06 August 2012, 14:03
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Hildegard13
 
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Was ist der Tod für den homo religiosus? Mit Julien Ries, dem Begründer der Religionsanthropologie, den Benedikt XVI. vergangenen Februar zum Kardinal kreierte, sprach Roberto Fontolan (Osservatore Romano).

Rom (kath.net/Osservatore) Julien Ries wurde 1920 in Arlon (Belgien) geboren. Er ist Priester der Diözese Namur und Religionshistoriker, einer der anerkanntesten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Religionsanthropologie.

Der mittlerweile emeritierte Professor hat über zwanzig Jahre lang an der Katholischen Universität von Louvain-la-Neuve Religionsgeschichte gelehrt. Von Benedikt XVI. wurde er im Konsistorium vom 18. Februar 2012 zum Kardinal kreiert.

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Seine gesammelten Werke, geplant sind 11 Bände in 18 Teilen, erscheinen derzeit in italienischer Sprache bei Jaca Book. 2009 schenkte er der Katholischen Universität von Mailand seine Bibliothek, seine Manuskripte sowie seine jahrelange Korrespondenz mit Gelehrten aus der ganzen Welt: sie bilden nun an der Mailänder Universität das »Julien-Ries-Archiv für symbolische Anthropologie«.

Seit 1982 hat er mehrmals am »Meeting für die Freundschaft unter den Völkern« teilgenommen, das jedes Jahr im August in Rimini stattfindet. Auch in diesem Jahr – das Treffen findet vom 19. bis 25. August statt– steht am 20. August ein Vortrag von ihm auf dem Programm, der den Titel »Homo religiosus« trägt. Das Interview fand in seiner Wohnung in Belgien statt, die von Büchern, Erinnerungen und Projekten überquillt. Auch heute widmet der Professor und Kardinal einen großen Teil seiner Zeit dem Studium.

Eminenz, wie kam es zu Ihrer Leidenschaft für die Studien über den »homo religiosus«?

Im Jahr 1968 wurde ich zum Professor für Religionsgeschichte an der Katholischen Universität von Louvain ernannt. Ich hatte Theologie und Orientalistik studiert. Meine Doktorarbeit untersuchte einige koptische Texte und den Einfluß des Neuen Testaments auf diese Texte. Ich hatte mich also dem vergleichenden Studium religiöser ägyptischer Texte gewidmet.

Als Professor mußte ich dann große Themen angehen: Hinduismus, Buddhismus, Islam, die Religionen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens, die altägyptische Religion. Ich bemerkte, wie meine Studenten sich für diese Themen begeisterten, und ich dachte über die Fragen nach, die sie mir stellten, sehr viele Fragen. Eine Dynamik, die mich immer mehr in die Tiefe führte.

Aber ich kann auch hinzufügen, daß der Grund dafür, daß ich die Themen des Todes und der Unsterblichkeit in den Religionen untersuchte, ein Buch war, das mir der damalige Kardinal Ratzinger zusandte, und zwar sein Buch über das Jenseits im christlichen Glauben: Eschatologie – Tod und ewiges Leben.

Ich dachte, daß eine ähnliche Untersuchung auch für die anderen großen Religionen wichtig wäre. Und so habe ich aufgrund einiger Umstände und der Arbeit an der Universität meine Forschungen fortgesetzt und bin zu einer Synthese in bezug auf die Frage des »homo religiosus« und der Religionsanthropologie gelangt. Was bedeutet das Heilige, was bedeutet »homo religiosus«, was bedeutet Religionsanthropologie? Es gab sehr umfassende Studien über soziale und kulturelle sowie strukturale Anthropologie, aber die Anthropologie des »homo religiosus« gab es nicht.

Was ist der Tod für den »homo religiosus«?

Ich beende gerade ein Buch, in dem ich den Begriff des Todes und des Jenseits in zwanzig verfaßten Religionen untersuche. Für die Ägypter zum Beispiel ist das Jenseits wundervoll. Zu Lebzeiten errichten sie die Gräber und bereiten sich auf den Übergang vor. Für sie gibt es zwei Arten, das Leben zu leben: eine besteht darin, jeden Tag aufzuerstehen und der Sonne zu folgen, oder bei Osiris zu sein und in seiner Gegenwart zu bleiben.

Etwas Ähnliches gibt es bei den Etruskern. Wenn wir ihre Monumente erforschen, sehen wir, daß sie überzeugt waren, daß sich das Leben in der jenseitigen Welt in gewisser Weise in glücklicherer und verlangsamter Form »wiederholen« würde.

In Mesopotamien dagegen ist eine pessimistische Vorstellung vorherrschend, zurückgehend auf die Lebensbedingungen im Diesseits: die Texte des 5. und 4. vorchristlichen Jahrhunderts zeigen uns Menschen, die sich von den Göttern dazu verurteilt sehen, Kanäle zu graben und unaufhörlich zu arbeiten, damit es in den Kanälen Wasser gibt…

Es ist interessant zu sehen, daß es in allen zwanzig Religionen Gedanken über den Tod und das Jenseits gibt, und zu sehen, wie diese von der Auffassung des Lebens auf der Erde abhängen.

Foto: www.osservatoreromano.va






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