
Bonn/Addis Abeba (kath.net/KNA) Der Patriarch der äthiopisch-orthodoxen Kirche, Abune Paulos, ist am Donnerstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Das Kirchenoberhaupt stand seit 1992 an der Spitze der rund 40 Millionen Mitglieder zählenden Religionsgemeinschaft, die etwa die Hälfte aller Äthiopier umfasst. Medienberichten zufolge war Abune Paulos in den vergangenen Wochen wegen einer nicht näher benannten Erkrankung in medizinischer Behandlung. Seit längerem habe er an Diabetes und Bluthochdruck gelitten. Voraussichtlich erhält Abune Paulos ein Staatsbegräbnis.
Der Präsident des Weltkirchenrates (ÖRK), Olav Fykse Tveit, würdigte unter anderem den Einsatz des Patriarchen gegen Aids, für den interreligiösen Dialog in Äthiopien und für den Schutz von Flüchtlingen. Abune Paulos war Mitglied des ÖRK-Präsidiums.
Der Patriarch, mit bürgerlichem Namen Gebre Medhin Wolde Yohannes, wurde am 3. November 1935 in Tigre geboren. Nach einem Studium in Princeton in den USA wurde er zum Bischof seiner Kirche geweiht. Anschließend übernahm er die Leitung eines ökumenischen christlichen Hilfs- und Flüchtlingsdienstes.
Unter dem kommunistischen Regime von Mengistu Haile Mariam (1974-1991) geriet die äthiopische Kirche stark in Bedrängnis. Der damalige Patriarch Tewoflos wurde inhaftiert und ermordet; auch Abune Paulos verbrachte die Jahre von 1974 bis 1976 im Gefängnis. Seit 1982 leitete er das Theologische Seminar in Kolfe. Nach einem Promotionsstudium in Princeton wurde er 1986 zum Erzbischof ernannt und 1992 zum Patriarchen gewählt.
Die Amtszeit war gekennzeichnet durch eine Aussöhnung mit dem Staat und intensive ökumenische Bemühungen vor allem gegenüber den orthodoxen Schwesterkirchen. Zudem engagierte sich Abune Paulos vermittelnd im Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. 2006 wurde er zu einem der Präsidenten des Weltkirchenrates gewählt. Mit einem historischen Besuch bei dem damaligen koptischen Patriarchen Schenuda III. in Ägypten sorgte er für eine Wiederannäherung der beiden getrennten Kirchen.
Hinweis: In Planung. KATH.NET-Leserreise nach Äthiopien! - Mehr demnächst auf KATH.NET
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