
Rimini (kath.net/Emmeciquadro) Wenn mit einem vorgeburtlichen Test zur Feststellung von Trisomie 21 (Down Syndrom) dem ungeborenen Leben eine neue Bedrohung entsteht, tut es gut, an ihren Entdecker zu erinnern: den Diener Gottes Jérôme Lejeune (Foto), jenen französischen Arzt und Genetiker, der seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Dienst des menschlichen Lebens stellte – und sich mit seiner klaren pro-life Haltung den Nobelpreis verscherzte. Derzeit ist im Rahmen des „Meeting di Rimini“ von „Comunione e Liberazione“ dem wenig bekannten Lebenswerk Lejeunes eine Ausstellung gewidmet.
Die Ausstellung, die von der Associazione Euresis und der Jérome-Lejeune-Stiftung unter der Mitarbeit der Associazione „Medicina e Persona“ und des Centro Culturale „Crossroads“ verwirklicht wurde, thematisiert den Menschen und seine Bestimmung, indem sie eine Untersuchung über die Natur des Menschen darbietet: vom Zeugnis des Arztes und Dieners Gottes Jérôme Lejeune ausgehend, und über die Episoden seines Lebens, zeigt sie die Entwicklung der medizinischen Genetik und die jüngsten Erkenntnisse der Evolutionsbiologie zum genetischen Determinismus.
Am Beginn der Ausstellung wird Lejeunes wissenschaftlicher Werdegang im Kontext des Kenntnisstandes der Biomedizin seiner Zeit zurückverfolgt, und einige Grundbegriffe der Biologie und der Genetik eingeführt. Im Anschluss werden seine wissenschaftliche Tätigkeit, sein Zugang zur Forschung, und seine Entdeckungen beschrieben, insbesondere wie er zum Nachweis des Zusammenhangs zwischen Down-Syndrom und Trisomie 21 gelangte. Lejeune ist Forscher, aber ebenso ist er Arzt, genauer: Kinderarzt. Seine Haltung, und von daher das Ziel seiner wissenschaftlichen Forschung, ist die Erkenntnis um des Heilens willen, nicht die Beseitigung der „Unerwünschten“.
Die Ausstellung stellt Beispiele dafür vor, wie die Genetik die Heilung mancher Erbkrankheiten ermöglicht hat, aber auch, gerade vom Zeugnis Lejeunes ausgehend, Beispiele über die Bedeutung einer mitmenschlichen Umgebung für den Kranken, auch in Fällen wo sich keine Besserung einstellt. Die wissenschaftlichen und christlichen Fundamente, auf denen Lejeunes Sicht des Menschen gründet, werden hervorgehoben. Von ihnen her nehmen seine entschiedenen öffentlichen Stellungnahmen zu Gunsten des Lebens ihren Ausgangspunkt. Für Lejeune ist jeder Mensch „einzigartig“ und „unersetzlich“, und muss als solcher angesehen werden.
Im weiteren Verlauf der Ausstellung werden die Etappen dargestellt, die von Lejeunes Entdeckungen zu den Entwicklungen der modernen Genetik führen. Heute kennen wir den Großteil der Gene des Menschen und seine gesamte DNA-Sequenz, sodass die genetischen Ursachen zahlreicher Krankheiten identifiziert werden können. Darüber hinaus kann man mit Hilfe aktueller Technologie die gesamte DNA-Sequenz sehr vieler Einzelpersonen erhalten.
Aus diesen wissenschaftlichen Kenntnissen ergeben sich viele Fragen, die einer Antwort bedürfen: welchem Ziel dient all dies? Welche Informationen dürfen wir daraus entnehmen? Dienen diese Erkenntnisse einer besseren Therapie (wie Lejeune es befürwortete), oder der eugenischen Selektion? Immer wird es das Zeugnis Lejeunes sein, das uns begleiten und uns, über den gesamten Verlauf der Ausstellung hin, väterlich zur Antwort führen wird.
Im Zuge der Ausstellung wird die weit verbreitete Idee, wonach es ein „Gen für“ jedes Merkmal gäbe, einer Kritik unterzogen – der Gedanke, dass der Mensch, und allgemein jeder lebende Organismus, die Summe vieler derartiger „Gene für“ sei.
Die moderne Evolutionsbiologie sagt uns, dass die genetische Ausstattung weniger ein „Ausführungsprogramm“ als vielmehr eine Gesamtheit von „Werkzeugen“ ist, die der biologische Organismus, zusammen mit vielen anderen Informationsquellen, wie der familiären Umgebung und der Erziehung, verwendet, um sein Leben aufzubauen. Von daher stellt es sich als schwierig heraus, Lebewesen, und vor allem den Menschen, als völlig von den Genen bestimmte und abhängige Wesen zu begreifen. Und es tritt neu jenes Bild der unreduzierbaren Einheit des Menschen und der Kontingenz jedes Lebewesens zu Tage, das Lejeune am Herzen lag. Der Blick auf diese große Wahrheit kann nur eine andauernde und unerschöpfliche Quelle des Staunens sein, die zur Frage führt: „Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass Du Dich seiner annimmst?“
Von Filippo Peschiera. Einleitung und Übersetzung aus dem Italienischen: Daniel Saudek. Erstmals erschienen in Emmeciquadro 45 (2012)
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