17 August 2012, 16:45
Zwei Jahre Straflager für 'Pussy Riot'
 
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Ein Moskauer Gericht befand die Frauen am Freitag des «Rowdytums aufgrund von Religionshass» für schuldig – Der umstrittenen Text der Punk-Musikerinnen im Wortlaut

Moskau (kath.net/KNA/red) Die russischen Punk-Musikerinnen von «Pussy Riot» sind zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Ein Moskauer Gericht befand die Frauen am Freitag des «Rowdytums aufgrund von Religionshass» für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert. Die sechsmonatige Untersuchungshaft wird angerechnet. Menschenrechtsorganisationen protestierten gegen das Urteil.

Die drei Musikerinnen Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa hatten im Februar mit einem «Punk-Gebet» in der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gegen eine Wiederwahl Wladimir Putins als Staatspräsident protestiert. Sie verbrachten seitdem ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Dort seien sie Foltermethoden wie überlangen Verhören und Schlafentzug ausgesetzt gewesen, erklärten sie.

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Die Urteilsverkündung, die mehrere Stunden dauerte, wurde weltweit live übertragen. Darin hieß es, die drei Frauen hätten ihre öffentliche Missachtung der kirchlichen Ordnung bewusst geplant und eine Verletzung religiöser Gefühle von Gläubigen in Kauf genommen. Die Richterin erklärte, sie hätten keine Reue gezeigt und sich lediglich auf eine künstlerische Darstellung berufen. Die drei Angeklagten folgten der Verlesung des Urteils in einem Glaskasten und in Handschellen. Beobachter erwarten, dass die Anwälte der Angeklagten Berufung gegen das Urteil einlegen.

Menschenrechtsorganisationen, zahlreiche Politiker, Prominente und Kirchenvertreter aus dem Ausland hatten sich für eine Freilassung der Musikerinnen eingesetzt. In vielen Städten, auch in Deutschland, fanden am Freitag Flashmobs und Demonstrationen statt. Amnesty International stuft die drei Angeklagten als politische Gefangene ein und sprach von einem «harten Schlag gegen die Meinungsfreiheit in Russland». Das Urteil solle eine Warnung sein, Putin und seine Regierung zu kritisieren.

Putin und ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche hatten sich im Vorfeld gegen eine harte Bestrafung ausgesprochen. Er hoffe, die drei Frauen hätten ihre Lektion gelernt, so Putin. Die Anwälte der als Nebenkläger auftretenden Kirchenmitarbeiter äußerten während des Prozesses unterschiedliche Ansichten. Die Strafe müsse von einer Wiederholung der Tat abschrecken. Die Vertreter von zwei weiteren Nebenklägern forderten hingegen Bewährungsstrafen.

Das Focus-Magazin hat den umstrittenen Text der Sängerinnen dokumentiert:

Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!

Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen, alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung,
das Gespenst der Freiheit im Himmel Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.

Der KGB-Chef ist euer oberster Heiliger, er steckt die Demonstranten ins Gefängnis. Um den Heiligsten nicht zu betrüben, müssen Frauen gebären und lieben.

Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!

Mutter Gottes, du Jungfrau, werde Feministin, werde Feministin, werde Feministin!

Kirchlicher Lobgesang für die verfaulten Führer, Kreuzzug aus schwarzen Limousinen.
In die Schule kommt der Pfarrer, geh zum Unterricht, bring ihm Geld.

Der Patriarch glaubt an Putin. Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben. Der Gürtel der Seligen Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen, die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns! Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!“


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Foto:( c) Wikipedia/Denis Bochkarev







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