
Berlin (kath.net/EchoRomeo)
Lieber Herr Weihbischof Jaschke,
als ich Ihr Interview las, dass Sie Domradio gegeben haben (kath.net hat berichtet), war ich von einigem sehr angetan. Dass Sie die Ehe gegenüber anderen Beziehungen abgrenzen, kann ich nur unterstützen. Gut finde ich aber auch anders herum, dass Sie versuchen, den gesellschaftlichen Entwicklungen die Lehren der Kirche gegenüberzustellen, ohne daraus eine Kampfansage zu machen. Sie vermeiden so den Eindruck, der in Gesetzesform gegossene Katechismus als Zwang für alle sei das Ziel der Evangelisierung.
Vieles andere, was gesagt wird, möchte ich jedoch nicht unkommentiert lassen.
Einerseits wird klar betont, dass die Ehe etwas ganz einzigartiges ist. Zugleich sagen Sie, dass „wir“ (wenn ein Bischof als Bischof spricht, ist „wir“ die Kirche) auch homosexuellen Paaren gerecht werden müssen, und stellen sie so auf eine vergleichbare Stufe. Dass man in großen Teilen der Gesellschaft längst nicht mehr zwischen einer Ehe und einer Homo-Ehe unterscheiden will, ist klar. Das Interview weckt keine Erwartung auf eine alternative Antwort der Kirche, sondern hinterlässt eher den Eindruck, sie würde langsam begreifen, dass es da gegenüber der Gesellschaft Nachholbedarf gäbe.
Bei der Frage nach der Diskriminierung Homosexueller gehen Sie, ausgehend vom Katechismus, ausschließlich auf die gesellschaftlichen Aspekte der Frage ein und sprechen sich selbst am Ende die Kompetenz zur letztlichen Beurteilung ab ("Im Detail kann ich das und will ich das gar nicht beurteilen.") Doch wenn für die Kirche gesprochen wird, ist, so denke ich, nicht nach persönlicher Kompetenz gefragt, sondern nach dem Willen Gottes, auf den sie nicht eingehen.
Sie führen aus: „Ich kann nicht jedem Homosexuellen sagen: Du musst auf jeden Fall dieses Ziel der Enthaltsamkeit erreichen.“ Ich denke, das sollen Sie auch gar nicht. Das kann nur Gott, weil Er allein nicht nur dazu auffordern, sondern auch dazu befähigen kann. Dies wiederum ist uns jedoch zu verkünden aufgetragen. Es kann nicht angehen, dass die Kirche sich bei der Beantwortung dieser Fragen auf die menschlichen Aspekte beschränkt. Da hinterlässt sie ein schwaches Bild, denn auf dieser Ebene diskutieren viele andere länger, besser und mit mehr Wissen. Uns ist es aufgetragen, den Willen Gottes zu verkünden und Seine Logik in das Gespräch einzubringen, eine Logik, die alle Bereiche unseres Seins umfasst.
Die persönliche Herausforderung durch das Evangelium beschränkt sich nicht auf Fragen der Sexualität – sie ist im Leben allgegenwärtig. Die persönliche Überforderung durch Gottes Gebote ist es auch - der Gerechte fällt siebenmal am Tag. Die Botschaft der Kirche ist nun nicht, dass es daher opportun sei, von den Geboten Abstriche zu machen. Ihre Botschaft ist, dass diese Gebote zugleich Verheißungen sind! Du sollst nicht sündigen heißt zugleich: in meinem Reich wirst du nicht sündigen. Ein Skandal, wenn im Namen der Kirche diese Verheißung abgeschwächt wird.
Ich vermute, mit Ihrer Aussage wollten Sie ausdrücken, dass es unrealistisch ist, anzunehmen, dass auf eine Predigt von Ihnen hin alle Schwulen und Lesben umgehend enthaltsam leben. Mit dieser Aussage, die ich hier für Sie annehme, hätten Sie natürlich Recht. Nur, dass sich genau hier der Weg gabelt: die Welt sagt, dann ist eben das Gebot falsch, und Gott sagt, Meine Gebote führen zu Mir und Ich vergebe die Sünden auf diesem Weg. Die Welt ändert angesichts eines schweren Weges das Ziel, Gott stärkt und verzeiht das Fallen. Das ist Seine Logik: es ist die der höchsten Berufung, der Verheißung und der Vergebung. Diese Logik fehlt heute an allen Ecken und Enden. Leider finde ich in Ihren Antworten nur die weltliche Logik. Entweltlichung ist da vielleicht weniger eine Frage nach der Kirchensteuer, sondern nach der Logik, der unser Denken und Reden folgt.
Christen werden nicht dadurch interessant, dass sie sind wie alle anderen, sondern dadurch, dass sie anders sind. Die Kirche ist im gesellschaftlichen Diskurs nicht dadurch fruchtbar, dass sie möglichst das wiederholt, was andere bereits besser gesagt haben, sondern indem sie selbst etwas neues und anderes sagt. Es ist kein Zeichen von Demut oder Diskussionsfähigkeit, wenn das Salz aufhört, salzig zu sein. Christus hat Gott und Seine Wahrheit verkündet. Dasselbe erhoffe ich von einem Bischof der Kirche. Daher bitte ich dazu und für alles, was mit der Ausübung des schweren Bischofsamtes zusammenhängt, Gott um reichen Segen!
Bastian Volkamer
Bastian Volkamer führt gemeinsam mit Peter Esser den Blog "Echo Romeo"
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