24 August 2012, 12:00
New Yorker Kardinal Dolan bei Romneys Kür anwesend
 
Hildegard13
 
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Obama-Herausforderer Mitt Romney stellt sich im Streit um Religionsfreiheit klar auf katholische Seite

Washington (kath.net/KAP) Der Vorsitzende der Bischofskonferenz der USA (USCCB) und Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Dolan, wird an der offiziellen Nominierung des Mormonen Mitt Romney (siehe Foto) als Präsidentschaftskandidat teilnehmen. Dort werde der Kardinal auch das im Programm vorgesehene Gebet, die "Benediction", sprechen, wie Romney selbst in einem Interview des katholischen TV-Senders EWTN am Donnerstag ankündigte. Die viertägige Veranstaltung beginnt am Montag in Tampa/Florida.

Die Erzdiözese New York gehört zu den rund 40 katholischen Einrichtungen, die derzeit gerichtlich Klage gegen eine Verordnung der Gesundheitsreform von Präsident Obama führen. Dabei geht es um die Verpflichtung für Arbeitgeber, Beschäftigten kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln und Sterilisation zu gewähren. Die katholische Kirche ist gegen solche Methoden. Weil die Regelung auch Unternehmen in kirchlicher Trägerschaft betrifft, stellt dies laut der gerichtlichen Klage eine Einschränkung der Religionsfreiheit dar. Mitt Romney hat sich in dieser Frage im Interview mit EWTN sehr deutlich auf die Seite der katholischen Kirche gestellt und bezeichnete die Religionsfreiheit als Anliegen, das er "von ganzem Herzen" unterstütze. "Das ist eine Nation, wo unsere erste Freiheit das Recht ist, Gott so zu verehren, wie wir es wählen."

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Romneys Wahlkampf steht aktuell im Schatten einer von seinem republikanischem Parteigenossen Todd Akin ausgelösten Abtreibungsdiskussion.

Anfang August hatte Kardinal Dolan sowohl Romney als auch Obama zum traditionellen Alfred E. Smith Memorial Foundation Dinner am 18. Oktober eingeladen. Zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung haben Medienberichten zufolge beide Präsidentschaftskandidaten zugesagt.

Der Sprecher der Erzdiözese New York, Joseph Zwilling, betonte, Dolans Auftritt sei nicht als Unterstützung der Republikaner durch die katholische Kirche zu deuten. Der Kardinal sei für Einladungen beider Parteien offen. Im Präsidentschaftswahlkampf ist offizielle Linie der USCCB, weder einzelne Parteien oder Kandidaten zu unterstützen noch kirchliche Einrichtungen für Wahlkampfveranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Katholische Institutionen sind aber eingeladen, Fragen der Morallehre zu thematisieren und Gläubige zur Haltung der Kandidaten etwa in Fragen von Lebensschutz, Gerechtigkeit und Frieden zu informieren.

Persönliche Freundschaft mit Vize Ryan

Anfang August hatte Dolan in einem Radio-Interview seine Sympathie für den designierten Romney-Stellvertreter Paul Ryan bekundet. Ihn verbinde eine persönliche Freundschaft mit dem Katholiken Ryan und seiner Familie. "Ich bewundere ihn", so der Kardinal wörtlich. Er sei "aufrecht" und "erfrischend". Er stimme vielleicht nicht mit all seinen Positionen überein, sei aber "gespannt, ihn in Aktion zu erleben".

Ryan steht für einen restriktiven finanzpolitischen Kurs. Kritiker werfen ihm vor, einen "sozialen Kahlschlag" zu predigen. Dazu sagte Dolan, ein Sparprogramm sowie Steuererleichterungen würden zwar die sozial Schwachen zunächst belasten. Wo aber dem Staat die Finanzmittel für Wohlfahrtsleistungen fehlten, sei ein solches Sparkonzept nicht per se unchristlich. Denn unter ausufernden Defiziten leide niemand so sehr wie die Armen.

Romney wollte einen Wahlkampf führen, in dem er seinen persönlichen unternehmerischen Erfolg als Beleg für die Chance auf allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung präsentieren wollte. Mit Paul Ryan auf dem Ticket wollten die Republikaner den defizitären Staatshaushalt zum Thema machen, weil Amtsinhaber Barack Obama auf diesem Feld angreifbar ist.

Romney in Troubels wegen Todd Akin

Seit drei Tagen steht allerdings das Thema Abtreibung im Brennpunkt der politischen Diskussion Amerikas. Der Republikanischen Partei dürfte bis zum Beginn ihres Wahlkongresses am Montag in Tampa ein Wechsel der Agenda nicht gelingen.

Ausgelöst wurde die Debatte vom Kongressabgeordneten Todd Akin. Er kämpft in seinem Heimatstaat Missouri als Kandidat der konservativen "Tea Party" gegen die in Umfragen schwächelnde demokratische Senatorin Claire McCaskill um deren Sitz im Senat.

Akin hatte in einem Interview in seiner strikten Ablehnung jedweder Abtreibung auch Vergewaltigungsopfer eingeschlossen - und sich einen sprachlichen Fehltritt geleistet, als er von "legitimer Vergewaltigung" sprach. Akin war in dem Interview der von ihm, Ryan und anderen Republikanern in einem Gesetzentwurf eingebrachte Begriff "forced rape" - einer "wirklich gewalttätigen/erzwungenen Vergewaltigung" nicht eingefallen.

Diese sprachliche Verdoppelung und zugleich Relativierung deutet auf ein Grundprinzip in der Sprachregelung der Abtreibungsgegner hin. Neben einer brutalen Form der Vergewaltigung („forced rape“) gibt es nach dieser Einschätzung vermeintlich mildere Varianten: so zum Beispiel, wenn eine Frau vor dem Geschlechtsverkehr Alkohol getrunken hat und nicht allzu viel Widerstand leistet. Ihr steht dann nach Meinung der Initiatoren des Gesetzesentwurfs kein Anspruch auf Abtreibung zu.

Weitaus mehr Aufregung löste indes Akins medizinisch-physiologisch bizarre Behauptung aus, dass es allzu viele Schwangerschaften als Folge von Vergewaltigungen gar nicht gäbe, da "der weibliche Körper Möglichkeiten hat, die ganze Sache herunterzufahren". Akin ist Mitglied des Kongressausschusses für Wissenschaft.

Die Parteioberen, darunter auch Romney, legten Akin bisher vergeblich nahe, auf seine Senatskandidatur zu verzichten. Sie befürchten nicht nur, das schon sicher geglaubte Rennen in Missouri zu verlieren, sondern auch Wählerinnen und Wähler in der Mitte zu verprellen. Für Kommentatoren steht fest, dass Akin zwar verbal ungeschickt agiert hat, inhaltlich aber voll auf Parteilinie liegt.

Noch am Montag verabschiedete die Planungskommission des Parteitages eine "Plattform", die jedwede Abtreibung strikt ablehnt - auch nach Vergewaltigung, Inzest und bei Gefahr für das Leben der Mutter.

Romney hielt in seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts an der Bundesgesetzgebung aus den 1970er-Jahren fest, die Abtreibungen bei bestimmten Indikationen erlaubt. Im bisherigen Wahlkampf bemühte er sich, das Thema Abtreibung unter Verschluss zu halten.

Eine ausnahmslose Ablehnung von Abtreibung ist jedoch längst Teil des republikanischen Selbstverständnisses, das auch von Sarah Palin und Romneys Rivalen Rick Santorum propagiert wird. Lediglich der Präsidentschaftskandidat von 2008, John McCain, wollte Grenzfälle anerkennen. In der US-Bevölkerung findet laut einer Umfrage das Verbot von Abtreibungen auch bei Vergewaltigungsopfern bei 75 Prozent der Befragten keine Zustimmung.

Mormone

Mitt Romneys Ur-Ur-Großvater war ein frühes Gründungs- und Führungsmitglied der Mormonen ("Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage"). Seit 1969 ist Romney mit seiner Frau Ann verheiratet, sie haben fünf erwachsene Söhne. Bei den Mormonen ist Polygamie erlaubt und verbreitet.

Rund 14 Millionen Mormonen gibt es weltweit, überwiegend in den USA, ihre Taufe wird von der katholischen Kirche nicht anerkannt, wie die Glaubenskongregation in einer Erklärung vom 5. Juni 2001 festgehalten hat. Während für Katholiken die Taufe in nichtkatholischen Kirchen grundsätzlich gültig ist, sei das Verständnis dieses Sakraments in der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" zu unterschiedlich, hieß es damals in einem erläuternden Kommentar in der Vatikanzeitung Osservatore Romano. Die Begriffe Vater, Sohn und Heiliger Geist entsprächen nicht dem christlichen Verständnis von der Dreifaltigkeit.

„Synkretistische Neureligion“

Der Mormonismus geht auf Joseph Smith (1805-1844) zurück, der aufgrund von Visionen das „Buch Mormon“ niederschrieb, das als gleichberechtigte Glaubensgrundlage neben der Bibel gilt. Nach Angaben der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin) ist die Lehre der Religionsgemeinschaft „trotz vielfältiger Bezugnahmen auf Jesus Christus mit biblisch-christlicher Theologie nicht vereinbar“. Diese Gemeinschaft sei aus Sicht der ökumenischen Kirchen keine Kirche, aber auch keine Sekte, die sich von einer traditionellen Kirche abgespalten habe, sondern eine „synkretistische Neureligion“.

The World Over/EWTN: Mitt Romney EXCLUSIVE with Raymond Arroyo




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Foto: Mitt und Ann Romney (c) wikimedia






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