
Berlin-New York (kath.net/KAP) Während die jüdische Menschenrechtsorganisation "Anti-Defamation League" (ADL) in großer Sorge um die Rechtssprechung in Deutschland im Blick auf Beschneidungen ist, hat sich am Dienstag in Berlin ein Sprecher des Justizministeriums geäußert. Die Regierung plane ein Gesetz zur religiösen Beschneidung von Knaben, betonte er. Das Justizministerium wolle bald einen Entwurf vorlegen, man arbeite mit Hochdruck an einer Regelung. Details wollte er nicht nennen.
Das Kölner Landgericht hatte in seinem Urteil vom Mai die Auffassung vertreten, die Beschneidung von Buben aus religiösen Gründen sei als Körperverletzung strafbar. Das für andere Gerichte nicht bindende Urteil stieß vor allem bei islamischen und jüdischen Verbänden im In- und Ausland auf scharfe Kritik.
Die ADL wies am Dienstag auf die Besorgnis erregende Anzeige gegen den bayerischen Rabbiner David Goldberg wegen Körperverletzung hin. Dass Goldberg wegen von ihm durchgeführter Beschneidungen vor Gericht solle, sei "eine bedauernswerte Folge des schrecklichen Urteils von Köln, das ein Anschlag auf die Religionsfreiheit war", erklärte ADL-Direktor Abraham Foxman in New York.
Foxman bekundete zugleich Vertrauen in die bayerische Justiz. Er erinnerte dabei an die Zusage der Regierung des Freistaats, korrekt ausgeführte rituelle Beschneidungen nicht als Straftaten zu betrachten. Zudem finde das "mangelhafte Urteil eines Richters in Köln" keine Anwendung in Bayern. Die ADL zuversichtlich, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und die deutsche Regierung zu einer "positiven Lösung" kämen, um den traditionellen jüdischen Beschneidungsritus zu schützen, so Foxman.
Nach einem Bericht der "Jüdischen Allgemeinen" hatte ein Arzt aus Hessen Strafanzeige gegen Rabbiner Goldberg im oberfränkischen Hof erstattet. Der Kölner Rabbiner Yaron Engelmayer von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz erklärte der Zeitung zufolge, es sei das erste Mal, dass in Deutschland gegen einen Rabbiner ermittelt werde, weil er ein religiöses Ritual ausführe.
Rabbiner David Goldberg arbeitet nach Angaben der "Jüdischen Allgemeinen" seit 1997 in der Gemeinde Hof. Der gebürtige Israeli lebe seit Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland. Er sei ein qualifizierter Mohel (Beschneider) und habe nach eigener Auskunft über 3.000 Eingriffe vorgenommen.
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