
Illschwang (kath.net)
B - 19. Sonntag im Jahreskreis, 1.Ls.: 1 Kö 19, 4-8; Zweite Lesung: Eph 4, 30 - 5, 2. Ev. Joh. 6, 41-51
Vorbemerkung: Diese Predigt ist allen physisch oder psychisch Daniederliegenden gewidmet.
Menschen, die am Ende sind und mit Elija sprechen: "Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben" (1 Kön 19,4). Rufen sie mich an oder schreiben sie ein Email.
"Elija ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein" (1 Kö 19, 4.5).
Der Prophet ist am Ende seiner Kräfte. Er sieht keinen Ausweg. Er muss vor den Intrigen der heidnischen Frau des Israelkönigs Ahab (um 850 v.Chr) fliehen, weil er mit Jahwes Hilfe die Propheten des Baal als Lügner ent-larvt hatte. Isebel konnte diese Niederlage nicht ertragen, sie hing an ihrer Religion und trachtet Elija nach dem Leben. Elija, der eben noch felsenfest auf seinen Gott vertraut hatte, geriet in Angst. Unter dem Einfluss der heidnischen Königin war die Sache Jahwes aufs Neue gefährdet. Elija war bitter enttäuscht. "Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben" (1 Kön 19,4).
Damit sind wir inmitten unserer Tage. Viele, selbst rechtschaffene, auf Gott vertrauende Menschen, haben auch heute eine "Isebel", von Gott geschickt zur Prüfung. Viele Menschen stecken heute in einer ähnlichen Lage wie Elija. Das tiefe, absolute Vertrauen auf Gott ist wie nach einem Erdbeben einer tiefen Enttäuschung gewichen, ja verschüttet, begraben. Manche Christen wenden sich in ihrer Enttäuschung von Gott, von der Kirche ab. Sie sind im Grunde ihres Herzens enttäuscht und haben das, was ihnen bisher Lebenskraft gegeben hat, zu Grabe getragen. Eine Welt ist zusammengebrochen.
Die Angst vor der Zukunft läßt im Innern die Frage aufsteigen: wie soll es weitergehen, ja läßt sogar die Bitte entstehen: "Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben" (1 Kön 19,4).
Der so danieder Liegende muß erfahren, dass sich auch viele seiner scheinbaren "Freunde" abgewendet haben und nichts mit ihm zu tun haben wollen, geschweige denn helfen wollen. Der danieder Liegende kann erst in dieser Situation das wahre Gesicht seiner "Freunde" erkennen und erlebt so die nächste Enttäuschung: den Bruch, die Wahrheit mit seinen scheinbaren "Freunden".
Dass die Geschichte eines Menschen immer eine Geschichte ist, die Gott schreibt, erkennt der Daniederliegen-de nur zögernd. Ähnlich wie Elija sind auch heute Menschen unter einem Ginsterstrauch und wünschen sich den Tod. Sie stehen in einer ausweglosen Situation und wissen nicht mehr weiter. Tief enttäuscht, auch von Gott, "legte sich Elija unter den Ginsterstrauch und schlief ein" (1 Kö 19, 5).
Nun können wir sehen, wie Gott handelt. Gott steht zum daniederliegenden Elija und schickt einen Engel. Gott schickt auch heute Menschen, die in der gleichen Lage wie Elija sind, einen "Engel".
Der Daniederliegende ist aber oft so tief von seinem Elend eingehüllt, dass es Menschen, die helfen wollen, ergeht wie in unserer Lesung: "Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin" (1 Kö 19, 5.6). Kein Dank, kein Aufblicken, sondern in seiner Enttäuschung hat Elija keinen Blick mehr, dass doch Gott ihm Hilfe schickt und legt sich in seiner absoluten Niedergeschlagenheit wieder hin.
Wenn sich auch Elija aufgibt, Gott gibt ihn nicht auf und wendet sich erneut zu Elija, der sich völlig ausgepowert findet: "Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich. Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb" (1 Kö 19, 7.8).
Allen Daniederliegenden darf ich das Gebet ins Herz senken, das wir im heutigen Eröffnungsvers beteten: "Blick hin, o Herr, auf deinen Bund und vergiss das Leben deiner Armen nicht für immer. Erhebe dich, Gott, und führe deine Sache. Vergiss nicht das Rufen derer, die dich suchen" (vgl. Ps 74 (73), 20.19.22.23).
Mein geistlicher Lehrer hat mir in seinem Leben, der von seinem mühsamen Aufbauwerk immer wieder von einer "Isebel" vertrieben wurde, vorgelebt: es gibt kein aus, sondern nur einen neuen Anfang. Er fing immer wieder erneut von vorne an. Wir kennen nicht die Pläne Gottes; trotz der Intrigen - man könnte fast meinen sie sind notwendig - geschieht der Wille Gottes. Der ägyptische Josef ist das schönste Beispiel. Was jedoch Josef mitmachen musste, ist das grausamste, das man sich vorstellen kann. Dennoch war er es, der sein Volk vor dem Hungertod erretten konnte, weil er trotz aller Widrigkeiten auf Gott sein Vertrauen setzte.
Jesus selber rief in seiner größten Erniedrigung und Aussichtslosigkeit "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" (Mk 15,34). Wie man vom Geheimnis Gottes reden kann, kann man auch vom Geheimnis des Bösen reden. Im Osterlob verkündet die Kirche: "O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden".
Nur ein absolutes Gottvertrauen, die Religion (=Bindung) kann Menschen, die an den Rand ihrer Persönlichkeit gedrängt werden, aus der Ausweglosigkeit herausholen. Notwendig ist aber auch die Demut: "ich bin nicht besser als meine Väter" (1 Kön 19,4). In dieser Aussichtslosigkeit: "nun ist es genug, Herr" (1 Kön 19,4) stehen viele Eheleute, Eltern, Geschäftsleute, selbst junge Leute.
Auch manche Priester sind in einer ähnlichen Lage. In eine Pfarr-Chronik Tirols ab 1750 schrieb ein Pfarrvikar auf die letzte Seite: "Darüber regen sich viele auf! Aufregung gibt es auch... es gab auch anonyme Briefe ... Hetze ... Hetze ... Unselige Streitereien machen hier viel kaputt! adversarius vester, diabolus...".
Der letzte Vers ist aus dem Abendgebet der Kirche genommen: Der Teufel, euer Widersacher geht umher wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlingen könne". Vieles wird heute, wie zur Zeit des Propheten Elija, durch Intrigen, Haß und Neid, zerstört, bzw. gelähmt. Rettung gibt es nur, indem wir diese Aussichtslosigkeit eingebettet wissen in Gottes Ratschluss, auch wenn wir im Herzen sprechen wollen: "nun ist es genug, Herr" (1 Kön 19,4).
So beten viele Menschen auf der ganze Welt wie Jesus: "Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber" (Mt 26, 39). Christus hatte noch die Kraft, hinzuzufügen: "Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst" (Mt 26, 39). Wir beten oft nur um Errettung aus einer Notlage. Wir sollten vielmehr beten um die Kraft durchzuhalten und das befreiende "ja" zu sagen. Gott gibt auch dem Elija die Kraft: "Elija stand auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb (1 Kön 19, 7.8).
Wie wir in einer solchen Lage dennoch beten sollen, lehrt uns der heutige Antwortpsalm: "Kostet und seht, wie gütig der Herr ist! Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. Meine Seele rühme sich des Herrn; die Armen sollen es hören und sich freuen. Verherrlicht mit mir den Herrn, lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen. Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, er hat mich all meinen Ängsten entrissen.
Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten. Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn, half ihm aus all seinen Nöten. Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie. Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!" (Ps 34 (33), 2-3.4-5.6-7.8-9).
In der ersten Lesung ist von der Speise, die stärkt, die Rede: "Elija wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb" (1 Kön 19, 8). Jesus, der gekommen ist uns zu retten, bietet uns ebenfall eine Speise an und verkündet: "Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben" (Joh 6,48-51). Krasser könnte Jesus die beiden Brote nicht gegen-überstellen: Zwar dienen beide Brote der Nahrung. Aber die Väter, die das Manna gegessen haben, sind ge-storben. Die Menschen aber die das "Brot des Lebens essen, werden nicht sterben" (Joh 6,51).
Vor allem den Daniederliegenden möchte ich empfehlen, jeden Tag das "Brot des Lebens zu essen" (Joh 6,51).
So beten wir im Schlussgebet: Barmherziger Gott, wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Das heilige Sakrament bringe uns Heil, es erhalte uns in der Wahrheit und sei unser Licht in der Finsternis ".
Alle Daniederliegenden dürfen darauf vertrauen: Gott fügt alles wunderbar. Ich darf Ihnen dazu eine hoffnungsvolle Geschichte erzählen: "Ein König hatte einen Minister, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sagte: „Gott fügt alles wunderbar." Nach einiger Zeit hatte der König diesen Satz so oft gehört, dass er ihn nicht mehr ertragen konnte.
Die beiden sind auf der Jagd. Der König schießt einen Hirsch. Minister und König sind hungrig, machen Feuer, grillen den Hirsch, der König beginnt zu essen und schneidet sich in seiner Gier einen Finger ab. Der Minister: „Gott, fügt alles wunderbar."
Jetzt reicht es dem König. Wütend entlässt er den Minister aus seinen Diensten und befiehlt ihm, sich fortzu-scheren. Er wolle ihn nie wieder sehen. Der Minister geht. Der König, vom Hirschbraten gesättigt, schläft ein. Wilde Räuber, Anhänger der Göttin Kali, überfallen und fesseln ihn, wollen ihn ihrer Göttin opfern und - ver-speisen. Im letzten Moment bemerkt einer der Kali-Anhänger den fehlenden Finger. Die Räuber beratschlagen sich und befinden: „Dieser Mann ist unvollkommen. Ihm fehlt ein Körperteil. Unserer Göttin darf nur Voll-kommenes geopfert werden." Sie lassen ihn laufen. Der König erinnert sich an die Worte des Ministers: „Gott fügt alles wunderbar" und begreift: Genau so ist es. Auch in diesem Fall. Er fühlt sich schuldig, weil er den Minister verbannt hat, und lässt ihn suchen. Nach langer Zeit wird er gefunden. Der König entschuldigt sich und bittet ihn, wieder in seine Dienste zu treten. - Der Minister: „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin dankbar, dass du mich fortgeschickt hast. Mich hätten die Räuber geopfert. Mir fehlt kein Finger. Gott fügt alles wunderbar" (Internet und: Hofsümmer, Kurzgeschichten, Bd. VII, S.80 f.).
"Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft,
sie bekommen Flügel wie Adler" (Jes 40,31).
www.pater-bernhard.de
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