
Wien (kath.net/KAP) Mit einem Bittgottesdienst am späten Donnerstagnachmittag in der Wiener russisch-orthodoxen Kathedrale haben sich die Kirchenverantwortlichen nach der Wiener "Pussy Riot"-Aktion um Deeskalation bemüht. Vier vermummte Gestalten hatten am Mittwochabend den Altarraum der Kathedrale gestürmt und ihre Solidarität mit der Moskauer Frauen-Punkband Pussy Riot bekundet. Wie die regierungskritischen Musikerinnen aus Russland trugen die vier bunte Gesichtsmasken und ließen sich im Altarraum mit einem Banner fotografieren. Sachschaden war keiner entstanden.
Durch die Aktion seien die Gefühle vieler Gläubige verletzt worden, so Erzdiakon Viktor Schilowsky von der russisch-orthodoxen Kirche in Wien. Der Sinn des Gottesdienstes liege darin, den Herrn um eine "Befriedung" der Situation zu bitten und die "aufgebrachten Geister zu besänftigen". Die Aktion der Vierer-Gruppe wurde von Schilowsky heftig kritisiert.
Unterstützung erhielt Schilowsky von Erich Leitenberger, Pressesprecher des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich" und der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente". Er sagte in einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress" am Rande des Bittgottesdienstes, dass der Altarraum einer christlichen Kirche kein Ort für politische Manifestationen aller Art sein dürfe. "Das gilt in Wien ebenso wie in Moskau und auch an jedem anderen Ort der Welt."
"Rowdytums aufgrund von Religionshass"
Die drei Musikerinnen Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa stehen derzeit in Moskau wegen "Rowdytums aufgrund von Religionshass" vor Gericht. Sie hatten im Februar mit einem "Punk-Gebet" in der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gegen eine Wiederwahl Wladimir Putins als Staatspräsident protestiert. Ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Das Urteil soll am Freitag fallen.
Am Mittwoch hatten Sympathisanten zur Unterstützung der Musikerinnen einen Flashmob vor der Christ-Erlöser-Kathedrale organisiert. 18 Aktivisten mit "Pussy Riot"-Sturmhauben hielten Buchstaben in die Höhe, die den Bibelvers "Selig sind die Barmherzigen" ergaben. Laut russischen Medien nahmen Sicherheitskräfte in Zivil mehrere Teilnehmer fest. Zudem seien Journalisten angegriffen worden, die die Szene beobachteten und filmten.
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