufig im Internet. Wenn man bestimmte Blogs liest, kann einem wirklich schlecht werden. Dort tummeln sich die, die Beschneidung sagen und Antisemitismus und Muslimfeindschaft meinen. Das gibt es häufiger und schriller, als viele denken.“

In keinem anderen Land wie hier werde „von den geradezu besessenen Beschneidungsgegnern“ mit „dieser schneidenden Schärfe und schroffen Unerbittlichkeit argumentiert“, beobachtete Graumann. „Jene, die die Brit Mila befürworten oder praktizieren, werden rüde auf die Anklagebank gesetzt und lauthals kriminalisiert. Diese schroffe, besserwisserische und bevormundende Art sucht man vergeblich in allen anderen Ländern, wo ja zuweilen auch kritisch mit dem Thema umgegangen und diskutiert wird.“

Als Beispiele für diese Schroffheit führte Graumann mehrere Beispiele an, wie etwa den „Offenen Brief der 700 Wissenschaftler an Bundesregierung und Bundestag“, dieser sei „eine einzige Anklageschrift“, „eine Schmähschrift, welche die jüdische Gemeinschaft heute und alle Juden seit Jahrtausenden vor uns als notorische Kinderquäler diffamiert. Da wird von namhaften Medizinern und Juristen behauptet, wir übten ‚sexuelle Gewalt‘ gegen unsere Kinder aus. Man tue Kindern nicht weh, heißt es dort, und dieser Satz wird auch noch marktschreierisch mit einem groben Ausrufezeichen versehen“.

Auch eine überregionalen Tageszeitung, die er seit Jahren lese, führe „seit Wochen einen regelrechten journalistischen Kreuzzug gegen die Beschneidung“. Hier werde die Brit Mila immer wieder „gleichgesetzt mit Kindesmisshandlung und -missbrauch, mit Genitalverstümmelung von Mädchen, mit der Prügelstrafe und sogar Menschenopfer“.

Und „der Berliner Kurier hat am 17. Juli eine Karikatur veröffentlicht, auf der man einen alten, sehr krummnasigen Mann sieht, der gerade einem Jungen den ganzen Penis abgeschnitten hat und das blutverschmierte Messer noch in der Hand hält. Darunter steht eine witzig gemeinte, aber sehr plump daherkommende Bemerkung – eine Karikatur, die genausogut im ‚Stürmer‘ hätte erscheinen können. Hier wird Rassismus pur transportiert. Es ist sicher nicht so gemeint, doch so gemacht. Aber: So was kommt von so was.“

Am meisten erzürne ihn dabei, erläuterte Graumann, „dass uns immer unterstellt wird, wir würden unsere Kinder quälen oder misshandeln“. Dafür habe er überhaupt kein Verständnis. „Alle Menschen lieben ihre Kinder. Und wir Juden – vorsichtig gesagt – bestimmt nicht weniger als andere auch. Jüdische Mütter und Väter gehen für ihre Kinder durchs Feuer, sie haben das auch schon tun müssen. Uns nun zu unterstellen, wir würden ihnen mutwillig Schmerz, Schaden und Qualen zufügen, das ist einfach infam und verletzend.“

„Wir haben seit 4.000 Jahren Beschneidungen vorgenommen und werden das auch die nächsten 4.000 Jahre tun“, sagte Graumann der „Jüdischen Allgemeinen“. „Wir wissen alle, wie wichtig uns dieses religiöse Gebot ist. Wir werden es weitertragen, wie auch die 100 Generationen vor uns. Und ich habe keinerlei Zweifel, dass die Brit Mila in Deutschland legal ist und auch legal bleiben wird.“

Verbot von religiöser Beschneidung in Deutschland: Dr. Graumann/Zentralrat der Juden in Deutschland im ARD-Interview (Ende Juni)




Hebräisches Lied: Jüdischer Knabenchor singt ´Jerusalem´(Yerushalaim - Shira Chadasha Boys Choir)





Foto Dieter Graumann: (c) Zentralrat der Juden in Deutschland






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