16 August 2012, 10:40
Bei der hl. Messe empfangen wir nicht nur ein gesegnetes Brot
 
Hildegard13
 
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Das Wort Jesu schafft eine neue Wirklichkeit. Wenn wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, so bewirkt dies, dass wir das ewige Leben erhalten und auferweckt werden am Letzten Tag. Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch

Illschwang (kath.net) B - 20. Sonntag im Jahreskreis, Erste Lesung: Spr 9, 1-6; Zweite Lesung: Eph 5, 15-20; Ev. Joh 6,51-58

Einleitung: Die Liebe geht durch den Magen. Sicherlich haben Sie schöne Erinnerungen an ein herrliches Essen, wo sie spürten, dass der Tisch mit Liebe gedeckt ist; nicht nur die Wohnung ist vom köstlichen Duft des Essens erfüllt, sondern auch die Atmosphäre einer lieben Gemeinschaft läßt das Herz baumeln. Was geschieht eigentlich beim Essen? Besonders beim Kind kann man erleben: es nimmt von der Zeugung an nur Nahrung zu sich, die umgewandelt wird in Fleisch und Blut: das Kind wächst und gedeiht. Die Nahrung "geht in Fleisch und Blut über". Dieses "Wunder" ereignet sich bei jedem Essen. Die vorgesetzten Speisen der Gastgeber sind nicht nur für den Gaumen gedacht, sondern zielen auf das Leben, auf den ganzen Menschen.

Auf viel tiefere Weise weist Jesus im heutigen Evangelium durch seine Einladung auf das Leben, auf das ewige Leben hin: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt" (Joh 6,51).

Wir wollen am Beginn dieser hl. Messe unser Herz bereiten für den Empfang der göttlichen Speise, die uns ewiges Leben schenkt.

Predigt: Die Nahrungsaufnahme kann nicht isoliert gesehen werden, sondern sie soll in ein spirituelles Umfeld eingebettet sein. Vor allem bei Kindern ist die menschliche Zuwendung, die Hinwendung von Vater und Mutter, das Aufgenommensein in die Familie, unerlässlich. Kaiser Friedrich II. (1194-1250) hat ein berühmtes Experiment durchführen lassen: kleine Kinder sollten von ihren Ammen gut genährt und in allem wohl versorgt werden; aber niemand durfte ein Wort an sie richten. Der Kaiser wollte herausbringen, mit welcher Sprache sie zu reden anfangen würden, wenn sie größer würden. Das Experiment gelang nicht. Die Kinder verkümmerten alle und starben.

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Die drei Worte Gottes an uns Menschen
1. Schritt: "Gott sprach" (Gen 1,3) und es entstand die Schöpfung bis hin zum Menschen: "als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn" (Gen 1, 24-27).

Wie wichtig das Wort ist, sehen wir im ersten Schöpfungsbericht. Bei jedem Tag der Schöpfung wird durch das Wort Gottes Neues geschaffen: "Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht" (Gen 1,3). Nicht nur Lebloses wird geschaffen, sondern auch Tiere bis hin zum Menschen: " Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn" (Gen 1, 26.27). Durch das Wort, das Aussprechen: "Gott sprach", wird die gesamte Schöpfung vom Leblosen bis hin zum Menschen mit Fleisch und Blut erschaffen; das Wort bringt eine neue Wirklichkeit hervor.

2. Schritt: "Und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1, 14):
Das Wort selber wurde Mensch: Jesus Christus.

Das Wort steht auch am Anfang des Johannesevangeliums im Mittelpunkt. Während in der Genesis durch das Wort die gesamte Schöpfung vom Leblosen bis hin zum Menschen erschaffen wurde, gipfelt das Johannesevangelium in der Aussage: das Wort ist Fleisch geworden, das Wort tritt in die Schöpfung ein und ebnet den Weg aus dem Vergänglichen ins Göttliche, Kinder Gottes zu werden: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. ... Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit" (Joh 1, 1-5. 9-14).

Ohne das Wort, ohne die liebende Anrede gedeiht niemand. Zur Nahrungsaufnahme muss der geistige Kontakt, das Aufgenommensein in der Familie hinzukommen. Grundsätzlich kann man sagen, Wenn etwas "in Fleisch und Blut übergehen" soll, so muß, wie bei der Nahrungsaufnahme, auch das Umfeld stimmen, die Umstände, unter denen z.B. eine bestimmte Fertigkeit oder Kenntnis "in Fleisch und Blut übergehen" soll.

Die Aufnahme der Nahrung geht in Fleisch und Blut über, wobei das Fleisch und Blut Grundlage ist für geistige Fähigkeiten und somit wieder verwandelt wird. Wir sehen hier die Wandlung von Nahrung in Fleisch und Blut und gleichzeitig ist eingeschlossen, dass Fleisch und Blut Träger von Geistigem ist, wenngleich auf einer anderen Ebene. Dieses Ineinander von Geist, ausgedrückt durch das Wort, und Fleisch läßt uns auch das Wort aus dem Johannesevangelium tiefer erfassen: "Und das Wort ist Fleisch geworden " (Joh 1, 14).

Wir erleben auf der natürlichen Ebene das "Wunder", dass aus Nahrung eine Verwandlung in Fleisch und Blut gipfelt. Bei der Erschaffung der Welt können wir miterleben, wie durch das Wort Gottes Leben entsteht, das in der Erschaffung des Menschen gipfelt. Im Prolog des Johannesevangeliums wird uns verkündet, dass das Wort Gottes Fleisch geworden ist.

Das Menschsein ist Gott nicht wesensfremd, nicht wider die göttliche Natur. Für die Menschwerdung Gottes ist dies eine ganz entscheidende Aussage. Umgekehrt muss man auch sagen: für den Menschen ist die Gottheit nicht gegen die Natur des Menschen.

3. Schritt: a) Das Wort Gottes, Christus spricht erneut und gibt so den Zugang zum ewigen Leben: wer Christi "Fleisch isst und Blut trinkt, hat das ewige Leben" (Joh 6,54).
b) Christus übergibt dieses schöpferische Sprechen seinen Apostel und allen Priestern durch Handauflegung.
Damit ist der Kreis zu Gott geschlossen.

Versuchen wir nun das heutige Evangelium zu verstehen: Christus lässt uns durch sein mächtiges Handeln ein an seinem wunderbaren, göttlichem Plan teilnehmen, wenn er sagt: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank" (Joh 6, 54.55). Hier bewirkt die Nahrungsaufnahme nicht nur den Übergang in Fleisch und Blut, so dass wir leben können, sondern wer Christi "Fleisch isst und Blut trinkt, hat das ewige Leben" und wir werden auferweckt am Letzten Tag (Joh 6,54). Hier schafft das Wort Jesu erneut eine neue Wirklichkeit. Wenn wir Christi Fleisch essen und sein Blut trinken, so bewirkt diese Nahrungsaufnahme, dass wir das ewige Leben erhalten und auferweckt werden am Letzten Tag.

Das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, bewirkt durch sein Wort eine neue Schöpfung, die nicht die Entstehung der neuen Wirklichkeit "Welt" zum Ziel hat, wie bei der Schöpfung, sondern das ewige Leben. So kann Jesus sagen: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt" (Joh 6, 51).

Sofort stellt sich die Frage, wie ist es möglich, dass wir durch die Aufnahme von Christi Fleisch und Blut ewiges Leben erhalten. Verständlich ist es, wenn die Heilige Schrift fortfährt: "Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?" Jesus stellt daraufhin nochmals seine Position klar vor Augen: "Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch" (Joh 6, 53).

Die Nahrungsaufnahme unserer Speisen ist notwendig für unser physische Leben; Es muß aber noch etwas Wesentliches hinzukommen, wenn es um unser geistiges Leben geht. »Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit" (Joh 6,56-58).

Dieses zunächst unverständliche Wort hat Jesus im Abendmahlsaal auf einfache Weise eingelöst. Er legt den Nachdruck nicht auf die Nahrungsaufnahme, die im natürlichen Bereich zum Fleisch- und Blut- Werden beiträgt, sondern auf die geistige Ebene, auf das Sakrament. "Die Liturgie der Kirche benötigt, integriert und heiligt Elemente der Schöpfung und der menschlichen Kultur, indem sie ihnen die Würde vom Zeichen der Gnade, der Neuschöpfung in Jesus Christus verleiht" (Römischer Katechismus, 1149). "Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes" (Mk 14, 22 - 25).

Diese neue Schöpfung ist die Kernbotschaft Jesu, die auch der Hl. Paulus klar hervorhebt: "Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! " (1 Kor 11, 23-25).

Ausdrücklich betont der Hl. Paulus zwei Mal: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11, 24.25). Das Abendmahlsgeschehen ist kein abgeschlossenes Ereignis, wo Jesus durch sein Wort eine neue Wirklichkeit schafft, sondern das Abendmahlsgeschehen wird durch den Priester, der in der Person Christi spricht und somit teil hat an der neuen Schöpfung, vergegenwärtigt, so dass wir wie die Jünger im Abendmahlsaal in den Gestalten von Brot und Wein Christi Leib und Blut empfangen. Die Würde des Priester wird hier deutlich, der seine Vollmacht auf Christus zurückführen muß, die er durch das untrügliche Zeichen der Hand-auflegung erhalten hat (Vgl. dazu den Aufsatz in meiner Homepage: Bücher und Schriften nur im Internet: Jesus, der Gesandte des Vaters, die Brücke zu Gott. Ein Beitrag zur Würde des Priestertums und des Petrusamtes).

Dass wir tatsächlich Christi Leib und Blut empfangen wird deutlich, wenn Paulus eigens auf die Möglichkeit eines unwürdigen Empfangs hinweist: "Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt" (1 Kor 11, 26-29).

Bei der hl. Messe empfangen wir nicht nur ein gesegnetes Brot, sondern der gültig geweiht Priester spricht in der Person Christi die Wandlungsworte. Das göttliche Wort Christi wird erneut Fleisch, "Leib des Herrn" und "Blut des Herrn".

Bitten wir Gott, dass sein Wort auch in uns Fleisch wird und nicht Stein oder gar zum Gericht wird, so dass das göttliche Wort in uns Leben schafft: "Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben" (Joh 6,57). Das heutige Schlußgebet faßt zusammen: "Barmherziger Gott, im heiligen Mahl schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes. Dieses Sakrament mache uns auf Erden Christus ähnlich, damit wir im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit".

www.pater-bernhard.de






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