
Rom (kath.net/as) Jesus war kein Messias, der den Anspruch auf einen irdischen Thron erhob. Er suchte keinen Konsens, um Jerusalem zu erobern. Er wollte in die Heilige Stadt gehen, um das Schicksal der Propheten zu teilen: das Leben für Gott und das Volk hingegeben. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Sonntag an die zum Gebet des Angelus in Castel Gandolfo versammelten Pilger und Besucher.
Der Papst setzte in seiner Kurzkatechese den Kommentar zum sechsten Kapitel des Johannesevangeliums fort, in dem die Rede Jesu in der Synagoge von Kafarnaum nach der Brotvermehrung überliefert wird. Jenes für Tausende von Menschen gebrochene Brot habe keinen Triumphmarsch provozieren, sondern das Kreuzesopfer ankündigen wollen, bei dem Jesus das für die Vielen gebrochene Brot wurde, Leib und Blut zur Sühne für das Leben der Welt. Die Rede Jesu habe somit beabsichtigt, der Menge ihre Illusionen zu nehmen und vor allem eine Entscheidung in seinen Jüngern hervorzurufen. Denn viele von diesen seien Jesus von jenem Moment an nicht mehr nachgefolgt.
Jesus offenbare mit der Rede den Sinn des Wunders der Brotvermehrung, nämlich dass die Zeit der Verheißungen erfüllt sei. Gott, der mit dem Manna die Israeliten in der Wüste gesättigt habe, habe nun Jesus, den Sohn, als ewiges Brot gesandt. Dieses Brot sei sein Fleisch, „sein für uns zum Opfer dargebotenes Leben“.
Daher gehe es darum, Jesus mit Glauben aufzunehmen und sich nicht über sein Menschsein zu entrüsten. Und „es geht darum, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, um in sich die Fülle des Lebens zu haben“. Für Benedikt XVI. ist es offensichtlich, dass Jesus diese Rede nicht halte, um Konsens zu erlangen. Er wisse dies und spreche absichtlich so. In der Tat habe es sich um einen kritischen Moment gehandelt, „eine Wende in seiner öffentlichen Sendung“. Die Menschen und auch die Jünger seien über Jesu Wunderwirken begeistert gewesen. Auch die Brotvermehrung habe eine deutliche Offenbarung des Messias dargestellt, so dass die Menge Jesus sofort im Triumph zum König Israels ausrufen gewollt habe. Dies aber sei gewiss nicht der Wille Christi gewesen, der gerade mit seiner Rede die Begeisterung breche und viel Dissens provoziere.
Indem Jesus das Bild des Brotes erkläre, sage er, dass er gesandt worden sei, um sein Leben darzubringen. Wer ihm folgen wollte, müsse sich ihm auf persönliche und tiefe Weise anschließen und an seinem Liebesopfer Anteil nehmen. Aus diesem Grund werde Jesus das Sakrament der Eucharistie einsetzen: „damit seine Jünger in sich seine Liebe haben und wie ein einziger mit ihm vereinter Leib in der Welt sein Geheimnis des Heils fortsetzen können“.
Abschließend rief der Papst die Gläubigen dazu auf, sich neu von den Worten Christi ansprechen zu lassen: „Er, das in die Furchen der Geschichte geworfene Weizenkorn, ist die Erstlingsgabe der neuen Menschheit, die vom Verderben der Sünde und des Todes befreit ist“. So solle das Sakrament der Eucharistie neu entdeckt werden, das die ganze Demut und Heiligkeit Gottes zum Ausdruck bringe: „sein Kleinwerden, Fragment des Universums, um es ganz in der Liebe auszusöhnen“.
Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:
Ganz herzlich grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache, besonders die vielen jungen Gäste aus dem Feriencamp in Ostia. Viele von uns genießen in diesen Tagen ihren Sommerurlaub, der eine Erholung und eine innere Stärkung für jeden bedeutet. Im Evangelium des heutigen Sonntags spricht Jesus von einer weiteren Stärkung, einer Nahrung, die ewiges Leben schenkt. Das ist er selbst mit seinem Fleisch und Blut, die er uns in der Eucharistie schenkt. Mit dieser Speise will er uns umwandeln und uns in seine Weise des Lebens hineinziehen. Wir bitten ihn darum, daß diese Umwandlung in uns gelingt, daß wir neue Menshen werden, Menschen des wirklichen Lebens. Euch allen wünsche ich eine gesegnete Ferienzeit.
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