23 August 2012, 10:45
Das Kennzeichen einer christlichen Ehe: Christus ist der Mittelpunkt
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Ehe'
Zur Liebe gehört wesentlich: wer schenkt, der wird beschenkt, wer gibt, der empfängt. Die eheliche Liebe ist ein Geben und Empfangen. Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch

Illschwang (kath.net) B - 21. Sonntag im Jahreskreis, 1. Lesung: Jos 24, 1-2a.15-17.18b. 2. Lesung: Eph 5,21-32: Evangelium: Joh 6, 60-69 * 26.8.2012

Die Ehe befindet sich in einem tief greifenden Umbruch, der mit dem Beginn der Industrialisierung vor 100 Jahren begonnen hat: Der Mann musste außerhalb des Lebensbereiches der Familie das Brot verdienen mit der Folge, dass die Frau als Erzieherin der Kinder Aufgaben des Mannes übernahm. Verstärkt wurde dies im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die Männer waren im Krieg und die Frauen bekamen in der Heimat Aufgaben des Mannes zugewiesen: die Leitung des Bauernhofes; Gelderwerb und Schutz lagen also in den Händen der Frau. Die Frau trat ebenbürtig neben den Mann.

Mit der zunehmenden Demokratisierung im Staats- und Wirtschaftsleben treten Frauen mit einem hohen Bildungsniveau auf die Bühne von Politik und Wirtschaft.

Sehr viel beigetragen zur Hebung der Bildung der Frauen haben die Schulen der Ordensfrauen und sie haben dadurch nachhaltig das Bild der Frau im christlichen Kulturbereich verändert; dies wird heute viel zu wenig gesehen und geachtet.

In jüngster Zeit gaben das Erlernen und Ausüben eines Berufes mit eigenem Lohn und sozialer Absicherung der Frau die Möglichkeit, bei untragbaren Situationen das Band der Ehe leichter zu lösen, als in früheren Zeiten, wo die Frau nach einer Scheidung vor dem Nichts gestanden wäre.

Die Frau ist sich heute durchaus ihrer Stellung bewusst. Sie steht vielfach gleichberechtigt neben dem Mann und zwar nicht nur im öffentlichen Leben, sondern auch in der Ehe. Die bestimmende Stellung des Mannes ist beschnitten; die partnerschaftliche Ehe ist die neue Lebensform.

Werbung
romwallf


Die heutige Lesung mag auf diesem Hintergrund weltfremd klingen:

"Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie Christus, dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist, er hat sie gerettet" (Eph 5, 22.23). Paulus spiegelt hier die Gesellschaftsordnung seiner Zeit wider. Man kann sich fragen, geht es Paulus in dem Text nur um Unterordnung, so wie heute dieses Wort verstanden wird? Geht es darum, eine sklavische Unterordnung zu einer Tugend zu erheben? Man würde Paulus völlig missverstehen, wenn man diese Stelle aus dem Epheserbrief isoliert verstehen würde.

Der Apostel sagt am Anfang der heutigen Lesung: "Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus" (Eph 5,21). Paulus stellt hier den gemeinsamen Bezugspunkt von Mann und Frau klar heraus: Christus; wobei Paulus nicht nur die Frauen anspricht, sondern auch den Männern klare Worte sagt, die von den Männern sogar mehr fordern, als er von den Frauen fordert: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat" (Eph 5,25). Die Männer sollen also für die Frauen sogar ihr Leben hingeben.

Vom zweiten Teil der Lesung, dem Aufruf an die Männer, fällt neues Licht auf den ersten Teil der Lesung, den Aufruf an die Frauen. Und hier unterscheidet sich Paulus total von der Meinung seiner Zeit. Hier ist nicht mehr die Rede von Unter- oder Überordnung, sondern der Mann muss seine Frau so lieben, dass er sogar sein Leben für sie hingibt, damit die Frau lebt.

Paulus sieht die Liebe, auch die "Unterordnung" zwischen dem Mann und der Frau, auf dem Hintergrund, wie Christus die Kirche geliebt hat. Diesen Gesichtspunkt bringt Paulus auch bei der Ermahnung an die Frauen: "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männer unter wie Christus, dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist, er hat sie gerettet" (Eph 5, 22.23).

So mahnt auch Paulus sofort die Männer und fordert sie sogar auf, ihr Leben für ihre Frauen hinzugeben, wie es Christus getan hat: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen" (Eph 5, 25.26). Wenn heute die Gleichstellung von Mann und Frau gefordert wird, so fordert der hl. Paulus von den Männern noch mehr: das eigene Leben für die Frau hinzugeben, wie Christus die Kirche geliebt hat und sogar sein Leben für sie hingegeben, geopfert hat.

Paulus verweist den Mann in seiner Liebe zur Frau aber nicht nur auf Christus, sondern auch auf sich selbst: "Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche" (Eph 5, 28.29). Paulus hat das Vorbild Christi vor Augen, der vor allem sein eigenes Vorbild den Jüngern klar vor Augen stellt: "Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mt 20, 28). So gilt auch für den Mann: "Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein (Mt 20, 26.27).

Auf diesem christusbezogenen Hintergrund ist die Aussage des hl. Paulus zu sehen: "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männer unter wie Christus, dem Herrn " (Eph 5, 22).

Paulus hat mit dieser christusbezogenen Sicht der Beziehung von Mann und Frau eine völlig neue Welt aufgetan, die allein den Eheleuten Glück bringen kann.

Das Kennzeichen einer christlichen Ehe wird sein: Christus ist der Mittelpunkt der Ehe. Paulus spricht vor allem die Männer an und fordert sie auf, in ihrer Liebe zur Frau das eigene Leben für die Frau hinzugeben. Ich denke mir, man müßte Eph 5, 25.26 auch den Frauen ins Herz legen und sie ermahnen: Ihr Frauen, liebt eure Männer, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat.

Es ist eine falsch verstandene Liebe, die nur haben will. Zur Liebe gehört wesentlich: wer schenkt, der wird beschenkt, wer gibt, der empfängt. Die eheliche Liebe ist ein Geben und Empfangen. Eine Gier nach "Liebe" ist keine Liebe, sondern nur Selbstbefriedigung. Unter der Gier nach "Liebe" leiden vor allem die Frauen, die auch liebevoll beschenkt werden wollen.

Wenn im Familienleben Christus klar im Mittelpunkt ist, dann werden auch die Kinder aus diesen Familien in ihrem eigenen Leben ebenfalls Christus in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, und zwar so in den Mittelpunkt stellen, dass sie die von Christus kommende Berufung als Priester oder Ordensperson annehmen können. Die Familie ist der Ort, wo Priester- und Ordensberufe wachsen können.

Eine Selbstverständlichkeit ist das gemeinsame Beten und das gemeinsame Nachdenken über die Geheimnisse unseres Glaubens, so dass der Glaube wachsen kann: Wer betet, der glaubt. Wer glaubt, der betet. Die Gebetspraxis ist eng mit der Glaubenspraxis verknüpft.

Ich möchte dazu wiedergeben, wie Papst Benedikt XVI. die Beziehung zu Gott in seiner Kindheit erlebte. Beim Pastoralbesuch in der Erzdiözese Mailand und beim VII. Weltfamilientreffen vom 1.- 3. Juni 2012 wurde Papst Benedikt XVI. im Park von Bresso am Samstag, 2. Juni 2012, von Cat Tien, einem Mädchen aus Vietnam, gefragt: "Hallo, lieber Papst! ... Ich wüßte gern etwas über deine Familie, und von dir, als du so klein warst wie ich". Der heilige Vater antwortete: "Danke, meine Liebe... Du fragst mich, welche Erinnerungen ich an meine Familie habe: sehr viele! Aber ich möchte nur einige wenige Dinge sagen.

Besonders wichtig war für unsere Familie immer der Sonntag, aber der Sonntag begann schon am Samstag Nachmittag. Unser Vater las uns die Lesung – die Sonntagslesung – aus einem Buch vor, das damals in Deutschland sehr verbreitet war und in dem die Texte auch erklärt wurden. So begann also der Sonntag: wir traten bereits in die Liturgie ein, in eine Atmosphäre der Freude. Tags darauf gingen wir zur Messe.

Ich bin in der Nähe von Salzburg zu Hause, wir hatten also viel Musik – Mozart, Schubert, Haydn – und wenn das Kyrie anhob, dann war es, als würde sich der Himmel auftun.

Wichtig war bei uns zu Hause natürlich auch das gemeinsame Mittagessen.

Wir haben auch viel miteinander gesungen: mein Bruder ist ein großer Musiker, schon als Junge hat er für uns alle komponiert, und so hat die ganze Familie gesungen. Unser Vater spielte Zither und sang dazu; das sind unvergeßliche Momente.

Wir haben natürlich auch gemeinsame Reisen und Spaziergänge unternommen; wir wohnten in der Nähe eines Waldes, und diese Spaziergänge im Wald waren wunderschön: voller Abenteuer, Spiele, usw.

Mit einem Wort: wir waren ein Herz und eine Seele, haben vieles gemeinsam erlebt und durchgestanden, auch in schweren Zeiten, weil damals die Zeit des Krieges war, davor die Zeit der Diktatur und dann der Armut. Aber diese Liebe, die uns verband, diese Freude auch an einfachen Dingen, war stark, und so konnte man auch diese Dinge ertragen und überwinden.

Das erscheint mir sehr wichtig: daß auch kleine Dinge Freude machten, weil so das Innerste des Herzens des anderen zum Ausdruck kam. So sind wir also aufgewachsen in der Gewißheit, daß es gut ist, ein Mensch zu sein, denn wir konnten ja sehen, daß sich die Güte Gottes in unseren Eltern und Geschwistern widerspiegelte.

Und um die Wahrheit zu sagen: wenn ich mir vorzustellen versuche, wie wohl das Paradies aussehen könnte, dann kommt mir immer die Zeit meiner Jugend, meiner Kindheit, in den Sinn. In diesem Kontext des Vertrauens, der Freude und der Liebe waren wir glücklich, und ich denke, daß es im Paradies ähnlich sein muß wie in meiner Kinder- und Jugendzeit. In diesem Sinn hoffe ich eines Tages »heimzugehen», der »anderen Welt« entgegen".

Ich möchte Eltern ermuntern, mit ihren Kindern in den Gottesdienst zu gehen und auch die Kinder darauf vorzubereiten. Viele Eltern tun für ihre Kinder alles und fahren die Kinder auf diese oder jene Veranstaltung. Die beste Vorbereitung auf das Leben ist ein fundiertes religiöses Leben. So verweist Newsweek auf eine Umfrage des Nationalen Gesundheitsinstitutes: Demnach leben Kirchgänger durchschnittlich um 25 Prozent länger als Menschen, die keine Gottesdienste besuchen.

Wenn ich im Urlaub bei meinen Eltern war, so konnte ich feststellen, dass meine Eltern schon um ½ 5 Uhr zu beten anfingen. Anschließend gingen sie zum Chorgebet der Schwestern, wo meine Eltern 22 Jahre kostenlos Hausmeister machten, und besuchten anschließend die hl. Messe. Bei der Familie meines Vaters waren es 14 Kinder: mein Vater war in der Mitte; er hat aber alle Geschwister überlebt und ist 89 Jahre geworden. Bei meiner Mutter waren es 8 Kinder; meine Mutter war die älteste und hat alle Geschwister überlebt; sie wurde 95 Jahre.

So kann ich Ihnen, liebe Gottesdienstbesucher nur gratulieren, da sie anscheinend auch länger leben wollen. Wer länger leben will, muß den Weg zur Heiligkeit gehen: Wo sollen wir mehr zur Heiligkeit ermuntert werden und geistige Nahrung empfangen, wenn nicht in der hl. Eucharistiefeier. Das Streben nach Heiligkeit ist für den Menschen heilsam.

Eine Rückbesinnung auf das Gut der Familie auf dem Hintergrund eines christlichen Lebens kann neue Chancen eröffnen. Die heutige Lesung, auf den ersten Blick weltfremd, ist aktueller als je zuvor. Die Familie ist von Gott gewollt. Ich denke mir aber, Mann und Frau müssen umdenken und nachdenken.

Paulus will uns Christus vor Augen stellen, der zu uns im heutigen Evangelium Worte gibt mit "Geist und Leben" (Joh 6,63). Geist und Leben wünsche ich allen Familien und Ehepaaren, damit sie in der Familie, in der Ehe ihr Glück finden.

Gerade für eine Familie eignet sich das heute Tagesgebet: "Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben, zum gemeinsamen Streben (NB.: vor allem in der Familie). Gib, dass wir lieben, was du befiehlst, und ersehnen, was du uns verheißen hast, damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind".

www.pater-bernhard.de






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Freiburg: Romkritische Priestergruppe will Reformen vorantreiben (44)

Schönborn: Papstwahl war 'eine enorme Erfahrung des Heiligen Geistes' (41)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (36)

Piraten-Partei will den Begriff 'Ehe' abschaffen (26)

'Die Warnung' ist eine extrem gefährliche Falschprophetie (26)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (25)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (25)

Missbrauchsvorwürfe gegenüber Gründer der Johannesgemeinschaft (19)

Klerikalismus: Die Versuchung des Geldes und der Eitelkeit (18)

Vatikan: Theologen dürfen nicht nur 'äußerlich loyal' sein (16)